Archiv für Februar 2013

Donnerstag, 28. Februar, 16.00 Uhr

Im Zirkus gibt es den guten, lebensklugen, aber etwas simpel gestrickten Clown, beim Wrestling den Part des grundbösen Clowns. Der böse Clown ist aggressiv witzig, hinterhältig und nur auf seinen Vorteil bedacht. Er legt harmlose Menschen auf mieseste Weise rein und tut dann so, als sei er’s nicht gewesen. Obwohl das Publikum weiß, welch ein Drecksack dieser Kerl ist, fällt es immer wieder auf ihn rein, da er nach jeder bösen Tat wieder den tollen, gutherzigen Kerl gibt, dem man doch eigentlich vertrauen könnte .. sollte … müsste?
Dennoch sollten wir nicht so steinbrückmäßig auf die Italiener schauen. Unsere Piraten sind zwar nicht böse, aber dass sie zwischendurch Mal zweistellige Zustimmungszahlen hatten, war fast noch italienischere Irrationalität als die originale.
Wie hieß bloß der Kerl, der zu Hulk-Hogan-Zeiten den bösen Clown gab? Vergessen.
Aus der Kolumnen-Werkstatt: Für den morgen zu schreibenden Stammtisch habe ich noch keine Idee. Das Spiel, DAS Spiel soll keine Rolle spielen, dazu ist bis dahin alles gesagt. Vielleicht nur en passant anmerken, dass Dortmund in Unterzahl gespielt hat, da Lewandowski im Geiste schon das Bayern-Trikot spazieren trug. Zu Verträgen an sich: Absolute Ausnahme, dass pacta servanda sunt. Ablösesummen sind dazu da, um Verträge zu brechen. Wenn die Bayern sagen, sie wollen Lewandoski erst nach Ablauf seines Vertrages, sparen sie nicht nur 30 Millionen, sondern schwächen auch den Konkurrenten, denn Lewandowski wird als halber Bayer nur noch halb so viel Leistung bringen können. Nicht, weil er nicht wollte, sondern weil er nicht können wird.
Für Ohne weitere Worte diesen “Teledialog” aus der FAS vorgemerkt, Ildiko von Kürthy bei Beckmann zum Thema Männer und Frauen: “Mein Sohn hingegen, der spricht auch schon leider sehr viel, fast weiblich schon. Er stand heute Nacht um vier Uhr an meinem Bett und schrie: ‘Meine Faust hungert nach Gerechtigkeit.’ So viel zum Unterschied zwischen Männern und Frauen.” Heute Nacht um vier Uhr? Da regt sich etwas im Mittelfrist-Gedächtnis. Und jetzt live weiter. Ich verlasse mal kurz den Blog und klinke mich ins Redaktionsarchiv ein, Moment …

Wirklich sehr live, der Werkstattbericht. Wieder auf eine falsche Taste gekommen, plötzlich füllt die Seite den ganzen Bildschirm aus, und ich komme nicht raus, weil nirgends etwas anzuklicken ist. Bub angerufen. “Drück mal F11.” Ha, soxa to theo! Geht wieder. Und schon finde ich im Archiv, was im Mittelfrist-Gehirn rumort hat:

Haben Sie sich eine Tochter gewünscht? – »Ja. Und jetzt habe ich zwei Söhne. (…) Wenn ich diese Mädchen sehe, die so ausdauernd im Sandkasten sitzen und Sandkuchen backen. Und mein Sohn wälzt sich daneben im größten Hundekothaufen und schreit: ›Meine Faust hungert nach Gerechtigkeit.‹ Der ist fünf. Da denkt man doch: Vorsicht beim Absetzen der Pille.«

Habe ich im August 2012 in “Ohne weitere Worte” aus einem SZ-Interview mit Ildiko von Kürthy zitiert. Aber ob im August 2012 im Sandkasten oder im Februar 2013 am Bett – egal, hauptsache witzig. Außerdem recycle ich meine Texte ja ebenfalls schamlos. Morgen denke ich daran, wegen des trübsten Winters seit mindestens Menschengedenken noch einmal den Duft verfaulender Blätter als wirksames Mittel gegen den Winter-Blues anzupreisen.
Soxa to theo? Socken für Theo? Nee, lautschriftlich “Gott sei Dank” auf griechisch (den theo muss man mit ti-eitsch aussprechen, soxa auf der ersten Silbe und theo auf dem o betonen).
So, das war nicht nur ein erfüllter Bildungsauftrag mit Griechisch-Grundkurs, sondern vielleicht auch schon ein Steinesbruch für die nächste Kolumne. Die Stunde am Blog muss sich wenigstens ein bisschen lohnen. Um 16.00 angefangen, jetzt 16:59, wegen der falsch angetippten Taste. Jetzt aber Schluss.

Veröffentlicht von gw am 28. Februar 2013 .
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Henning Sievers’ Lieblingswitz

Nachdem sich die Wogen wieder geglättet haben, möchte ich noch einen Beitrag zum sogenannten Brüderle Skandal los werden, und zwar in Form eines meiner Lieblingswitze. Es kommt ein Buchhalter in die Disco und geht direkt auf eine junge Frau zu. „ Hast du Lust eine Runde mit mir zu bummsen?“ Sie errötet, schreit auf und eilt von dannen. Kurze Zeit später erscheint ein Koloss von Kerl, schnappt den eher schmächtigen Buchhalter, schüttelt ihn ordentlich durch und sagt: „ Sag ‚ mal, hast du noch nie richtig was aufs Maul gekriegt, wenn du die Mädels dermaßen anmachst?“ „ Doch, ist schon vorgekommen, aber per Saldo habe ich mehr gebummst!“ (Henning Sievers/Wetzlar)

Veröffentlicht von gw am 27. Februar 2013 .
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Er war’s: Lionel Kieseritzky (Anstoß vom 28. Februar)

»Der ›Anstoß‹ streift ja gerne (zu aller Beteiligten Freude) die Randgebiete des Sports und das ein oder andere Mal deren Übergang zur Gesellschaft«, mailt Tilo Heller aus Echzell, aber gerade deshalb wundert sich der Leser, dass die Friedberger Bundesliga-Schachspielerinnen noch nie in der Kolumne auftauchten. Und das, obwohl sie herrliche Geschichten schreiben. So kam die schwangere Topspielerin Adriana Nikolova zuletzt wegen eines ärztlichen Flugverbots mit dem Bus von Bulgarien zum Heimspiel nach Friedberg. 29 Stunden war sie unterwegs, anschließend bezwang sie ihre Gegnerin in einer Sechs-Stunden-Partie und verhalf dem Team zum Sieg. Den feierte es danach in einer Pizzeria, wobei sich der Präsident des Deutschen Schachbundes anschloss. Am übernächsten Wochenende können die Friedberger Schachspielerinnen an heimischen Brettern sogar Deutscher Meister werden …
» … und gw … schweigt … schreibt … nichts … Schade eigentlich«, bedauert Tilo Heller, der »gedacht hätte«, das sei »eine Steilvorlage« für gw.
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War es dann aber doch noch. Denn die Mail löste blitzschachartig das Problem, eine schöne, gehaltvolle »Wer bin ich?«-Runde zu spielen. Da hatte ich doch vor vielen Jahren einmal die »Unsterbliche Partie« im »Anstoß« nachspielen lassen – der Verlierer, das wär mal eine Aufgabe!
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War’s dann auch. Sehr knifflig und für Nicht-Schachspieler kaum lösbar. Dachte ich … wieder einmal falsch, denn erstaunliche 14 Teilnehmer fanden die richtige Lösung: Wolfgang Egerer (Rosbach-Rodheim), Doris Heyer (Staufenberg-Treis), Andreas Hofmann (Bad Nauheim), Ralf Kranich (Großen-Buseck), Dr. Paul Limberg (Linden), Walther Roeber (Bad Nauheim), Karola Schleiter (Florstadt), Rüdiger Schlick (Reichelsheim), Paul-Gerhard Schmidt (Mücke-Nieder-Ohmen), Jochen Schneider (Butzbach), Peter Storm (Wettenberg), Prof. Peter Schubert (Friedberg), Ingrid Wittich (Mücke-Merlau) – sie alle führen auch mit zwei Punkten die Jahreswertung an – sowie Sven Liebig (Bad Vilbel).
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Die (perfekte) Lösung überlassen wir wieder einem der Gewinner (Paul-Gerhard Schmidt): »Ihre Ankündigung, an der Schwierigkeitsschraube zu drehen, haben Sie wahr gemacht. Zunächst hatte ich keinen blassen Schimmer. Dann nahm ich den Tip mit dem Film auf und untersuchte einige bekannte Science-Fiction-Filme. Der Blade Runner führte mich dann zum Ziel. Eine dort gezeigte Zugfolge in einer Schachszene entspricht einigen Zügen der ›Unsterblichen Partie‹. Diese Schachpartie fand 1851 in London statt und gilt als berühmteste ihrer Art. Gegner waren der deutsche Adolf Anderssen und der baltendeutsche Lionel Kieseritzky. Anderssen opferte in diesem Spiel einige Figuren (Läufer, beide Türme, Dame), um mit dem Rest die Partie zu gewinnen. Kieseritzky wurde 1806 im Baltikum geboren, lebte später als Berufsschachspieler in Paris und übte dort in einem Café seinen Beruf aus. Er galt als eigensinnig und etwas verrückt und starb schon mit 47 Jahren in Paris. Bei seiner Beerdigung war angeblich nur der Kellner seines Schachcafés als Trauergast anwesend.«
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Es gab nur wenige falsche Lösungen (darunter aber so interessante wie »Heinrich Heine« oder »Norbert Grupe alias Prinz von Homburg«), denn die meisten Teilnehmer geben, wie auch beim Schach üblich, vorzeitig auf, wenn sie wissen, dass sie Matt gesetzt werden. Bei »Wer bin ich?« weiß man fast immer, ob man die richtige Lösung gefunden hat, denn nur bei ihr stimmen alle Vorgaben überein. Auch Kieseritzky wusste lange vor dem Matt, dass er verloren hatte – er spielte aber weiter, und dadurch wurde er »unsterblich«.
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Die nächste »Wer bin ich?«-Runde ist noch nicht terminiert. Noch warte ich auf eine blitzschachartige Eingebung. Vielleicht der Prinz von Homburg? (gw)

Veröffentlicht von gw am 27. Februar 2013 .
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Aliens auf der Bank: Zäpfchen auf Ecstasy und tiefrot glühende Ceranplatten

Liebes Eintracht-Tagebuch,
heute möchte ich dir etwas erzählen, was mir eigentlich ein bisschen peinlich ist. Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die, wenn sie einen Film schauen, prinzipiell alles glauben, was da erzählt wird! Wenn im Western einer erschossen wird, denke ich: »Oh, der arme Kerl, jetzt isser tot!« Wenn geweint wird, flenne ich mit, wenn ein Fiesling besonders fies ist, beschimpfe ich ihn auf das Übelste, und wenn im Kino ein Dinosaurier auftaucht, kann es schon mal passieren, dass ich meine Schuhe nach ihm werfe, um ihn so in die Flucht zu jagen!
Ja, ich glaube Filmen immer alles und habe mich damit bei meinen Kumpels Thorsten, Steffen und Alex schon mehr als einmal zum belächelten Deppen gemacht. Mittlerweile ist es für die fast schon Kult, sich mit mir zum gemeinsamen Filmeabend zu treffen. Als z. B. neulich Alex einen Sexfilm mitgebracht hatte, war ich, sehr zur Begeisterung der drei, der Einzige, der fest davon ausging, dass die kopulierenden Pärchen auch privat zusammen waren und dass alle Orgasmen ganz bestimmt echt gewesen seien.
Aber gestern Abend hab ich sie drangekriegt! Da hatte nämlich Steffen »Men in black III« eingelegt, bei dem es vorrangig darum geht, dass auf der Erde jede Menge Monster und Aliens in irgendwelchen »normalen« Menschen hausen, damit man sie nicht erkennt. Und in deren Hüllen sie dann schlimme Sachen machen.
Kaum war der Film rum, schauten sie mich erwartungsvoll grinsend an. »Natürlich glaube ich das!«, sagte ich mit fester Stimme, »ich weiß sogar ganz sicher, dass es stimmt. Ich kann zwar nicht sagen, wie viele es gibt, aber ein Alien habe ich definitiv entdeckt!« »Ach ja, in wessen Körper steckt es denn?«, fragte Thorsten feixend.
Ich nickte nur wissend, schaltete Fernseher und Festplattenrekorder ein und drückte auf »Start«. Schon nach kurzer Zeit wich das überhebliche Gruppengrinsen einer kollektiven Schockstarre, denn spätestens jetzt begriffen alle, dass ich absolut recht hatte. »Mein Gott, der arme Christian Streich. Der weiß bestimmt gar nicht, dass er besessen ist!«
Gebannt schauten wir uns diverse Szenen an, in denen der Freiburger Trainer immer wieder urplötzlich eine komplette Wesensveränderung vollzog. In denen er plötzlich turboartig von der Bank hochsprang, wie aus dem Nichts neben dem vierten Schiedsrichter auftauchte und – ich drückte auf Super-Slomotion, und jetzt sah man etwas, was man im normalen TV so nicht hatte erkennen können – wie ihm auf einmal sechs schlangenartige Arme aus dem Körper wuchsen, die den armen Schiri blitzschnell umklammerten, während seine plötzlich meterlange Zunge kurz aber heftig in das linke Ohr des hilflosen Mannes eindrang, um sofort aus dem rechten Ohr zu schießen – eine bei Aliens durchaus gebräuchliche Art der Gehirnwäsche.
Das alles ging unfassbar schnell… Wie gesagt, mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Aber jetzt, dank der Zeitlupe, war es offensichtlich, dass Christian Streich von einem schlimmen Alien regiert wird. Was übrigens auch seine vielen durchgeknallten Interviews nach Spielende erklärt. Als ich ausschaltete, regierte Fassungslosigkeit den Raum. »Der arme Mann. Das Monster macht ja mit dem, was es will…«, meinte Thorsten, »erstaunlich, dass sie trotzdem Fünfter sind!« »Was heißt ›trotzdem‹?«, entgegnete Steffen, »genau deswegen!« »Ach du Scheiße, dann erklärt das auch, warum Dortmund so gut spielt!«
Kurz drauf hingen wir vorm Computer und wir schauten uns auf Youtube diverse Jürgen-Klopp-Szenen in Superzeitlupe an, die unsere Befürchtungen bestätigten. In denen sein eben noch friedliches Gesicht in einer Zehntelsekunde zu einer grässlichen Fratze mutierte, bevor er dann dem vierten Offiziellen in unfassbarer Geschwindigkeit ein Stück Hals rausbiss, ohne dass es auch nur irgendjemand mitbekommen hatte!
Und auch bei den anderen Toptrainern sah es nicht besser aus. Ob jetzt Sascha Lewandowski, der in Leverkusen an der Seitenlinie abging wie ein Zäpfchen auf Ecstasy und dabei unmenschlich hochfrequente Schreie von sich gab, oder auch der eigentlich in sich ruhende Jupp Heynckes, dessen Ohren sich aber bei Aufregung urplötzlich in tiefrot glühende Ceranplatten verwandelten … alles eindeutige Indizien für außerirdische Machenschaften!
Gespannt studierten wir nun natürlich auch diverse Szenen unseres so geschätzten Armin Veh… und auch hier bewiesen Nahaufnahmen seiner Mimik, die zwischen freundlichem Lächeln und furchteinflößender Eiseskälte hin- und hersprang wie das Pendel einer Wanduhr, dass wir es auch in Frankfurt mit einem Alien zu tun haben!
Nach ein paar Stunden hatten wir alle Bundesliga-Coachs durch. Thorsten hatte fleißig mitgeschrieben und las vor, was eigentlich alle schon wussten: »Ab Platz sechs sind alle Trainer alienfrei. Jens Keller, Mirko Slomka, Thomas Schaaf, usw. Naja, sieht man ja auch…« Lediglich bei Thomas Tuchel beschlossen wir, die Sache noch mal zu überprüfen, denn dass ausgerechnet der nicht fremdgesteuert sein sollte, mochte keiner von uns glauben.
Natürlich, liebes Tagebuch, stand jetzt noch die Frage im Raum, was man denn mit dieser brisanten Erkenntnis anfangen solle. »Wollen wir das nicht lieber dem DFB melden?«, meinte Alex zaghaft, aber Steffen brachte es auf den Punkt. »Nee, lieber mit nem Alien in die Champions
League, als ohne Alien auf Platz zehn! Guck dir an, wo Dortmund steht, seitdem Klopp da ist!«
Wir nickten erleichtert, während Thorsten bereits fröhlich mit einer DVD wedelte. »Genau! Und jetzt schauen wir ›Harry Potter‹, gell Henni?«
Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von gw am 26. Februar 2013 .
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Johann Baptist Schneiderbauer: Pferdeäpfel

Ich wollte Ihnen nicht vorenthalten, dass ich einige Apfelmusproben zur Lebensmitteluntersuchung gegeben habe, es gibt schließlich auch Pferdeäpfel . . . (Johann Baptist Schneiderbauer/Rosbach)

Veröffentlicht von gw am 25. Februar 2013 .
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Baumhausbeichte - Novelle