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Montagsthemen (vom 21. Januar)

Wie freiwillig Jupp Heynckes aufhört, werden wir sehen, wenn er nächste Saison wieder in München auftaucht. Als Sportdirektor von Bayer Leverkusen.
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Klasse-Einstieg, oder? Leider nur im Kaffeesatz gelesen. Nächste Frage: Wer ist der geheimnisvolle Multimillionär aus der Fußball-Bundesliga, der laut »Stern« 600 Millionen Franken auf einem Schweizer Nummernkonto gebunkert hat? Im Kaffeesatz lediglich die Gegenfrage lesbar: Klub-Boss? Trainer? Spieler? Oder alles in Personalunion?
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Herr Eckel ist es jedenfalls nicht, jener Hochstapler, den der »Spiegel« zum Felix Krull des Fußballs adelt. Eckel gab sich als Scheich aus, der die Grasshoppers Zürich mit Geld zusch…ütten wollte. Der Klub fiel auf die tumbe Tour rein. Statt 100 Millionen Franken bekamen die Grasshoppers keinen einzigen Rappen, aber etwa 100 Millionen Spott-Punkte gutgeschrieben. Die Grasshoppers sind nun mal Grashüpper und keine Heuschrecken.
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Auch auf Schalke waren viele Grashüpper zugange. Das 5:4 wird als grandioser Neueinstieg in die Saison gefeiert und mache »Appetit auf mehr«, schwärmte alle deutsche Medienwelt. Neun Tore! Welch ein Event! Sensationell! Wunderbar! Tolle Show, das macht Spaß, und Spaß ist die Hauptsache. Klar doch! Dass Schalke und Hannover ein beiderseitiges Abwehrfiasko boten, ein Event-Festival der Fehlleistungen – wen interessiert’s, wenn der Paradigmenwechsel längst vollzogen ist, vom Sport zur Show, von der »Monte« zur »Dakar« oder auch vom peinlichen Unterschichtenfernsehen zum postironischen Dschungelcamp, das jetzt sogar in den großen Feuilletons (wie gestern in der »FAS«) als Seh-Muss des neudeutschen Intellektuellen gepriesen wird. Da bleibe ich lieber ein vom Trend abgehängter Gelegenheits-Altironiker. Wenn alles nur noch ironisch gesehen wird, ist nichts mehr Ironie.
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Auch beim ironischsten Willen finde ich nichts spaßig an der Armstrong-Show, mit der sich Oprah Winfrey aus ihrem Quoten-Tief ziehen wollte. Das sieht der große Journalist Holger Gertz ähnlich, der auf der »Seite drei« der »SZ« mit zornigem Ernst schreibt: »Lance Armstrong hat Menschen gedemütigt und zerstört, er hat Kranken ins Gesicht gelogen. Er hat allen ein ›Fuck you‹ bedeutet. Also, was bleibt? Das hier: Fuck you, Mister.«
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Randnotiz zum wundersamen »Krebs-Besieger«: Ein alter Freund, ehemaliger Spitzensportler und Olympiateilnehmer, später Akademiker geworden, ärgerte sich schon vor Jahren maßlos über Armstrongs Mär. Er selbst, der frühere Leichtathlet, sei vom Hoden-Krebs geheilt worden (und habe befürchtet, Doping sei der Auslöser gewesen), und schon damals hätten ihm die behandelnden Ärzte versichert, diese Krebs-Art sei »heutzutage zu fast hundert Prozent heilbar«.
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Wer geheilt wird, sollte nicht triumphieren, sondern demütig Dankbarkeit empfinden.
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Kein ironisches Schlusswort heute. Dafür noch einmal Gertz: »Fuck you, Mister.« Mit meinem Nachdruck: No mercy! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle