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Freitag, 18. Januar, 17.40 Uhr

Schon früh den Sport-Stammtisch geschrieben, steht seit Mittag online. Wollte mich nicht durch das Lesen von Kommentaren und Stimmen beeinflussen lassen. Auch nicht in Sachen neuer Bayern-Trainer. In den letzten Tagen schien es, als hätte der der deutsche Fußball – und noch mehr der deutsche Sportjournalismus – den Fußball-Messias begrüßt … nein, solche ausgelutschten Vergleiche lehne ich doch ab, “Messias”, der sollte der Religion vorbehalten bleiben. Also … den Neuerfinder des Fußballs begrüßt. Der arme Pep muss mit den Bayern alles in Grund und Boden spielen und zehn Jahre lang das Triple holen mit jährlich neuen Torrekorden, um diesen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Wenn’s nicht klappt, wer kommt dann? Helmut Schmidt, der die Bayern bis in sein hundertstes Lebensjahr unschlagbar machen soll? Ohne Spott: Unterhaltsam wird es auf jeden Fall für alle, und für den Fußball-Feinschmecker besonders spannend, welchen Stil die neuen Bayern spielen werden und wie die Alten und wie ihr “Alter” in der Rückrunde mit dem Demnächstigen zurechtkommen.

In der Mailbox null Stimmen zu Armstrong, aber einige, zwei davon mit überzeugenden Lösungen, zum Chancenauswertungsproblem von Prof. Börgens. Ich stelle sie aber noch nicht in die Links-rechts-”Mailbox” und warte auf mehr. Vorab nur eine Randnotiz von Wilfried Hausmann zu mir als bekennendem Mathe-Doofi: “Werfen Sie doch nicht bei jeder mathematischen Aufgabe sofort die Flinte ins Korn – oder ist das Kalkül? Nur wenn Sie sich selbst als hilflos geben, können Sie mit dem Thema die Kolumnenleser aktivieren. Sonst würden Sie die Mehrzahl wohl eher abschrecken.” Mhhmm. Hat er mich durchschaut? Wie doof bin ich wirklich? Anhaltspunkt, aus dem wahren Leben: Im neusprachlichen (und anerkannt anspruchsvollen) Gymnasium in einer Klasse, die seit Obersekunda komplett in Mathe nicht mehr mitkam, gaben die meisten schon nach wenigen Minuten ihre Abi-Arbeit ratlos ab. Einer hielt sechs Stunden durch und rechnete und zeichnete, was das Zeug hielt. Alles, an was er sich seit Sexta erinnern konnte, alle Formeln, die er noch wusste. Er versuchte erst gar nicht, die ihm unbegreiflich schwierigen Aufgaben zu lösen, sondern gab vor, Lösungswege zu suchen und brachte auf diesen Holzwegen sein gesammeltes karges Wissen unter. Erfolg: Obwohl er noch weniger wusste, als die meisten Klassenkameraden, bekam er nicht wie diese eine Fünf (die sie mühsam mit Zweiern in Reli, Musik und Co. ausgleichen mussten), sondern eine barmherzige Vier für all die mühsame Rumrechnerei. Manche behaupten ja, ähnlich drumrumlavierend sein Nichtwissen  verbergend, schreibe er jetzt Kolumnen.

Baumhausbeichte - Novelle