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Sonntag, 23. Dezember, 7.10 Uhr

Nein, nicht verschlafen. Wird ein gemütlicher Sonnarbeitstag, da keine “Montagsthemen” auf dem Plan stehen. Dafür die nächste “Das war’s”-Folge, die vorgeschrieben und fast fertig ist. Wird bis einschließlich Freitag durchgezogen, bevor erst für nächsten Samstag wieder eine aktuelle Kolumne geschrieben wird. Zeit also, nach dem morgendlichen Info-Einsaugen (der Lese-Stapel ist allerdings sehr hoch) wieder mal an das Langzeit-Projekt zu gehen (“So wahr das”).

In diesen Tagen könnten die Rückblick-Folgen über die saisonale Themen-Flaute hinweghelfen, müssen sie aber gar nicht: Hecking nach Wolfsburg, obwohl ich denen Schuster gegönnt hätte (für ein paar Wochen, dann wäre er weg gewesen). Der Lockruf des Geldes. Erst Allofs, dann Hecking. Ist der Ruf erst mal … Oder der Euro-Ausschluss von Malaga: “Financial Fairplay” (= Ausgaben nicht höher als Einnahmen) – über diese gut gemeint wirken sollende Sache habe ich, glaube ich, schon im Blatt meine Skepsis angemeldet. Jetzt Malaga. Die Kleinen henkt man. Die Großen: Paris, wo Ibrahimovic absahnt, wird von Scheichs aus Katar multimillionengemästet. Ihnen gehört der Klub, sie stecken ihr Geld (im Prinzip: mein, unser Geld) rein und schmeißen es wieder raus (für Ibra und Co, demnächst angeblich für Mourinho), also halten sich “Einnahmen” und Ausgaben die Waage. Immerhin kann man “Katar Investments” (= Klubbesitzer-Firma) zubilligen, dass sie uns alle wieder einmal vor Augen halten, was hochtrabende und hohl klingende Absichtserklärungen wie “Financial Fairplay” wert sind. Dazu gehört natürlich auch das aparte Tüpfelchen auf dem i: “Katar Investments” hat auch ein Herz für notleidende Präsidentensöhnchen, denn Platini junior darf sich dort “Europachef” nennen.

“Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.” Sagte einst der Maler Max Liebermann. Dem würde ich mich anschließen, doch ihn überkam der Brechreiz, als er  einen Fackelzug der Nazis durch das Brandenburger Tor beobachtete. Dagegen sind Scheichs, hohle Worte und Miniplatinis doch zu unbedeutend für ähnlich existentielle Brech- und Ekelgefühle. Ist nur Fußball, sind nur dreckige Geschäfte.

Baumhausbeichte - Novelle