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Montagsthemen (vom 11. Februar)

Wetten, dass Bayern München NICHT Meister wird!?
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Zur Wette später. Zunächst einmal sieht es ja so aus, als ginge die Bundesliga einer langweiligen Endphase entgegen. Titel vergeben, BVB und Bayer die Besten vom Rest, Absteiger jetzt schon unter sich – da reduziert sich die Spannung auf die in Hessen allerdings bedeutsame Frage: Schafft’s die Eintracht in den Europapokal, gar in die Champions League?
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Apropos: Wenn es Dortmund nicht gelingt, die notorische Schlampigkeit rund um Hummels abzulegen, kann es auch in Donezk ein bitter kaltes Erwachen geben. Leichtfüßigkeit hui, Bruder Leichtfuß pfui.
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Da schwillt dem BVB-Fan manchmal der Hahnenkamm. Mit dieser überaus genialen Überleitung zur Hahnenkamm-Abfahrt auf der »Streif«: Dass Aksel Lund Svindal gewinnt, war eh klar. Ich kenne die Strecke gut, Svindal ist gut drauf, ist Super-G-Spezialist, und die Strecke ist ein bisschen Super-G-mäßig. Klare Sache also, weiß der Experte. Leider nicht ich, sondern »Streif«-Ikone Franz Klammer. Der sagte das im SZ-Interview vor der Abfahrt (hinterher wäre sogar ich schlauer). Die Anführungszeichen habe ich vergessen, macht aber nichts, ich schreibe hier ja keine Doktorarbeit.
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Damit langsam zur Wette. Zum Doping kommt jetzt auch noch der Wettbetrug. »Götterdämmerung« im Sport? Für Holger Gertz auf der Sahne-»Seite drei« der Süddeutschen Zeitung nur eine rhetorische Frage, nachdem er sie mit dem unvermeidlichen »Philosophieprofessor und Sportsoziologen« Gunter Gebauer ausführlich bekakelt hat.
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Götterdämmerung? Oder eher Journalistendämmerung? Selbst (auch von mir) bewunderte Schreiber wie Gertz lassen sich von den Gebauers einwickeln und auflullen, wobei Gertz sich sogar weismachen lässt, im Vergleich zu unseren Armstrong-Zeiten seien »die Siebziger unschuldige Jahre« gewesen. Narrhallamarsch!
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Aber so lange sich die Gebauers lustvoll am Sport abarbeiten, verliert er nichts von seiner Faszination. Erst wenn sie sich achselzuckend abwenden, käme die Götterdämmerung. Und überhaupt: Der Leistungssport ist immer noch sauberer und ehrlicher als die gesamte übrige Leistungsgesellschaft.
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Nehmen wir nur den echten, schweren, aber unsinnig aufgebauschten Problemfall Wettbetrug: Laut Europol sind seit 2008 knapp 700 Spiele manipuliert worden, fast ausschließlich in Timbuktu oder Hintertupfingen. Die meisten Fälle sind längst bekannt, die wenigsten gerichtsfest nachgewiesen. Nimmt man die Gesamtzahl der Spiele seit 2008, kommt man auf eine Kriminalitätsquote im unteren Promillebereich. Glaubt man zudem an die angeblichen Bestechungssummen (insgesamt Fantastillionen) und den angegebenen Gesamtwettgewinn (schlappe acht Millionen Euro), relativiert sich »der größte Wettbetrug aller Zeiten« zu einem nachrangigen Problem, das fast ausschließlich abgedrehte Zocker in echten oder virtuellen Hinterzimmern schädigt, die darauf wetten, dass es bei einem Viertligaspiel in Burkina Faso zwischen der 60. und 70. Minute drei Eckbälle gibt.
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Wer dabei Geld verliert, verliert es zu Recht. Zumal wir aus früheren Zeiten wissen, was man nur und in jedem Fall mit drei Ecken verdient: einen Elfmeter.
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Außerdem gibt es keinen größeren sportlichen Betrug, als die eigene schwache Leistung durch »Kir Royal«-Zukauf (Mario Adorf: »Ich scheiß euch zu mit meinem Geld«) zu einer deutlich und aus eigener Kraft nicht möglichen Leistung hochzumanipulieren. Was jedoch nicht als Doping und Betrug gilt, sondern als seriöse Geschäftspraktik respektiert und bei entsprechender Interessenlage anerkennend gewürdigt wird. Aber das ist ein anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun.
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Ach ja, die Wette: Erst wenn sie gewonnen würde, hätten wir den größten Wettskandal aller Zeiten. Ich setze dagegen. Alles, was ich habe.
(gw)

Baumhausbeichte - Novelle