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Das war’s im April/Mai: Ariane und andere Undinge(r)

Text-Collage 2012 aus »Sport-Stammtisch«, »Montagsthemen«, »Ohne weitere Worte« sowie aus dem gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«

Den »Königlichen« fällt jetzt ein Zacken aus der Krone, denn sie bauen in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein milliardenteures »Real Madrid Resort Island«, und um muslimische Gefühle nicht zu verletzen, entfernen sie dort in vorauseilender Unterwerfung das christliche Kreuz aus ihrem Wappen. Geld stinkt nicht? Geld betet nicht.
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Mail von Atef aus Kairo, der »Stadt der 1000 Minarette«. Harmlosester Satz: »Hier im Mittel-Osten ist ja der Teufel los. Die Geheimdienste der ganzen Welt sind versammelt.« Danach Freude und Erleichterung, dass es im Westen auch noch vernünftige, kluge Menschen gibt, die Bescheid wissen (er meint Grass!) – und die Befürchtung, dass bei Olympia in London der Big Ben angegriffen und das wieder den Arabern in die Schuhe geschoben wird. »Wieder«. Wie vor elf Jahren. Was soll man dazu sagen oder antworten? Atef ist ein kluger, westlich gebildeter Mann, der Medizin studiert hat, mehrmals deutscher Hochschulmeister im Speerwerfen war, hier sein Vermögen mit einer Szene-Bar gemacht hat und mit einer Deutschen verheiratet ist. Was er schreibt, beweist wieder: Im Nahen Osten ist keine auch nur annähernd friedliche Einigung in Sicht.
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Nerlinger: »Ich muss dem Trainer ein Riesen-Kompliment machen.« Warum muss er? Er kann, darf, sollte es einfach machen, das Kompliment, aber müssen muss er nicht.
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Wer war der beste Spieler, den Sie trainiert haben?‹ – »Zidane. Bei seiner Klasse hätte er zwar mehr Tore schießen müssen, doch mit den Füßen strich er Butter aufs Brot.« (Carlo Ancelotti, Trainer von Paris Saint-Germain, im Kicker-Interview)
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Wie hält Uli Hoeneß das bloß aus? Seine Bayern sind Barcabezwingerbesieger, und dennoch schwärmen alle nur vom BVB. Und das Schlimmste für den personifizierten FC Bayern: Sie schwärmen zu Recht. Was der neue und alte Meister in dieser Saison geboten hat, gehört zu den beeindruckendsten Leistungen der jüngeren deutschen Fußballgeschichte. Aber bei aller Begeisterung: Ihnen gehört auch einer der blamabelsten Rekorde überhaupt. In der Champions-League-Vorrunde als Gruppenletzter auszuscheiden, das wird so schnell kein deutscher Meister mehr schaffen. Dortmund hoffentlich schon gar nicht. Nächste Saison gilt’s!
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Ariane Friedrich hat den Typen öffentlich und namentlich bloßgestellt, der ihr mit einschlägigen Angeboten seine bloßgestellte primäre Männlichkeit zugemailt hatte. Dessen Scham wird jetzt so groß wie sein Unding klein. Diese Latte hat die Hochspringerin grandios übersprungen. Lassen wir Hannes Wader das Thema ausklampfen, der schon tief im vergangenen Jahrhundert von dem Exhibitionisten sang, der im Bett liegt und sich schämt – denn nachdem er sich einigen Kindern »in schamverletzender Weise« genähert hatte, liefen die Knilche johlend auf ihn zu und »riefen, er solle sich mit seinem blaugeäderten Unding wegscheren«. Auch eine Methode, diesen ekligen Typen das, äh, Handwerk zu legen.
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Dallas ist draußen, trotz 34 Nowitzki-Punkten. War zu befürchten, schon zu Beginn der verspäteten Saison. Nowitzki sollte es abhaken. Er hat das Größte erreicht, was er erreichen konnte, nach mehr als zehn Jahren Anlauf. Er wird es nie wieder erreichen, aber der größte deutsche Basketballer bleiben und auch einer der größten deutschen Sportler aller Zeiten.
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Heribert Bruchhagen, jahrelang von uns und mir als Fels in der Frankfurter Brandung gepriesen, macht es einem nicht leicht. Erst die Skibbe/Amanatidis/Daum-Schoten, und jetzt sein ganz besonderes Verständnis von Journalismus. Dass mein »Mädchenfußballer« Caio die Eintracht erst jetzt verlässt, und zwar als sportlich und finanziell gewaltiges Verlustgeschäft, und nicht schon ein paar Monate früher für ein paar Millionen zu Dynamo Moskau, dafür macht Bruchhagen »die negative Berichterstattung in den Medien verantwortlich«. Wie bitte? Ich zum Beispiel hätte mir also den »Mädchenfußballer« verkneifen, die körperlichen und taktischen und mentalen Defizite verschweigen beziehungsweise schönschreiben sollen? Als windiger Gebrauchtfußballer-PR-Lügner in Diensten und zu Diensten der Frankfurter Eintracht?
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Früher hatte der »Spiegel« noch echte Skandale aufgedeckt, aber jetzt: Sexuell spätunreife Aldi-Mitarbeiter sollen Kundinnen, die sich über die Tiefkühlregale lehnten, mit der Überwachungskamera in den Ausschnitt gelinst haben – ist es zu glauben!? Dass in Zeiten jedermann und jedem Kind frei zugänglicher Ekelpornos im Internet ein erwachsener Mensch seinen heimlichen Gefallen daran findet, ins Dekolleté ausgerechnet von Aldi …? Nein, kein Wort mehr dazu, sonst steigt mir die liebste Zielgruppe aufs Dach. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle