Archiv für Januar 2013

Mittwoch, 30. Januar, 17.30 Uhr

Soeben taucht in der “Mailbox” (in Ludger Behnens Mail) die Vermutung auf, ich hätte mich mal als konservativ zu erkennen gegeben.
Ich und konservativ? Nee. Progressiv? Nee. Generell nichts davon, in Einzelfällen mal so, mal so. Man kann Gutes bewahren. Man kann in dumme Richtung voranschreiten. Man kann Dummes bewahren. Man kann in gute Richtungen voranschreiten.
Dass ich zu keinem Lager gehöre, wird hoffentlich auch am Samstag in der “Nach-Lese” zu erkennen sein. Thema: “Neger”, worüber sich jetzt alle die Köpfe vollschreiben. Problem: Wer nicht mit seinem Haufen mit anderen Haufen rauft, sondern als einsames Schaf gegen die im Haufen Raufenden anblökt, den haben die Haufenraufer schnell “gefressen”. Zum Glück bin ich als alter Hammel schon viel zu zäh, als dass mich wirklich jemand fressen wollte. Meine “Neger”-”Nach-Lese” wird sowieso nur wenigen schmecken. Hoffentlich Ihnen. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2013 .
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Ludger Behnen zum Martenstein-Zitat in “Ohne weitere Worte”

Ich nehme zwar an, dass wir zu diesem Thema unterschiedlicher Meinung sind, aber – großes Kompliment! – Sie gehören zu den wenigen Konservativen (sind Sie das überhaupt? Ich meine mich zu erinnern, dass Sie sich selbst so sehen), mit denen ich Lust habe mich auszutauschen; liegt vermutlich an ihrem sehr angenehmen selbstironischen Humor; und daran, dass Sie auf meine erste Mail so freundlich geantwortet haben; und … (ach was, bevor Sie abheben, lege ich endlich los:)
Ich weiss ja (steht ja auch drüber), dass „Ohne weitere Worte” auch „Peinliches, Schräges, Dümmliches” enthält. Aber irgendwie sagt mir mein Gefühl, das Zitat von Harald Martenstein sollte eher ein (einigermaßen) witziger, „erhellender” Beitrag zur unmäßigen Steuergier des Staates sein. Wenn das so sein sollte, möchte ich eine „erhellende” Polemik dagegenstellen:
Der Steuersatz von 75% in Frankreich sollte für Menschen ab 1 Million Euro Jahreseinkommen (Einkommen! Nicht Vermögen! Also: Zuwachs des Vermögens!) gelten. Ich hab mir mal die Mühe gemacht, Herrn Martenstein im Original weiter zu lesen: „Jeder Sparkassendirektor verdient mehr als ein namhafter Kolumnist. (…) Der bestverdienende Sparkassendirektor Deutschlands (…) bekommt jährlich 593.000 Euro, brutto” – und fiele nicht einmal mit diesem Einkommen in die 75%-Steuerklasse. Herr Martenstein braucht also bestimmt nicht zu befürchten, dass „sie” (Die Bösen? Die Sozialisten?) ihm das bisschen, „was ich kriege” (Ursprung von „kriegen”: „sich durch Krieg aneignen”!), „wegsteuern” (Wieso „weg”? Benutzt er nicht auch öffentliche Straßen, schickt seine Kinder in öffentliche Schulen, akzeptiert das öffentlich subventionierte Gehalt von Bank- und Sparkassendirektoren …?).
Aber das befürchtet er ja auch gar nicht; er will nur Stimmung machen: ‚Wir alle strengen uns so sehr an, und von dem bisschen, was wir dafür kriegen, bekommen wir dann noch 75% weggenommen …’
Neben dieser bedrohlichen 75%-Stimmungsmache stehen absolute Zahlen: Ein Einkommens-Millionär, der 75% Steuern zahlt, hat ein Netto (!) -Jahreseinkommen von mindestens 250.000 Euro (!). Ich würde sagen, damit sollte sich jemand dankbar bescheiden, dessen große Leistung es ist, eine Zeitlang so zu tun, als wäre er ein dicker, kluger Gallier …
Und auch jemand wie Herr Martenstein, dessen große Leistung es ist, Stammtischparolen niederzuschreiben, sollte meines Erachtens erheblich höher besteuert werden – immerhin scheint er damit so viel zu verdienen, dass er genug für eine Auswanderung in die Karibik beiseite legen kann, wovon andere, die nicht weniger, wahrscheinlich härter und höchstwahrscheinlich sinnvoller arbeiten, nur träumen können …
Also: Steuern hoch, damit Herr Martenstein endlich auswandert! Weg isser!
(Und hoffentlich pinkelt er in genau das Flugzeug, das ihn in die Karibik bringt …) (Ludger Behnen)

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2013 .
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Scheinbar paradoxe Chancenverwertung (Anstoß vom 31. Januar)

Damit wir endlich mal vom alten »Ziegenproblem« abkommen, stellte uns Professor Dr. Manfred Börgens von der TH Friedberg vor zwei Wochen diese Aufgabe: »Mannschaft A hat in der ersten Halbzeit eine schlechtere Chancenverwertung als Mannschaft B. In der zweiten Halbzeit ist es genauso. Im ganzen Spiel hat aber Mannschaft A eine bessere Chancenverwertung als Mannschaft B. Kann das sein?«
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Ich streckte gleich die Waffen und setzte auf die Schwarmintelligenz der Leser. Und da lag ich richtig. Andreas Tempelfeld und Ralf Protzel waren die ersten, die »völlig korrekte Lösungen« (Prof. Börgens) mailten. Ralf Protzel weiß: »Das Ganze ist als Simpson-Paradoxon bekannt« und »wird (neben anderen Matheproblemen) in ähnlicher Form auch im Buch ›Mathematikverführer‹ von Christoph Drösser (ISBN 978-3-499-62426-1) recht anschaulich beschrieben.« Der Lösungsweg unseres Lesers, der tief in die Materie einsteigt, ist zu komplex und umfangreich, um ihn hier nachzuvollziehen, ist aber in der »Mailbox« des gw-Blogs »Sport, Gott & die Welt« nachlesbar.
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Kürzer ist die Version von Andreas Tempelfeld. Aber zuvor – Falls Sie, liebe Leser, nachträglich mitrechnen wollen – ein Tipp von Prof. Börgens: »Es gibt nun mal reale Phänomene, die manchen auf den ersten Blick paradox erscheinen. Die Sache mit der Chancenverwertung hat nur sehr wenig mit höherer Mathematik zu tun und schon gar nichts mit Spitzfindigkeiten.« Sein Rat: »Einfach mal ein wenig ausprobiert, wie das funktionieren könnte.«
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Haben Sie? Verblüfft? »Die Verblüffung stammt wohl daher, dass man intuitiv dazu neigt, die Prozentwerte beider Halbzeiten zu mitteln«, was »unzulässig ist« (Prof. Börgens). Und hier die Lösung mittels eines allerdings sportlich unbefriedigenden Beispiels von Andreas Tempelfeld: »Also spielt die SGE beim FCB. In der ersten Halbzeit stürmt nur die Heimmannschaft, wobei sie sich fünf Torchancen erarbeitet, aber aufgrund der tollen Leistung von Oka Nikolov nur eine verwertet. Die SGE hat eine Chance, diese wird aber leider vergeben. In der ersten Halbzeit hat also die SGE eine Chancenverwertung von 0:1 = 0%, der FCB eine von 1:5 = 20%. Die zweite Halbzeit wird zu einem offenen Schlagabtausch. Beide Mannschaften erarbeiten sich je fünf Torchancen, Oka ist jetzt nicht mehr so gut und kassiert fünf Gegentreffer. Die SGE selbst trifft vier der fünf Chancen ins gegnerische Gehäuse. Daher ergibt sich nun für die SGE eine Quote von 4:5 = 80%, für den FCB aber 5:5 = 100%. Leider verliert die SGE das Spiel mit 4:6 und hat in beiden Halbzeiten die schlechtere Chancenverwertung. In einer Wertung aber gewinnt sie: Insgesamt hat die SGE eine Chancenverwertung von (0+4): (1+5) = 4 : 6 = 66,7%, der FCB aber nur von (1+5): (5+5) = 6 : 10 = 60%. Ich finde, diese Aufgabe zeigt anschaulich, dass es statistische Kennzahlen gibt, die keine wirkliche Aussagekraft haben, mit denen man höchstens meinungsmachende Artikel in Boulevardblättern konstruieren kann.«
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Meine Rede! Aber könnte man nicht ein sportlich erfreulicheres Beispiel finden? Uwe Streiber hat es: »In der 1. Halbzeit des Spiels Eintracht Frankfurt gegen Bayern München schießt Bayern 1 mal auf das Eintracht-Tor und trifft. Chancenverwertung 100%. Die Eintracht schießt 100 mal auf das Bayern-Tor, und trifft 99 mal. Chancenverwertung 99%. In der 2. Halbzeit schießen die Bayern 2 mal aufs Eintracht-Tor und treffen 1 mal. Chancenverwertung 50%. Die Frankfurter schießen wieder 100 mal auf das Bayern-Tor und treffen nur 49 mal. Chancenverwertung 49%. In beiden Halbzeiten haben also die Bayern die bessere Chancenverwertung. Die Chancenverwertung der Bayern für das gesamte Spiel ist 2:3, also knapp 67%. Und bei der Eintracht? Da liegt sie bei 148:200. Das sind 74%.«
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Wie dieses Spiel ausgeht, kann sogar ich ausrechnen. Das nenne ich mal ein schönes Ergebnis! (gw)

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2013 .
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“Warum man nicht immer alles hinnehmen muss!”

Liebes Eintracht-Tagebuch, auch wenn ich schon eine ganze Reihe wunderbarer Urlaube erlebt habe, erinnere ich mich aber vor allem und besonders gerne an einen, der schon etwas länger zurückliegt. Damals sind wir mit einer ziemlich großen und vor allem ausgesprochen gemischten Gruppe nach Frankreich zum Zelten gefahren. Eine Menge Leute und dementsprechend viele Autos.

Irgendwann war auch der Letzte trotz Reifenpanne oder kaputter Lichtmaschine angekommen, und es begann eine extrem gute Zeit. Über 30 Leute, die wie gesagt zum Teil extrem unterschiedlich waren. Hippies, ein paar Studenten, Handwerker, ein Wirt und eine Buchhändlerin. Das Erstaunliche war, dass alle wirklich gut miteinander klarkamen, egal was gerade anstand. Ob das Einkaufen in dem winzigen Supermarkt in dem in der Nähe befindlichen kleinen Kaff, das gemeinsame Angeln, die vielen Gespräche mit unterschiedlichsten Themen, die spontanen Feten oder einfach nur das Abhängen vorm abendlichen Feuer … alles fühlte sich, warum auch immer, für alle besonders gut an.

Bis die Arschlöcher kamen! Zwei Nachzügler, bei denen sich später rausstellte, dass niemand in der Gruppe sie gekannt hatte, die einfach nur von dem riesigen Gruppenzelten mitbekommen hatten – und jetzt auf einmal da waren. Und die dem Rest schon bald demonstrativ zeigten, wie blöd sie die gute Laune fanden, wie kitschig das Lagerfeuer und dass es vor allem cool sei, wenn man in dem kleinen Supermarkt etwas unter der Jacke mitgehen ließ.

Da wir, die anderen, allesamt eine Spur zu friedfertig und gutmütig waren, schauten wir eine Zeit lang unentschlossen zu und nahmen so in Kauf, dass der bislang großartige Urlaub langsam aber sicher kippte. Bis zu dieser Nacht! Denn da … und jetzt, liebes Tagebuch, wirst Du spätestens begreifen, warum ich Dir diese nicht besonders lustige Geschichte überhaupt erzähle … bewarfen sie unsere Zelte mit Kanonenschlägen und anderen Böllern, um sich dabei kaputtzulachen.

Vielleicht hatten sie gedacht, dass man das mit einer Gruppe von Weicheiern wie uns machen könne, oder sie hatten einfach mal ausloten wollen, wie weit man gehen kann. Es war aber deutlich weniger weit, als sie vermutlich gedacht hatten. Im Klartext: ich war verblüfft darüber, wie wenig es beim Verprügeln ausmacht, ob du Hippie, Student, Handwerker oder Buchhändlerin bist. Noch in derselben Nacht haben wir sie in ihr Auto gesetzt und ihnen exakt 30 Sekunden gegeben, unseren Platz zu verlassen. Gebraucht haben sie keine zehn.

Ja Tagebuch, Du hast komplett recht, auch wenn diese Geschichte stimmt, ist sie eine ziemlich vordergründige Metapher bezüglich der Pyro-Idioten vom Leverkusen-Spiel. Aber weißt Du was? Es ist mir scheißegal, ob das vordergründig ist oder nicht. Wir haben so lange auf eine Saison wie diese gewartet, über Jahre so viele mittelmäßige Spiele gesehen und eine gefühlte Ewigkeit keinen so geilen Angriffsfußball mehr geboten bekommen wie in den letzten Monaten. Das erste Mal nach einer Million Jahren hat die Eintracht die reelle Chance, einen Schritt aus der Mittelmäßigkeit zu machen. Und genau in dieser Phase sind drastische Geldstrafen und Geisterspiele, die den Verein Millionen kosten, definitiv das aller aller Falscheste, was man gebrauchen kann. Zumal wir keine Scheichs im Hintergrund haben, die so was eben mal aus der Portokasse bezahlen. Das Interesse an der derzeitigen Entwicklung der Eintracht ist ein kollektives Interesse all derer, die den Verein lieben oder zumindest schätzen. Und deswegen muss man Arschlöcher, die uns diese geile Saison versauen und somit schaden wollen, auch kollektiv vom Hof jagen! Die Plakate im Stadion beim Spiel gegen Hoffenheim waren jedenfalls schon mal ein Anfang! Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von gw am 29. Januar 2013 .
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Ohne weitere Worte (vom 29. Januar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Dani Alves erklärte, er spränge auch aus dem Fenster, wenn der Trainer (Anm.: Pep Guardiola) das verlange. »Unten, da wäre ich mir sicher, würde mich schon etwas Gutes erwarten.« (Stern)
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»Ich glaube nicht, dass er so etwas schon in Barcelona erlebt hat, was er dann in München erleben wird.« (Mirko Slomka im Welt-Interview über den künftigen Bayern-Trainer Guardiola)
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Sie haben immer Ihre Tore geliefert. Dennoch sind Sie bei Fans und Medien umstritten. Empfinden Sie das als eigenartig?  – »Die Schlagzeile ist in Schwarz oder Weiß immer besser, als wenn sie grau wäre. Dieselben Leute, die dich hochjubeln, hauen dich zwei Tage später in die Pfanne.« (Mario Gomez im FAZ-Interview)
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»Unser Vorteil ist: Bei uns kann kein Ex-Nationalspieler kommen und sagen: Früher war alles besser. Bei uns war es nie besser als heute!« (Mainz-05-Sportchef Christian Heidel im SZ-Interview)
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In den Ranglisten sind Sie nach der Hinrunde abgestürzt. – »Scheiß auf die Ranglisten.« (Tim Wiese im Sport-Bild-Interview)
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Wie viel ist denn auf dem Festgeldkonto derzeit? – »(…) Zum 30. 6. des vergangenen Jahres hatten wir 121 Millionen Euro freie Liquidität.« (der scheidende Bayern-Geschäftsführer Karl Hopfner im Welt-Interview)
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Rene ist 1,86 Meter groß und wiegt mittlerweile 115 Kilo. (…) »Aber fett bin ich nicht«, sagt er, »fett ist Reiner Calmund. Ich habe vielleicht nicht das optimale Gewicht.« (Der Spiegel über den Ex-St.-Pauli-Profi und Zocker Schnitzler, der Spiele verschoben haben soll)
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Was für den 65-Jährigen normales Balzverhalten ist, treibt die 25-Jährige direkt zur Gleichstellungsbeauftragten. (SZ)
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Eine Journalistin (…) deckte soeben auf, dass Brüderle ihr gegenüber (…) anzügliche Bemerkungen gemacht und sie belästigt hat. Gut, dass es endlich jemand auszusprechen wagt, der Mann belästigt uns schon seit Jahrzehnten, auch ohne dass er anzügliche Bemerkungen macht. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Sie haben ein wunderbares, unverheiratetes Lehrerinnen-Gesicht. Ihre Frisur ist bubihaft. So kämmten sich Frauen vor 30 Jahren. Sie sind wie eine Cousine, die keinen Mann bekommen hat. Wahrscheinlich essen Sie gerne Ziegenkäse. Ich glaube nicht, dass Sie eine Betrügerin sind. (»Post von Wagner« in Bild an Annette Schavan)
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Wenn sie mir morgen von dem, was ich für die Kolumne kriege, 75 Prozent wegsteuern, dann mache ich es wie Gerard Depardieu, ich pinkele als Erstes in ein Flugzeug, und anschließend wandere ich aus, allerdings nicht nach Russland. Mir schwebt eher die Karibik vor. (Harald Martenstein im Zeit-Magazin). (gw)

Veröffentlicht von gw am 28. Januar 2013 .
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Baumhausbeichte - Novelle