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Das war’s im November/Dezember: Die Luftwaffe rudert und andere Blondinenwitze

Text-Collage 2012 aus »Sport-Stammtisch«, »Montagsthemen«, »Ohne weitere Worte« sowie aus dem gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«

 

Letzte Worte zum sinkenden Schiff und den Ratten, die es verlassen: Erstaunlich ist, dass Armstrong, der große Patron, der allmächtige Pate, überhaupt untergeht. Das System galt als unsinkbar. Gar nicht erstaunlich aber, dass alle, die von und mit ihm gut und gerne lebten, ihn nun verlassen und verdammen. That’s life, Lance!
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Dass der Fan-Frust verständlich ist, bei all dem Schickimicki-Hype um VIP-Logen und Pipapo, rechtfertigt alle friedlichen und originellen Protest-Aktionen von Freunden des reinen Fußballs, aber keine einzige Gewalttat.
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Ergebnis des Fan-Gipfels: Gut, dass wir geredet haben. Einige Fan-Vertreter durften sich »auf Augenhöhe« wichtig fühlen. Ansonsten: Ratlosigkeit. Und simpelste Simplizitäten wie dieses Fazit in einem sid-Kommentar: »Für die aktuellen Vorgänge gibt es wohl vorerst nur eine Lösung: Wer Straftaten im Umfeld des Fußballs begeht, muss genauso verfolgt werden wie jemand, der Straftaten in einem anderen Umfeld begeht.« – Ja was denn sonst? Und wieso ist diese Lösung nur eine vorerstige?
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Seltsam. Seltsam auch: Jene Rostocker Ruderin, die bei Olympia in London Opfer von Funktionärs-Wahnsinn wurde (Stichwort: Sippenhaft), genießt nun verdiente Wiedergutmachung und wird Sportsoldatin. Allerdings hätte man sie, um den Schein zu wahren, doch besser zur Marine geschickt als zur Luftwaffe. – Sorry für den Kalauer, aber in ihm steckt ein echtes Problem: das der Bundeswehr als weitaus größter deutscher Spitzensport-Sponsor.
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Pyrotechnik. Diese ist zwischen Verantwortungs- und Vereinskuttenträgern am umstrittensten, Kompromiss nicht in Sicht. Argumentativ hilft da nur noch morbides Denken in extremis: Nach den ersten hochgradig Verbrannten oder gar Toten erübrigt sich jede Debatte.
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Es gibt nicht wenige Gemeinsamkeiten zwischen Fußball und Roulette, von der grünen Spielfläche bis zum runden Spielgerät, das rollt, wie es will. Auch den Vorteil der Spiel(er)bank gibt es – man schaue sich nur die der Bayern an. Und da endet dann aber auch sportlich der Vergleich mit dem Roulette, denn Spielbanken leben von der Null, die Bayernspielerbank jedoch davon, dass auf ihr alles andere als »Nullen« auf ihren Einsatz warten.
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Nehmerqualitäten. Schauriges Wort. Wenn sie alleine schon sportliches Talent bedeuten, sind Sandsäcke Weltklasseboxer. Klitschkos Pole, der mit dem Kinn, hatte außer diesem und einem auch ansonsten gewaltigen Körper nichts zu bieten als eben jene Nehmerqualitäten. Von wem er das Kinn hat, sah man unten am Ring, wo der Vater saß. Leider saß dort auch das kleine Kind des Boxers, und dafür verdienen Vater, Opa und Mutter eine weitere Tracht Prügel.
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Spektakulär war’s. Mehr nicht. Dem fraglos tollen, aber im Wortsinn einmaligen Fallrückzieher von Ibrahimovic fehlt das, was andere Traumtore von Okocha bis Messi hatten: die vom bloßen Zufall unabhängige Kunst. Wenn Ibrahimovic noch hundert Mal in eine ähnliche Situation käme, er könnte diese Aktion nicht mit gleichem Erfolg wiederholen. Ihn ehrt, dass er es selbst am besten weiß (»Zufall«). Außerdem bleibt er auch ohne diesen Youtube-Hit ein Ausnahmespieler und sein Tor … eben einmalig.
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Große Blamage: »Der Fuß Gottes«, unter dieser Schlagzeile schrieb ein »FAZ«-Kollege über »das frechste, unglaublichste, akrobatischste, unverschämteste Tor«, wusste aber auch, denn hinter jeder »FAZ«-Zeile steckt ein kluger und im Zweifelsfall besserwissender Kopf, dass Ibrahimovic’ Tor nicht einmalig ist, weil »es mal einen Spieler gab, der nicht nur aus 25, sondern gleich aus 40 Metern per Fallrückzieher traf. Es war auch ein Schwede, Rade Prica, der mal bei Hansa Rostock gespielt hat.« Aber, grande Malheur: Das 40-Meter-Fallrückziehertor, das die »FAZ« bei Youtube entdeckt hat, stammt nicht aus einem echten Fußball-, sondern aus einem Konsolen-Spiel, ist also die moderne Form eines Zeichentrickfilms.
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Das Netz kugelt sich vor Schadenfreude. Als Schreiber kugelt man amüsiert mit, aber mit dem Schauder der Gewissheit: So etwas kann jedem passieren, vor allem auch mir selbst.
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Ein starkes Stück auch, dass die notorisch medienauffällige Fechterin Duplitzer lebenslange Steuersenkung für Olympioniken fordert. Vorher schon forderte Diskus-Ass Harting lebenslange Sofortrente für Olympiasieger. Da fordere ich gleich mit: Beides für alle!
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»Vierzehn Jahre dauert eine Ehe im Durchschnitt bis zur Scheidung, und das ist, gemessen an der durchschnittlichen Dauer des Geschlechtsverkehrs (…) eine ganze Menge.« (aus »Das Letzte« in der Zeit)
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Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Männern das Gehirn schrumpft … sie müssen bei Tests nur Bilder blonder Frauen betrachten, und schon geben sie dümmere Antworten als zuvor. Grund: Sie reduzieren ihre Hirntätigkeit, um auf eine Stufe mit den Blondinen zu kommen. Dies ist kein Blondinenwitz, sondern Wissenschaft. Aber auch die kann ein Blondinenwitz sein.
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Hübsch auch die Erkenntnis, dass Menschen mit großen Füßen größeres Geld verdienen als Kleinfüßige. Ich muss nicht einmal wissen, dass diese Studie durch nicht berücksichtigte Messgrößen (»Confounder«) verfälscht wurde. Mir reicht die eigene Privatstudie beim Blick auf die Füße der reichsten Männer der Welt. Geschätzte Durchschnittsgröße: 39. Meine Schuhgröße: 47.  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle