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Montagsthemen (vom 14. Januar)

Nichts los in der Welt? In den Nachrichten-Sendungen von ARD und ZDF werden deutsche Politiker zu den Befindlichkeiten ihrer Parteien abgefragt. Anschließend, nach zuvor zehn Stunden Wintersport live und vor weiteren zehn Stunden am nächsten Tag, ausführliche Ski-und-Rodel-Zusammenfassungen. Dann das Wetter.
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Warum beherrscht der Wintersport sogar die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen? Warum leckt sich ein Hunderüde den Colt? Zwei Fragen, eine Antwort: Weil sie’s können.
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Abschweifung: Colt? Colt? Er ist Polizeihund (sorry, sehr alter Witz). Colt? Colt? Da ist doch noch was? Das, was in den USA aus den üblichen beflissenen Pro-forma-Diskussionen um den Waffenbesitz wird: nichts. Wetten!?
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Zurück zu ARD/ZDF: Sie können’s, weil nur sie die Senderechte haben und zahlen wollen und können. Was an sich schon erstaunlich ist. Aber »damit werden ebenso erstaunliche Gehälter im Sportbetrieb ermöglicht. Im Ergebnis trägt der Gebührenzahler zur Finanzierung von Traumgehältern bei«, kommentiert der Bundestagspräsident (in der »Welt«). Recht hat er. Allerdings, so viel zur Ehre der Wintersportler: Wenn’s nur um sie ginge, könnten die Gebühren drastisch sinken. Lammert zielt hauptsächlich auf die Fußballer. Auch das zu Recht.
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Fußball. Aha!-Meldung, neben all dem Testspiel-Pipapo: Sahin zurück zum BVB. Womit bewiesen werden könnte, dass manches/r nur beim Klopp-Klub funktioniert. Sahin, der bei Real und in England Gescheiterte, wird das BVB-Potenzial noch ein Stüfchen höher hieven. Und dient auch als Merkzettel für Lewandowski (in Polens Nationalelf nicht halb so stark wie in Dortmund).
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Ansonsten zum Fußball: Der neue Trainer von Schalke ähnelt dem aktuellen des HSV: smart, eloquent – aber sonst? Vermutung: Seine Zeit ist beendet, bevor sie begonnen hat. Aber das ist auch nur eine der üblichen Vermutungs-Schwadronierereien aus dem Fußball-Winterloch. Entschuldigung.
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Gestern sooo großer Artikel in der »FAS« über das Ziegenproblem. Mein  alter Hut, den ich gerade erst zum Matthäusproblem umfunktioniert habe und auf das ich  in dieser Woche in einer »E-Mail für mich«-Kolumne zurückkommen will, mit neuer Fußball-Volte (Danke dafür, Prof. Börgens). Ich bin also  gegenüber der »FAS« meiner Zeit voraus, nicht aber der »Zeit«, die das Verblüffungs-Rätsel vor vielen Jahren in Deutschland bekannt gemacht hatte.
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Nicht seiner Zeit voraus, sondern zeitlos arrogant, wie Ottavio Cinquanta auf einen kritischen Brief von Weltmeisterin Ireen Wüst reagiert: »Ich bin der Präsident des Weltverbandes. Ich spreche nicht mit Sportlern.« So sind sie eben, die Funktionäre. Ignorant von oben herab. Nicht alle. Aber viele. Vor allem in der Karriere-Tour ganz oben angelangte.
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Cinquanta. Deutsch: fünfzig. Wäre ich für die Prügelstrafe, bekäme Cinquanta cinquanta Stockschläge auf den nackten Culo (deutsch – na, Sie wissen schon). Nein, Kommando zurück. Für manchen aus der oberen Funktionärskaste wäre das keine Strafe, sondern Belohnung. Namen darf man keine nennen. Aber erwähnen, dass ich in meiner Lektüre des Follet-Bestsellers »Winter der Welt« gerade beim englischen Faschistenführer Mosley angekommen bin. Dessen Sohn tappte später als Autoverbandsführer (nicht im Buch, in echt) in eine Video-Falle.
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Auch für Klaus Kinski wäre das nicht die angemessene Bestrafung. Was seine Tochter Pola nach Jahrzehnten des traumatischen Verschweigens nun enthüllt, ist ebenso grässlich wie unüberraschend. Kinski galt als toller Schauspieler zwischen Genie und Wahnsinn, ich aber dachte immer: Der schauspielert nicht, der ist einfach so, ein eklig lippenschmatzend gemeingefährlicher Irrer. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport nicht mehr allzu viel zu tun. Na ja, leider manchmal doch. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle