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“Warum man nicht immer alles hinnehmen muss!”

Liebes Eintracht-Tagebuch, auch wenn ich schon eine ganze Reihe wunderbarer Urlaube erlebt habe, erinnere ich mich aber vor allem und besonders gerne an einen, der schon etwas länger zurückliegt. Damals sind wir mit einer ziemlich großen und vor allem ausgesprochen gemischten Gruppe nach Frankreich zum Zelten gefahren. Eine Menge Leute und dementsprechend viele Autos.

Irgendwann war auch der Letzte trotz Reifenpanne oder kaputter Lichtmaschine angekommen, und es begann eine extrem gute Zeit. Über 30 Leute, die wie gesagt zum Teil extrem unterschiedlich waren. Hippies, ein paar Studenten, Handwerker, ein Wirt und eine Buchhändlerin. Das Erstaunliche war, dass alle wirklich gut miteinander klarkamen, egal was gerade anstand. Ob das Einkaufen in dem winzigen Supermarkt in dem in der Nähe befindlichen kleinen Kaff, das gemeinsame Angeln, die vielen Gespräche mit unterschiedlichsten Themen, die spontanen Feten oder einfach nur das Abhängen vorm abendlichen Feuer … alles fühlte sich, warum auch immer, für alle besonders gut an.

Bis die Arschlöcher kamen! Zwei Nachzügler, bei denen sich später rausstellte, dass niemand in der Gruppe sie gekannt hatte, die einfach nur von dem riesigen Gruppenzelten mitbekommen hatten – und jetzt auf einmal da waren. Und die dem Rest schon bald demonstrativ zeigten, wie blöd sie die gute Laune fanden, wie kitschig das Lagerfeuer und dass es vor allem cool sei, wenn man in dem kleinen Supermarkt etwas unter der Jacke mitgehen ließ.

Da wir, die anderen, allesamt eine Spur zu friedfertig und gutmütig waren, schauten wir eine Zeit lang unentschlossen zu und nahmen so in Kauf, dass der bislang großartige Urlaub langsam aber sicher kippte. Bis zu dieser Nacht! Denn da … und jetzt, liebes Tagebuch, wirst Du spätestens begreifen, warum ich Dir diese nicht besonders lustige Geschichte überhaupt erzähle … bewarfen sie unsere Zelte mit Kanonenschlägen und anderen Böllern, um sich dabei kaputtzulachen.

Vielleicht hatten sie gedacht, dass man das mit einer Gruppe von Weicheiern wie uns machen könne, oder sie hatten einfach mal ausloten wollen, wie weit man gehen kann. Es war aber deutlich weniger weit, als sie vermutlich gedacht hatten. Im Klartext: ich war verblüfft darüber, wie wenig es beim Verprügeln ausmacht, ob du Hippie, Student, Handwerker oder Buchhändlerin bist. Noch in derselben Nacht haben wir sie in ihr Auto gesetzt und ihnen exakt 30 Sekunden gegeben, unseren Platz zu verlassen. Gebraucht haben sie keine zehn.

Ja Tagebuch, Du hast komplett recht, auch wenn diese Geschichte stimmt, ist sie eine ziemlich vordergründige Metapher bezüglich der Pyro-Idioten vom Leverkusen-Spiel. Aber weißt Du was? Es ist mir scheißegal, ob das vordergründig ist oder nicht. Wir haben so lange auf eine Saison wie diese gewartet, über Jahre so viele mittelmäßige Spiele gesehen und eine gefühlte Ewigkeit keinen so geilen Angriffsfußball mehr geboten bekommen wie in den letzten Monaten. Das erste Mal nach einer Million Jahren hat die Eintracht die reelle Chance, einen Schritt aus der Mittelmäßigkeit zu machen. Und genau in dieser Phase sind drastische Geldstrafen und Geisterspiele, die den Verein Millionen kosten, definitiv das aller aller Falscheste, was man gebrauchen kann. Zumal wir keine Scheichs im Hintergrund haben, die so was eben mal aus der Portokasse bezahlen. Das Interesse an der derzeitigen Entwicklung der Eintracht ist ein kollektives Interesse all derer, die den Verein lieben oder zumindest schätzen. Und deswegen muss man Arschlöcher, die uns diese geile Saison versauen und somit schaden wollen, auch kollektiv vom Hof jagen! Die Plakate im Stadion beim Spiel gegen Hoffenheim waren jedenfalls schon mal ein Anfang! Hendrik Nachtsheim

Baumhausbeichte - Novelle