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Montagsthemen (vom 31. Dezember 2012)

Zwei Jubiläen: Adriano Celentano wird 75, das Dosenpfand 10. »Und die Zeit und die Zeit und die Zeit«, klagte einst  »Monsieur 100 000 Volt« (Gilbert Becaud). Celentano, der kaum älter als das Dosenpfand wirkt, hat noch  hunderttausend Volt mehr drauf. »Una festa sui prati« für ihn!
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Dosenpfand? Nie damit zu tun gehabt. Auch, weil ich keine Sixpacks  habe. Eher Sitzpacks. Die kommen nicht von Bier-Sixpacks, sondern von Spritz. Nicht mit Aperol vorne, sondern  -gebäck hinten. Und dafür gibt’s kein Dosenpfand.
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Klar, jetzt wird abgenommen. Steht auf den meisten Vorsatz-Listen  ganz oben. Wohl auch bei jenem dpa-Redakteur, der gestern dem SPD-Kanzlerkandidaten den  Verschreiber in den Mund legte, »Wahlen werden nicht nach Beleibtheit« entschieden. Und wenn doch? Patt? Ist das uncharmant? Wem gegenüber?
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Neuer Vorsatz: Überprüfung von Vorurteilen. Riesenlanges FAS-Interview mit dem schwer erträglichen Waldemar Hartmann. Ich ertappe mich, meinen Spaß daran zu haben. Eines der seltenen Interviews mit Sportschaffenden, die ich genussvoll zu Ende lese. Die nächsten Vorurteils-Überprüfungen werden härter: Eine Silbereisen-Sendung gucken und als ultimativen Test MDR-Fasching: »Da steppt der Bär.«
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Letzter »Anstoß« 2012. Wer alle Kolumnen nachlesen will, findet sie online im gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«. Über 200 in diesem Jahr, plus 165 ausgewählte Leser-Mails. Dankeschön dafür stellvertretend an die vier letzten Schreiber: Doris Heyer (Staufenberg/Treis), Helmut Cichorius, Dr. Hans-Ulrich Hauschild (Gießen) und Walther Roeber (Bad Nauheim). Mal reinklicken?
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Silvester ist  auch traditioneller Rätsel-Tag mit altem und neuem Denksport, den im Lauf der Jahre Leser und Schreiber zusammengetragen haben. Heute nur ein Rätsel, der Klassiker in neuem Gewand: Frankfurts Sponsor, ein milliardenschwerer Ölscheich (wahlweise:  Oligarch) macht mit Heribert Bruchhagen ein  Hütchenspiel. Unter einem  liegt der Gewinn (Vertrag mit  Messi), unter den beiden anderen die grausame Niete (Trainervertrag für  Matthäus). Der Sponsor lässt Bruchhagen ein Hütchen ausdeuten. Nachdem der seine Wahl getroffen hat, lüftet der Sponsor eines der anderen Hütchen, unter dem ein Vertrag mit Matthäus liegt und gibt Bruchhagen  die Möglichkeit, seine Wahl zu überdenken.  Bleiben seine Chancen gleich, verbessern oder verschlechtern sie sich, wenn er die Wahl wechselt?  Mit der mathematisch identischen Ziegen-Version (statt Matthäus) haben sich  Anstoß-Leser schon manche Silvesternacht um die Ohren geschlagen.
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Auflösung (Bedingung:  Der Hütchenspieler schummelt nicht wie seine Kollegen im Frankfurter Bahnhofsviertel): Die Chancen verbessern sich, wenn Bruchhagen   wechselt. Die Wahrscheinlichkeit, Messi zu bekommen, nachdem der Sponsor ein Hütchen aus dem Spiel genommen hat, bleibt nicht bei 50:50, sondern steigt auf 66,6:33,3 Prozent. Viele Leser glauben’s auch nach Jahren noch nicht. Ich schon. Nicht weil ich’s verstünde – aber können so viele Mathematiker irren?
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Noch einmal zu den beiden Vorsätzen.  Als Suzy Hamilton  bei Olympia 2000 in Sydney auf die Zielgerade einbog,  in Führung liegend, aber schon schweren Schrittes,  schlug sie plötzlich lang hin, rappelte sich auf und kroch als Letzte ins Ziel. Auf mich wirkte es wie der Slapstick-Versuch einer grottenschlechten Schauspielerin.  Offiziell hieß es: dehydriert, daher kollabiert. Jetzt erst gab sie zu, den Sturz simuliert zu haben. Die US-Läuferin  war »platt«, und solch ein Spektakel sicherte ihr mehr Medienaufmerksamkeit und Anteilnahme als die simple Überschätzung eigenen Könnens. Also: Vorurteil bestätigt. Dass die mittlerweile verheiratete Mutter Hamilton jetzt auch  zugab,  für einen Escortservice als Luxusnutte gearbeitet zu haben, ist dagegen ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun.
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Vorsatz abnehmen: »Das verfressene Schwein nimmt bei guter Futterlage schnell zu.« Hab ich in einer wissenschaftlichen Schweinefleischabhandlung gelesen – oder fiel der Satz im Protokoll einer Partnerschafts-Krisenanalyse?
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Tipp zur krisenvermeidenden und vorsatzstützenden Vorbeugung: Wenn der Heißhunger auf futterlageförderndes Schweinefleisch plagt, immer an das herzzerreißende Bild der beiden Ferkelchen denken, die – dicht aneinandergedrängt, sich umarmend – vor ihrem Metzger stehen und inständig bitten: »Wir möchten  zusammen in eine Wurst.«
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Wer könnte da noch »viel Schwein« im neuen Jahr wünschen? Dann doch lieber: Guten Rutsch! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle