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Walther Roebers Randnotizen zum Sonntagmorgen-Blog

Mir geht es übrigens als Nauheimler beim Eishockey ganz genauso; als
Kleinkind im 100-Tage-Stadion “groß geworden”, als Fan
den VfL Bad Nauheim in unzähligen Heimspielen unterstützt bis weit in
die 70-ger Jahre hinein und dann völlig das Interesse verloren
als die “Internationalisierung” einsetzte.
Die Identifikation geht verloren, das gilt nicht nur für den Sport,
sondern auch für Gesellschaftliches (Soziologisches?) und Politisches.
Wer würde sich denn in Deutschland für die “Dallas Mavericks”
interessieren, wenn nicht gerade und ausgerechnet “unser Dirk” Nowitzki
dort spielen würde? Ein Chris Kaymer oder auch die paar Mitspieler in
der NFL (um noch einen anderen Sport einzubeziehen) reißt doch
hier keinen vom Hocker. Vieles was heutzutage über die deutschen
“Legionäre” (sei es in Spanien oder England) wirkt fast so, als hätte da

ein Agent/Spielervermittler oder Sponsor eine Meldung an alle möglichen
Redaktionen verschickt, damit mal wieder (?) eine Schlagzeile
produziert werden kann. Ein Fluch unserer Informationsgesellschaft.
In der Politik ist es nicht viel anders. Was da von Seibert und anderen
offiziellen Sprechern abgesondert wird, läuft dann durch die Filter von
mehr oder weniger wohl gesonnenen Redakteuren und “Schreiberlingen”
(siehe z.B. “Wagner” bei  B…) und schlägt dann mehr oder weniger
Wellen, wie ein Schmetterlingsflügelschlag oder der Sack Reis in China…
Gerade in Zeiten, in denen sonst nicht viel passiert, werden dann solche
Berichte produziert, an die sich in wenigen Tagen keiner mehr erinnern
wird. Aktuelle Beispiele: Odonkor in der Ukraine, Compper nach Florenz
… Dafür werden dann Sportarten, in denen Deutsche aufgrund bestimmter
Gegebenheiten erfolgreich sind, ganz groß geschrieben und nach oben
geschoben (wieviel Bobfahrerinnen gibt es weltweit? Wen interessiert in
Nordamerika Skispringen?)
Wenn ich nicht herumgesucht hätte, wüsste ich nach der Hype bis Mittwoch
nicht mal, dass heute Spanien und Dänemark das Endspiel der Handball-WM
bestreiten.
So bleibt es eine Frage von Freiheit und Präferenzen, worüber man sich
informiert und worüber man – auf Sie bezogen – schreibt.
Sie bleiben hellenophil, ich habe gewisse Beziehungen zu den USA (was
sich bei weitem nicht auf ALLES bezieht, was dort geschieht oder
betrieben wird).
Dass wir diese Freiheit haben, dafür müssen wir dankbar sein. (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Baumhausbeichte - Novelle