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Montagsthemen (vom 7. Januar)

Hallenfußball. In Vorbiathlonzeiten der Renner der Saison. Damals, zu ernst genommen, Frankfurter Sargnagel zum ersten Bundesligatod. Heute endlich das, was der Hallenkick sein soll und sein darf: Abwechslung, Spaß, Belohnung. Daher kein Vergleich mehr mit dem Eintracht-Trauma, nach Startrekord und Hallen-Königsglanz abzusteigen, absteigen zu müssen (okay, ich reite nicht mehr darauf herum). Die Zeiten sind vorbei.
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Auch Henni Nachtsheim freut sich über seine Eintracht. In der »Bild-Zeitung«. Dort war jetzt eine Eintracht-Kolumne zu lesen. Von »unserem« Henni! Mit unserem Titelfoto! Gemischte Gefühle: Seine Kolumne ist unser gemeinsames Baby, wir haben es in unserer Zeitung jahrelang aufgepäppelt, jetzt ist es groß und wird von reichen Freunden eingeladen. Das macht den Mit-Papa stolz und sorgenvoll zugleich. Ob dem Kind der neue Umgang dort draußen gut tut? Zum Glück bleibt es uns treu und zu Hause wohnen. Dort schreibt es weiter Eintracht-Tagebuch. Nächster Eintrag nach Rückrunden-Neustart.
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Auch Marco Russ wurde von reichen Freunden eingeladen. Er schien auf dem Weg in die Nationalmannschaft, nahm aber die Abzweigung nach Wolfsburg und geriet auf den Holzweg. Der Umgang dort draußen tat ihm nicht gut. Willkommen zu Hause.
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Die Eintracht war auch Thema bei Henni Nachtsheims Besuch im HR vor einer Woche, als wieder einmal klar wurde, dass der Hessen-Comedian nur bei einem keinen Spaß versteht: bei Lothar Matthäus, dem Grabowski-»Drecksack« (O-Ton Henni).
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Apropos Matthäus: Zu Silvester hatte ich das Ziegen-Problem aufgewärmt, diesmal in einer Matthäus-Version: Hütchenspiel eines Ölscheichs mit Bruchhagen. Unter einem Hütchen liegt der Gewinn (Messi), unter den beiden anderen die Niete (Trainervertrag für Matthäus). Bruchhagen deutet auf ein Hütchen. Der Scheich lüftet ein anderes, unter dem eine Matthäus-Niete liegt und gibt Bruchhagen die Möglichkeit, seine Wahl zu wechseln. Die Mathematik sagt, dass sich die Chancen verbessern, wenn er wechselt. Die vielen Ungläubigen könnte nun Andreas Tempelfeld (»einer der vielen langjährigen Anstoß-Leser«) überzeugen: »Nehmen wir an, dass der Hütchenspieler nicht drei Hütchen mit einem Messi und zwei Matthäussen anbietet, sondern 100 Hütchen. Unter 99 dieser Hütchen sei die grausamste alle Nieten seit Heynckes Trainer in Frankfurt war: der Vertrag mit Matthäus. Nur einmal tauche der Hauptgewinn in Form eines Vertrages mit Messi auf. Jetzt wählt Heribert eines der Hütchen aus, das nur mit relativ geringer Wahrscheinlichkeit (ein Hundertstel) der Vertrag mit Messi sein wird. Der Hütchenspieler öffnet danach 98 (nämlich alle bis auf zwei Hütchen) mit hässlichen Nieten. Nun hat Heribert zwei Hütchen vor sich, eines mit Messi und eines mit der Niete. Da er aber seine Wahl festgelegt hat, bevor er Kenntnis von den 98 Nieten erlangte, ist er nun gut beraten, auf das andere  Hütchen zu wechseln, was auch ohne große Spielerei mit Wahrscheinlichkeiten intuitiv klar sein sollte. Vielleicht kann diese Herleitung ja ein wenig Licht ins Dunkel des Matthäusproblems bringen.« – Und? Alles klar?
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Alles klar auch für Promis an der Courtside (neudeutsch für »erste Reihe«). Vor ein paar Tagen berichtete die »Süddeutsche Zeitung« über »die fein inszenierte Basketball-Show«, die sich »zu einem Treffpunkt der Münchner Gesellschaft entwickelt«. Hatte ich bisher immer gedacht, Basketball sei eine der systemtaktisch anspruchvollsten Sportarten, für deren Verständnis auch einige Kenntnis des nicht einfachen Regelwesens gehört, widerlegt das nun die SZ, die einen »Grund für die Attraktivität solcher Events« kennt: »Das Spiel ist so durchorganisiert, dass selbst der absolute Laie alles versteht.«
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Wer’s nicht versteht, muss also ein absoluter Doofkopp sein. Hübscher Ansatzpunkt für Basketball-Trainer. Ich höre sie schon in der Kabine fluchen: »Die Laien da draußen an der Courtside verstehen absolut alles vom Basketball, und ihr Idioten nichts, aber auch gar nichts!«
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»Courtside« – ob sich das einbürgert wie »Event«? Neueste Sprachblüte: Im Wahlkampf, lese ich, werden »Give-Aways« verteilt. Das Wort steht sogar schon im Duden. Give-Aways sind (Werbe-)Geschenke, als deutsche Synonyme angeboten werden unter anderen das heimelige »Mitbringsel« oder das allerdings sehr altvordere »Angebinde«. – Sie saßen an der Courtside dieser Kolumne und lasen ein Give-Away von:   (gw)

Baumhausbeichte - Novelle