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Das war’s im September: Gel(d)ströme und ein Gesundheitstipp

Der Geher André Höhne beklagt im FR-Interview die »Missachtung, die sein Sport erfährt«. Und so sieht in Deutschland Missachtung in dieser Disziplin aus, in der zwar manchmal gelaufen wird, die aber nicht gerade überlaufen ist: Höhne »hat zuletzt den Lebensunterhalt für sich, Frau und Sohn in der Sportfördergruppe der Bundeswehr verdient« (FR) und fürchtet, dass dies nach dem Karriere-Ende nicht mehr der Fall sein wird. So was aber auch!
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In Köln tut sich Skandalöses. Nicht dass einige irrwirre strunzdumme Haudraufidioten den Spieler Pezzoni zum Mobbingopfer ausgeguckt haben, ist der wahre Skandal, sondern dass ehrenwerte Gewaltgegner vom Trainer bis zum Ligachef beteuern, der Gewalt keine Chance geben zu wollen, ihr aber weichen, indem sie auf Wunsch des verängstigten Spielers den Vertrag auflösen. Flucht vor dem Feind ist keine Lösung. Da drängt sich der Gedanke auf: Welche Rolle spielt das klammheimliche Eingeständnis, es sich auch mit solchen »Fans« nicht verderben zu wollen?
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Eine tragische Geschichte in der »Zeit«. Überschrift: »Sie lief um ihr Leben. Eine Somalierin träumte von London 2012.« Samia Yusuf Omar starb auf der Flucht mit einem Boot, kurz vor Lampedusa. Sie wurde 2008 in Peking kurzzeitig weltberühmt, als sie, 16 Jahre alt, im 200-m-Vorlauf knapp 33 Sekunden lief, also in etwa so schnell wie jede/r von uns zwischen 15 und 55. Das Erlebnis hatte sie derart euphorisiert und inspiriert, dass sie unbedingt auch an Olympia in London teilnehmen wollte. Daher die Flucht, nicht aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen. Sie starb also auch wegen der im Grunde unsportlichen Verklärung von »Exoten« bei Olympia. Der eine verdient(e) Geld damit (wie »Eddie the Eagle«), andere gerührt bestaunte und belächelte Kurzzeit-Attraktionen werden schnell vergessen – und Samia Yusuf Omar stirbt. Armes Mädchen.
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Den sportlichen Respekt habe ich ihm nie versagt. Armstrong war einfach besser, leider, als alle Rivalen einschließlich Ullrich. Weil: Er trainierte, dopte und fuhr wie jeder andere auch, nur tat er es konsequenter, zielstrebiger und rücksichtsloser gegen sich und andere als die Konkurrenz. Und skrupelloser. Sobald Jan Ullrich auf das Thema Doping angesprochen wurde, reagierte er als braver Sportler in verdruckster Scheu und begann in sichtbarem Schuldbewusstsein derart zu transpirieren, dass man ihm am liebsten Schweißblätter zwischen die Achseln gelegt hätte. Armstrong dagegen kanzelte Kritiker eiskalt ab und spielte den Helden auch im Kampf gegen das Doping, den er sogar kaltschnäuzig mit sechsstelligen Summen unterstützte (dass er sich dabei freikaufte und/oder Premium-Informationen über den Stand der Kontroll-Dinge erhielt, durfte und darf man nicht behaupten).
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Geld schießt Tore, das ist im Fußball ein Axiom, also ein unmittelbar einleuchtender Grundsatz, der fußballtheoretisch keines objektiven Beweises bedarf. Daher beneidet einer, der viel Geld hat (BVB) einen anderen, der noch mehr hat (Bayern). Wer ein bisschen Geld hat (Eintracht), beneidet den, dem Geldströme von außen zufließen (Bruchhagens Wutrede gegen den HSV). Und wer noch weniger Geld hat als die Eintracht, neidet dieser wie Nürnbergs Hecking den »um sechs oder sieben Millionen Euro höheren Personaletat als wir« (Soeben einen Flüchtigkeitsfehler korrigiert, dem »Gelströme« das »d« beigefügt. Obwohl: In der Bundesliga fließen beide Ströme).
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Frage an Radio VW-Stadt: Schießt Geld Tore? Antwort: Im Prinzip ja, aber Magath kämpft wacker gegen den Trend.
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Fast nobelpreiswürdig, wie viel Geld in Wolfsburg mit derart wenigen Punkten verzinst wird. Dagegen bringen Bundesanleihen Top-Renditen! Apropos Nobelpreis: Den Ig-Nobelpreis (von ignoble = unwürdig) erhält jetzt jener tüchtige Wissenschaftler, der in einer aufwendigen Studie erforscht hat, warum bei Joggerinnen mit Pferdeschwanz dieser horizontal pendelt, obwohl der Kopf sich vertikal bewegt.
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»Dafür, dass Sie schon so lange in Clubs arbeiten, sehen Sie wahnsinnig gesund aus. – »Ich habe meine Grenzen immer gekannt. Ich bin gerne um sieben Uhr morgens zu Hause.« (Club-Besitzer Heinz »Cookie« Gindullis im Zeit-Magazin) (gw)

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