Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Dr. Hans-Ulrich Hauschild: So allerhand

Es gibt ja so allerhand zu besprechen. Da ist zunächst Herr
Dr. Börgens, Technische Hochschule Friedberg. Habe natürlich auch keine Lösung;
jedoch will ich eine Chance verwerten. Unter leichtem Protest entgegne ich,
dass es sich nach meinem Verständnis bei Ihrem Blog keineswegs um eine Sportkolumne
handelt, jedenfalls nicht überwiegend, schon gar nicht ausschließlich. Allein
die leichte Kontroverse zur Willensfreiheit von neulich, der Kapitalismuswurm,
die Auseinandersetzungen um ein NPD – Verbot, frühere Einträge zu theologischen
Fragen (Theodizee z.B.), Berichte über Therapie – Ansätze aus den
Erfahrungen des Holocaust bei Viktor Frankl, sanfte und gleichzeitig bedauernde
Hinweise zur causa Wulf, auch die erzählende Einflechtung von Matthias Beltz’
Satire und vieles mehr, vor allem aber auch „Wer bin ich“. Auch Sie
sollten, im Namen jener, die sich bei Ihnen beteiligen, Ihr Veto gegen
derartige Klassifizierungen einlegen. Wortschwall um von der Unfähigkeit
abzulenken, das gemessen am Ziegenproblem, dem ich ebenfalls keine
Aufmerksamkeit geschenkt habe, unerhebliche Fußballproblem zu lösen? Jawohl, so
ist es. Nur ein Hinweis für Sie, lieber Herr Steines, sei erlaubt: es darf kein
semantisches Problem mit der Frage von Herrn Dr. Börgens verbunden sein, denn
sonst ist die Kompatibilität mit dem rein mathematischen Ziegenproblem dahin. Einen
solchen Fehler macht man sicherlich nicht, wenn man ein derartiges Problem
aufgibt.

Zur Willensfreiheit für heute nur so viel: es ist zwar
denkbar, dass die Naturwissenschaftler, die dem Menschen in der Tendenz die
Fähigkeit, nicht determinierte Entscheidungen zu treffen, absprechen, recht
haben; aber sehr wahrscheinlich ist dies nicht. Unumstritten unter
Naturwissenschaftlern ist dies auch nicht. Bleibt das Postulat eines freien
Willens. Wollen wir unsere Gesellschaftsordnung aufrecht erhalten, müssen wir
annehmen, dass der Mensch Entscheidungsfreiheit hat. Handlungsfreiheit kann
aber durchaus determiniert unfrei sein. Ein Beispiel? Luther hatte beim
verlangten Widerruf seiner Thesen keine Handlungsfreiheit („hier stehe
ich, ich kann nicht anderes“), keiner würde ihm aber die Freiheit des
Willens zu einer Entscheidung, die er zuvor getroffen hatte, absprechen. Seine Entscheidungsfreiheit
– freier Wille – hat seine Handlungsfreiheit determiniert.  Wir
müssen also zunächst bei der Willensfreiheit zwischen Handlungs- und
Entscheidungsfreiheit unterscheiden.

Der Vergleich unbegrenzten Wachstums in der Ökonomie mit Krebsgeschwüren
hat eine unheilvolle Aktualität gewonnen: ein sehr unmittelbares Ergebnis der
wirtschaftlichen Freiheit (amerikanischer Traum) ist die nun sicherlich nicht
einmal mehr von neoliberalen Ideologen klein zu redende Erderwärmung um 5 Grad.
Das ist – oder wäre – wohl das Ende der Menschheit. Nun ja, warum
nicht? Eine Menschheit mit nur illusionärer Willensfreiheit ist eben auch nur
Biologie.

Soeben Ihre Einträge zu heute Morgen gelesen. Sie haben die
Lösung? Na dann mag mein Text oben ja überholt sein. Schicke die Mail trotzdem
ab.
In der wohl begründeten Hoffnung, dass Ihre Kolumne eine
solche zu „Sport, Gott und die Welt“ bleibt. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild)

Baumhausbeichte - Novelle