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Das war’s im Juni: Hansis Stahlhelm und andere Scherze

Text-Collage 2012 aus »Sport-Stammtisch«, »Montagsthemen«, »Ohne weitere Worte« sowie aus dem gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«

 

Wussten Sie, dass Shaquille O’Neal nicht nur ein riesengroßer Basketballer war, sondern auch ein Riesenhumorexperte ist? Jedenfalls hat er sich während seiner NBA-Zeit weitergebildet und wurde jetzt sogar promoviert. Titel seiner Doktorarbeit: »Wie Anführer Humor oder Aggression in ihren Führungsstilen nutzen.« Humor und Aggression als gleichwertige Mittel zum Führungszweck? Schräg. Abgekupfert hat »Shaq« sicher nicht – das Thema besitzt gewiss Alleinstellungsmerkmal. Auch die beiden Klitschkos sind promovierte Akademiker. Ihre doktorwürdigen Themen: »Entdeckung und Förderung von Talenten im Sport« (Vitali) und »Sportbegabung und Talentförderung« (Wladimir). Tja. Wer hat da wohl bei wem …?
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Eine erfreuliche Meldung: Beim Derby in Epsom haben alle überlebt, sowohl die Pferde als auch alle ihnen physiognomisch oft sehr nahe stehenden Zuschauerinnen, die nicht unter der Last ihrer zentnerschweren Huträder zusammengebrochen sind (sorry, alter Witz). Und damit zum Bildungsauftrag unserer Kolumne: Warum heißt das Derby Derby? Weil der Earl of Derby und ein gewisser Sir Charles Bunbury im Jahr 1780 um die Namensgebung für ein Pferderennen stritten und einen Münzwurf entscheiden ließen. So gewann Derby das erste Derby und nicht Bunbury das erste Bunbury.
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Hansi Flick brummt der Schädel vom Echo auf seinen verbalen »Stahlhelm«-Ausrutscher, während niemand zur empörten Kenntnis nimmt, dass die Polen per Kampfhubschrauber zu ihrem letzten Testspiel helikopterten oder dass der deutsche Entwicklungsminister ins Ausland nur mit seiner alten Fallschirmjägermütze einmarschiert (obwohl seine Kopfform als Designmuster für Standardstahlhelme dienen könnte).
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Die alte Tante ZDF: Wenn sie ihr Studio schon nicht in einem EM-Land einrichtet, warum dann nicht gleich in Bad Salzschlirf?
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»Ronaldo wird geliebt von Mädchen wie Paris Hilton und von Schwulen, sie wählen ihn gerne zum ›Sexiest man alive‹. Messi wird nie ein Tattoo haben, und wenn er seinen rotsamtenen Anzug von Dolce & Gabana trägt, sieht er aus, als hätte ihm seine Mutter den falschen Konfirmationsanzug gekauft.« (Spiegel)
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Die ziemlich bösartige Kritik des an sich doch so lieben Scholli verwundert nicht mehr so sehr, wenn man an Scholls Wort vom »Flipper« denkt, als den er seinen damaligen Mitspieler Klinsmann verhöhnt hatte, da von ihm jeder Ball unkontrolliert abpralle. Aus Scholls Häme gegen »leichtathletische« Spielertypen wie Klinsmann oder Gomez spricht die Arroganz des feinen Fußes – und vielleicht der Minderwertigkeitskomplex gegenüber deren Erfolgsbilanzen.
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Hansilein Flicks Stahlhelm. Man stelle sich bloß vor, ein deutscher Nationalspieler würde vor der heutigen Partie tönen: »Ich bin kein Fußballer, ich bin Soldat.« Und was lese ich im FAZ-Kulturteil vom Montag? »Ich bin kein Künstler, ich bin Soldat.« Sagt der Filmemacher Werner Herzog, unter andächtiger Bewunderung der Cineasten und anderer empfindsamer Gemüter.
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Wetten, dass »Sammer« bei Löw wieder mitspielt? Allerdings zum Glück erst nach dem Abpfiff, wenn Löw interviewt wird. Achten Sie mal darauf, wie oft sich ein sinnfreies »Sammer ma« in Löws ansonsten wohlformulierte Sätze einschleicht. Wenn seine Elf so viele Tore schießt, gewinnt sie haushoch.
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Wie Löw in der 22. Minute dem ukrainischen Jungen den Ball wegschubst! Ein Scherz während des Spiels! Tags darauf überschlagen sich die Kommentatoren über so viel Witz, Coolness und Relaxtheit. Typisch für den Bundestrainer, rühmen sie unisono. Mal davon abgesehen, dass ich es überhaupt nicht witzig, cool und relaxed fände, sondern verstörend seltsam, wenn Löw während der Partie solchen Schabernack mit dem verdutzten Balljungen triebe – aber er tat es gar nicht in der 22. Minute, sondern eine knappe halbe Stunde vor dem Spiel beim Aufwärmen. Es war also nur eine angenehm alberne Aktion mit spitzbübischem Humor, nicht weiter erwähnens- oder gar sendenswert. Doch die Szene wurde eingeblendet, als ob sie live sei, und ging so auch um die Welt, mit hunderttausenden Klicks bei youtube und etwa ebenso vielen Zeilen in der deutschen Presse. Nahrung für meine  Medienskepsis. Wie viel Fake steckt in dem, was wir täglich sehen, hören und lesen? Hat Deutschland überhaupt gegen Holland gewonnen? Trifft Mario Gomez wirklich, wie er will? Existiert Angela Merkel?
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Täuscht der Eindruck, dass unter all den Autos, die mit beidseitig aufgepflanzten Deutschlandfähnchen unterwegs sind, die Hausfrauenpanzer überproportional vertreten sind, in denen Mutti morgens die Kinder zur Kita fährt? (gw)

Baumhausbeichte - Novelle