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Olaf Eulitz: Danke – und meine Meinung

Ich gehöre zu den Leuten, die von einer Zeitung den Sportteil sofort ungelesen zur Seite legen. Das heißt nicht, dass ich keinen Sport treibe, aber es interessiert mich nicht, in welcher Art und mit welchem Erfolg andere Leute Sport treiben. Ich weiß nicht, ob Sie dafür Verständnis haben. Wie auch immer, der Sportteil kommt ungelesen ins Altpapier. Nicht so bei der Wetterauer Zeitung, und das liegt einzig an Ihrer Kolumne „Anstoß“. Darin verbinden Sie so spannend Sport mit Geschichte, aktuellen Themen, Philosophie und Klatsch, dass ich nicht umhin komme, Ihre Artikel jeden Tag mit großem Vergnügen zu lesen. Wenn ich nun einmal dabei bin, blättere ich dann auch noch den restlichen Sportteil durch und bleibe so auch auf diesem Gebiet nicht völlig ahnungslos. Deshalb möchte ich Ihnen meinen aufrichtigen Dank für Ihre Artikel aussprechen. Das wollte ich schon immer mal sagen.

Aber jetzt ein ganz anderes Thema, eigentlich sollte das ein separates mail sein.
Ich möchte noch meine Gedanken zum Neger/ Diskriminierungsthema äußern, was Sie im „Anstoß“ kurz anstoßen und in der „Nachlese“ vom 2. Febr. näher ausführen. Mir ist auch klar, dass Sie bei diesem Thema eine flexible Meinung vertreten. Eigentlich gibt es Wichtigeres auf der Welt, aber sei´s drum.
Ich habe zufällig eben noch einmal das Buch „Warum wir nicht warten können“ von Martin Luther King gelesen ( 1969, Titel der Originalausgabe: „Why we can´t wait“). Und siehe da, auf jeder Seite lese ich immer wieder das Wort Neger. Weder damals, als ich es zuerst gelesen habe, noch jetzt, wo ich es noch einmal lese, kommt mir auch nur der Gedanke, dass in dem Wort Neger eine Diskriminierung steckt. Es beschreibt einfach sachlich eine bestimmte Menschengruppe und das Buch beschreibt ihre Aktionen gegen die wirkliche Diskriminierung zu dieser Zeit. Das war also 1969 – noch nicht so lange her. Damals war Neger also ein normal gebräuchliches Wort. Ab wann war es dann diskriminierend? Ich weiß es nicht. Aber ist Farbiger oder Schwarzer etwa besser? Neger empfinde ich sogar als abstrakteres Wort, während die beiden anderen doch viel deutlicher und krasser den Unterschied betonen. Vielleicht sind diese Worte in 10 Jahren ebenfalls diskriminierend? Wer weiß. Und es geht doch nicht nur um Kinderbücher. Sollen nun alle Bücher der vergangenen Jahrzehnte umgeschrieben werden und in 10 Jahren vielleicht noch einmal und so fort.
Haben Sie bedacht, dass jedes Wort diskriminierend sein kann? Farbiger mit der richtigen Betonung ausgesprochen, ist auf jeden Fall diskriminierend. Und wie empfinden Sie es, wenn jemand „Sie Weißer!“ so hinspuckt, dass Sie genau wissen, was er von Ihnen hält?
Weil Worte sich ständig wandeln, bin ich strikt gegen jede Veränderung historischer Texte. Denn eben die Worte charakterisieren auch die Zeit der Entstehung. Ein anderes Beispiel. Heute sind Spiele und Filme unter Jugendlichen einfach geil. Hätte ich das Wort 1960 verwendet, hätte ich sofort ein paar hinter die Ohren gekriegt. (Olaf Eulitz/Karben)

Baumhausbeichte - Novelle