Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Eine zu klärende Widersprüchlichkeit

Einige wenige Anmerkungen zu Ihrem Anstoß von heute und zu
einer zu klärenden Widersprüchlichkeit in der Allgemeinen.

Warum eigentlich halten Sie sich nicht ganz selten korrekt
auf der Seite jener, die von der Überlegenheit deutschen Wirtschaftens gar
nicht genug hören können? Jedenfalls dann, wenn es im weiten Sinne um die armen
Griechen und andere finanzpolitische „Schurkenstaaten“ geht. Man
braucht „uns“? Wer ist „uns“? Ich nicht. Die deutsche „Finanzbürokratie“
ruft bei den Deutschen doch wohl nur Stolz hervor, wenn es gegen Dritte geht. Man
selbst flieht, trickst, arbeitet schwarz, hinterzieht und klagt gegen den
Finanzausgleich. Wenn man selbst betroffen ist, ruft man gegen die
Finanzbürokratie schon einmal schnell den Ministerpräsidenten an. Denn: auch –
und vielleicht gerade – ist in Deutschland alles, was mit
Steuervermeidung zu tun hat, gerade bei denen, die sich gerne auf Ihre
Finanzbürokratie berufen, wenn es eben um z.B. die Griechen geht, als Kavaliersdelikt
verharmlost.

Die Widersprüchlichkeit? Die bezieht sich auf den
unsäglichen Basketball in Gießen, zu dem Sie nicht Stellung beziehen wollen,
verstehe ich teilweise. Hier aber ist Ihr satirischen Talent, Ihre Wortkraft,
Ihr Witz gefragt. Ja, was denn nun, fragt man. Heute ist in Ihrem  Sportteil
eine Lobeshymne auf die Verantwortlichen dieses Wirtschaftsunternehmens zu
lesen mit der deutlichen Aufforderung an die Stadt, „die
Rahmenbedingungen“ für Sport und Gesellschaft zu schaffen. Dieser Sport
hat mit der Gesellschaft in Gießen aber nun so gar nichts zu tun; die 46er
haben sich selbst zu einem Unternehmen ernannt, dem es wesentlich auf
Geldverdienen ankommt. Und nun tut Ihr Kommentator so, als sei bei diesem
Unternehmen alles in Ordnung, und die Stadt hat Schuld an allem, weil sie die
Rahmenbedingungen nicht geschaffen hat. Vulgo: sie hat nicht das Gewinnstreben
der Gesellschafter finanziert, wie das heute in Deutschland so üblich ist. Neulich
war im Stadtcocktail ein erfrischend bösartiger und kritischer Seitenhieb auf
das Gebaren dieser Unternehmer zu lesen. Zwei Meinungen, die eine dritte bitte
satirisch zusammenfasst.

Klar doch: Meinungsfreiheit, schätze ich hoch ein. Nur, so
ganz sollten Sie sich da nicht heraushalten. Mich würde Ihre schon
interessieren.  (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Darauf  will ich gerne morgen im Sonntagfrühblog eingehen.

Baumhausbeichte - Novelle