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Montagsthemen (vom 28. Januar)

Was Positives zur Gewalt im Umfeld des deutschen und speziell Frankfurter Fußballs? Bitte sehr: Was rund um Port Said los war und ist, dagegen wirkt deutsche Fan-Randale wie Topfschlagen beim Kindergeburtstag.
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Das Gekreische des Chefeinpeitschers am Megaphon – wie unangenehm. Das ist keine sachliche Kritik, nur ein Gefühl. Das Gefühl desjenigen, der sich auch gequält wegduckt, wenn La Ola auf ihn zuschwappt, und der sich überhaupt allen befehlhaften Aufforderungen verweigert, in Masseninszenierungen mitzufunktionieren.
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Kein Gefühl, sondern sachliche Beobachtung: Lanigs gestreckter Fuß wird mit einem Tor belohnt, der des belgischen Hannoveraners mit dem schönen italienischen Namen Polognoli mit einer Roten Karte. Der Hesse in mir beschwert sich nicht. Er sagt’s ja nur.
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Ebenfalls hemmungslos subjektiv: Wie schön, dass Augsburg schon auf dem Relegationsplatz angekommen ist. Dass Hoffenheim und Wolfsburg nicht auf die künstlichen Füße kommen. Dass schwungvoller und durchdachter Low-Budget-Fußball à la Freiburg, Mainz und Frankfurt Erfolg haben kann.
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Und dass statistische Fetische wie »Ballbesitz« endlich auf das zurückgeführt werden, was sie sind: Im besten Fall vage Anhaltspunkte, die nur mit anderen statistischen Größen und im Abgleich mit Fußball-Erfahrungswerten sinnvolle Aussagen beinhalten. Zweimal BVB zum Beweis: Ballbesitz gegen Bremen: 44 zu 56 Prozent. Ergebnis: 5:0. Gegen Nürnberg: Ballbesitz in der ersten Halbzeit von Klopp »gefühlte 20 zu 80 Prozent«. Ergebnis: 3:0, »gefühlt« 8:0, so haushoch überlegen waren die Dortmunder, die wieder zu viele Chancen liegen ließen. »Gefühlt« und »Chancen liegen lassen« – aus der schönen neuen Floskel-Welt.
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Guardiola nach München – wie geil ist das denn?! Meine aktuelle Floskel Nr. 3 kommt wohl aus dem Anglizistischen. Gestern Live-DVD »Ringo Starr & Friends« von 2008 gesehen/gehört. Ringo rief “gefühlt” mindestens hundert mal ins Publikum: »How great is that?!«
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Aber das nur am Rande. Also, Guardiola: Er reinigt den Fußball von altvorderen Haudrauftugenden wie Kraft, Kampfgeist und anderem Männlichkeitswahn, stattdessen steht er »für die konsequente Feminisierung des Fußballs«. Schreibt im »Tagesspiegel« ein Philosoph, dessen Namen ich mir erst gar nicht merke. Wie blöd ist das denn!?
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Ungefähr so wie Brüderle? Als lebender Altherrenwitz hat er nun viel auszuhalten. Er meint es doch nur gut mit euch, liebste Zielgruppe! Soll ich euch auch mal einen Dirndl-Witz erzählen? Sagt ein Mann … »NEIN!?« Bin ja schon ruhig.
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Nur das noch: Warum in dieser Kolumne wenig bis nichts über das Basketball-Absurdistan in Gießen zu lesen war und ist, erkläre ich sehr persönlich und ausführlich im gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«. Wen’s interessiert, bitte reinklicken. Das ist zwar ein ganz anderes Thema, hat aber mit Sport sehr viel zu tun (gw)

Baumhausbeichte - Novelle