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Sonntag, 3. Februar, 6.15 Uhr

Gleich zur wichtigsten Meldung der Nacht, und es ist sogar eine sportliche: Deutschland holt drüben in Kanada bei der WM alle vier Goldmedaillen! Sensationell. Vier Wettbewerbe, vier Weltmeister – das mache uns mal einer nach! Wie, das will ja gar keiner? Weil’s Rodeln ist? Und vier Schlittenfahrwettbewerbe mindestens zwei zu viel sind? Und gleichzeitig anderswo Schlitten zuhauf (Skeleton, Bob) gefahren wird? Wer nennt die Schlitten, kennt die Namen? Wer rodelt noch außer Deutschen und ihren, unseren Alpen-Anrainern und Sprachgenossen? Wurde man früher nicht wegen Defätismus standrechtlich erschossen? Will ich erschossen werden? Also: Sensationell. Vier Wettbewerbe, vier Weltmeister – das mache uns mal einer nach!
Gestern abend (Abend? Am Morgen noch zu faul, um nachzuschauen) noch zwei schöne und kritische Mails in die “Mailbox” gestellt. Bitte mal reinklicken, dann geht’s weiter.

Gelesen? Als ich mit dem “Anstoß” als täglichem Einstieg in den Sportteil begann, vor knapp 20 Jahren, dachte ich in erster Linie an Leser wie Olaf Eulitz, die den Sportteil ungelesen wegleg(t)en. Dass er und einige andere das nicht mehr tun, ist meine größte und anhaltendste Freude als Kolumnist. Zur Diskriminierungsdebatte: Mir ging es mit “Neger” und “geil” ähnlich. Und es stimmt, ich habe eine “flexible Meinung”. Und zwar in dem Sinne, dass ich es richtig finde, das früher meist neutrale Wort “Neger” dann nicht zu benutzen, wenn es direkt einen Menschen, ein Kind traurig macht (bei Menschen, die “Diskriminierung” als Keule benutzen, habe ich dagegen keine Hemmungen). In dem Sinne habe ich dem Leser auch geantwortet.
Die Kritik von Dr. Roland Bitsch akzeptiere ich natürlich. Ihm habe ich geantwortet zu glauben, dass wir nicht weit voneinander entfernt sind, da ich ebenfalls gegen Skandalisierung (Sexismus-Debatte) und gegen sprachpolizeiliche Regelungen (Wumbaba) bin. Und dass der Stern und seine Reporterin (die selbst schon mal vom “Dirndl-Füllen” schrieb – als CSU-Tauglichkeitstest für Bundesministerin Aigner) sich selbst ins Knie geschossen haben, ist ebenfalls klar.
Bevor’s an die “Montagsthemen” geht, noch schnell einen Gedanken loswerden, der mich nicht loslässt, aber in der Montags-Kolumne nicht vorkommen soll, weil erstens nichts ausgereift (Faktenfestigkeit müsste erst noch recherchiert werden) und zweitens … was geschieht bei Defätismus? Siehste. Also, nur unter uns im Blog: In Gießen haben sie viel Geld gesammelt, um ordentlich absteigen zu dürfen. Braves Liga-Kind! Erspart den anderen Klubs und vor allem dem später Drittletzten viel Ärger. In Hamburg haben sie viel Geld gesammelt, um von der Liga eine Wildcard zu bekommen, mit der sie Knall auf Fall von Nichts nach ganz oben kommen. Gießen wird Zweitligist und sportlich auf viele Jahre nicht wieder nach oben kommen, zumal das nötige Kleingeld altruistische Wege (= Ärger-Ersparnis für andere) gegangen ist. Wenn man aber Knall auf Fall aufgegeben hätte und von der Liga von ganz oben ins Nichts gestoßen worden wäre, hätte man erst danach anfangen können, Geld zu sammeln, um mit einem neuen Namen die “wild Katt” zu beantragen. Aber die kriegt ja Hamburg.
Aber noch einmal: Das ist jetzt nur rumschwadroniert, unüberprüft, unrecherchiert, denn so absurd kann selbst diese absurde Geschichte nicht sein, dass man sich mit dem vielen schönen Geld einen zweitklassigen Schrecken ohne Ende erkauft, statt durch ein Ende mit Schrecken die Voraussetzungen schafft, a la Hamburg schnell wieder oben dabei zu sein. Wobei sich zwei Fragen stellen würden: Will man das überhaupt, sein Geld verpulvern, um stets und ständig Staffage für die Topklubs zu spielen (Top-Klub zu werden ist in diesem Basketballer-Leben nicht mehr drin)? Und: Ist es nicht viel sportlicher, vor viel weniger Zuschauern (Eventhopper hoppen wo anders hin) in der zweiten Klasse echten Gießener Traditionssport zu pflegen? Meine Antworten: Erste Frage nein, zweite Frage laut und deutlich ja. Aber wer will das ebenfalls? Fragen über Fragen.
Auch die Rodelbahn am Gießener Schiffenberg ist nicht die Lösung. Obwohl: Im Skeleton setzen sie ja auch auf Surfer und Skiabfahrer – Gießener Basketball-Nachwuchs ab auf die Schlitten, zeigt den Alpenländlern, was eine Rodel-Harke ist! Bahn frei, Kartoffelbrei!
Jetzt aber Schluss, bevor’s zu albern wird. Ran an die Montagsthemen. Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle