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Wer bin ich? (1. Runde 2013)

Wenn mein Name fällt, denken alle gleich an einen anderen Namen. Macht nichts. Im Gegenteil. Wäre es nicht so, hätte ich etwas falsch gemacht.
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Geboren bin ich in Bad Nauheim. Man sagt, ich sei hochintelligent und ein bisschen chaotisch. Mein Name? Den konnte sich sogar der andere nicht merken, und er dachte anfangs sowieso, ich sei verrückt. Na ja, da ist er nicht der Einzige.
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Auch »gw« hielt mich für verrückt und chaotisch. Er wollte mit mir reden, etwas schreiben, klar, dass ich dem alten Kugel-Schubser zusagte. Ich musste den Termin ein paar Mal platzen lassen, ich hab schließlich zu tun. Als es dann endlich klappte, setzte sich der Kerl ins Auto und fuhr die knapp 300 Kilometer zu meinem Wohnort. Dann rief er an, dass er da ist, aber ich hatte plötzlich keine Zeit. »Hier brennt die Hütt! Hier brennt die Hütt! Du kannst dir nicht vorstelle, was hier los ist!«, sagte ich ihm am Telefon, »ich habe die Polizei im Haus«. Das glaubte er mir nicht, dachte, das sei eine blöde Ausrede. Nun ja, als die Sache in allen Zeitungen stand, glaubte er mir endlich.
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Als Sportler war ich Deutschlands Bester in meinem Metier. Aber wie auch andere Höchstbegabte eckte ich manchmal an, war nicht unumstritten. Als ein Schiedsrichter einmal ein Foul gegen mich pfiff, obwohl ich gefoult worden war, schmierte ich ihm zum Beweis Blut ins Gesicht – aus meiner Platzwunde. Na ja, das wäre später, in HIV-Zeiten, ein Riesenskandal geworden.
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Wer bin ich? Nationalspieler, Naturwissenschaftler, Lebenskünstler und Unternehmer mit eigenem »Institut«. Ich hatte mal Visitenkarten, die aussahen wie ein schnell und schief ausgeschnittenes Fitzelchen Papier, auf dem eine schlechte Fotografie von Albert Einstein zu erkennen war. Aber der Name auf der Visitenkarte ist nicht Albert Einstein, sondern … ? (Einsendeschluss: 20. Januar) (gw)

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