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E-Mail für mich (Anstoß vom 17. Januar)

In der Online-»Mailbox« haben sich beachtenswerte Leser-Meinungen zu jüngsten Themen unserer Sportkolumne und zum gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« angesammelt. Die Beiträge werden in der »Mailbox« in voller Länge veröffentlicht. Im Blatt müssen wir uns mit kurzen Auszügen begnügen. Wer Lust auf mehr bekommt – ein Klick genügt, und Sie sind im gw-Blog (www.anstoss-gw.de).
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Sportkolumne? Dagegen »protestiert« Dr. Hans-Ulrich Hauschild (Gießen): »Allein die leichte Kontroverse zur Willensfreiheit von neulich, der Kapitalismuswurm, die Auseinandersetzungen um ein NPD-Verbot, frühere Einträge zu theologischen Fragen (Theodizee z.B.), sanfte und gleichzeitig bedauernde Hinweise zur causa Wulff und vieles mehr« sprächen gegen eine Einstufung als bloße Sportkolumne. Es lohnt sich, Dr. Hauschilds ausführliche Einschätzungen in der »Mailbox« zu lesen, ebenso wie die von Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim) und Karin Scheunemann (Bad Nauheim), die ebenfalls weit über den Sport hinaus gehen.
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Stimmt, Sport spielt in Kolumne und Blog nicht immer eine Rolle. Johann Baptist Schneiderbauer (Rosbach) zum Kapitalismuswurm (Blog/»Nach-Lese«): »Natürlich gibt es ›unbegrenztes Wachstum‹ schon immer, man nennt es Krebs; nur in den so genannten Wirtschaftswissenschaften gilt es nicht als bekämpfenswert . . .«
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Henni Nachtsheims Eintracht-Tagebuch auch in der Bild-Zeitung – Michael Fliegl aus Mücke ist enttäuscht: »Musste leider zur Kenntnis nehmen, dass jetzt auch noch mein geliebter Henni für die Blöd-Zeitung schreibt. An Ihrer Stelle wäre ich so e klei bissi missgestimmt. Möglicherweise bin ich da zu viel Sozialromantiker und zu wenig Realist. Freue mich natürlich trotzdem, dass er sein Eintracht-Tagebuch auch weiterhin mit uns teilen wird.«
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Henning Sievers (Wetzlar) zum »Nachdruck« (DDR-Sportsystem): »So viel konzentrierte Wahrheit kann man leider in einer Zeitung nur sehr selten lesen, danke.« – Bitteschön. Nicht nur das Lob erfreut den Redakteur, sondern auch die Ausnahme von der Ausführlichkeits-Regel: Diese Mail ist ungekürzt.
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Natürlich bewegte das in Form eines Hütchenspiels neu aufgelegte »Ziegenproblem« wieder die Gemüter und Gehirne. Dr. Klaus Güttner (Langgöns) »kam eine einfache ›Erleuchtung‹: Die entscheidende Festlegung erfolgt schon bei der ersten Wahl einer Tür (bzw. Hütchens). Mit 2/3 Wahrscheinlichkeit wählt man immer die Niete und nur 1/3 Wahrscheinlichkeit den Gewinn. Und das ist auch die Ausgangslage für die zweite Wahl, d.h. Beibehaltung der ersten Wahl führt wieder mit 66,6 % zur Niete, nur ein Wechsel der ursprünglichen Wahl kehrt die Verhältnisse um.«
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Andreas Tempelfeld (»einer der vielen langjährigen Anstoß-Leser«) bietet einen neuen didaktischen Lösungsweg mit »sehr nicht-mathematischem Ansatz« an: »Nehmen wir also an, dass der Hütchenspieler unserem Heribert nicht drei Hütchen mit einem Messi und zwei Matthäussen anbietet, sondern 100 Hütchen. Unter 99 dieser Hütchen sei die grausamste aller Nieten seit Heynckes Trainer in Frankfurt war: der Trainervertrag mit Matthäus. Nur einmal tauche der Hauptgewinn in Form eines Vertrages mit Messi auf. Jetzt wählt Heribert eines der Hütchen aus, das nur mit relativ geringer Wahrscheinlichkeit (ein Hundertstel) der Vertrag mit Messi sein wird. Der Hütchenspieler öffnet danach 98 (nämlich alle bis auf zwei Hütchen) mit hässlichen Nieten. Nun hat Heribert zwei Hütchen vor sich, eines mit Messi-Vertrag und eines mit der Niete. Da er aber seine Wahl festgelegt hat, bevor er Kenntnis von den 98 Nieten erlangte, ist Heribert nun gut beraten auf das andere verbleibende Hütchen zu wechseln, was auch ohne große Spielerei mit Wahrscheinlichkeiten intuitiv klar sein sollte. Heribert hatte zu Beginn schließlich keine große Chance, den Messi-Vertrag direkt zu entdecken.«
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Einer zumindest ist überzeugt – Ludger Behnen, der mir zuvor geraten hatte, den Mathematikern nicht zu glauben. »Aber jetzt: Ich verstehe. Hütchen wechseln macht doch Sinn. Und dabei hat mir vor allem die gedankliche Beschäftigung mit Herrn Tempelfelds Variante geholfen. Also: Werfen Sie meine (wunderbare, aber leider) falsche Begründung in den Mülleimer der Wissenschaftsgeschichte.«
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Und schon stürze ich in neue Verwirrung: »Allmählich wird’s doch etwas langweilig mit dem ewigen Ziegenproblem«, schreibt Prof. Dr. Manfred Börgens von der TH Mittelhessen in Friedberg und macht mich »auf ein Beispiel aus dem Bereich des Fußballs aufmerksam, das Sie vielleicht vom Ziegenproblem ablenkt: Mannschaft A hat in der ersten Halbzeit eine schlechtere Chancenverwertung als Mannschaft B. In der zweiten Halbzeit ist es genauso. Im ganzen Spiel hat aber Mannschaft A eine bessere Chancenverwertung als Mannschaft B. Kann das sein?«
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Was weiß denn ICH? Aber ich setze auf die Schwarmintelligenz der Leser. Walther Roeber (Bad Nauheim), einer der »Wer bin ich?«-Spezialisten, hat schon gleich drei Lösungen angeboten, nennt sie allerdings selbst »haarspalterisch«. Auf sie greife ich eventuell später zurück. Aber wer findet eine Lösung, bei der es selbst in meinem Kopf sofort »Klick« macht?
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Und dann gibt es auch noch solche Mails: »Ich arbeite als Freelancer im Veranstaltungsbereich und würde gerne eine Ticketplattform, mit der ich kollaboriere, etwas bekannter machen. Daher möchte ich Ihnen anbieten, einen schönen kostenlosen (Gast-)Artikel für Sie zu schreiben und würde Sie bitten, mir im Gegenzug einen Link zuzugestehen.« – »Kollaborieren« – da kollabiere ich doch lieber! (gw)

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