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Dr. Hans-Ulrich Hauschild und die Sonntagmorgen-Herausforderung

Was ich zu sagen habe muss ich heute kurz sagen; was eine Wohltat, wird man ausrufen. Vielleicht gewinnt das Ganze ja auch durch Kürze?
Eine einzige Herausforderung heute Morgen: Ihre äußerst zustimmungsfähige Stellungnahme zum Verhältnis von Antikapitalismus und Psychiatrie, ja, so will ich es zusammenfassen, geschützt von der Meinungsfreiheit und der tendenziellen Anonymität des Blogs und die nicht ganz unberechtigte Einrede von Frau Dr. Börgens. Und dann gibt es da noch einen Zusammenhang. Historisch so wie so (Antikapitalismus der faschistischen Bewegung, ich rede nicht von NSDAP), aber auch zeitgenössisch und philosophisch. Welcher ist das? Die Orientierung des Kapitalismus nach 1990 auf seine Wurzelen: die totale Dominanz der Gewinngier des homo oeconomicus bei A. Smith, der aber dem Menschen noch eine wenig natürlichen Altruismus zugebilligt hatte, hat sich aber als Irrtum herausgestellt, fordert den Widerspruch geradezu heraus, auch und vor allem von Nichtlinken, deren Tradition im Kultur- und Zivilisationspessimismus in der Nachfolge von Martin Heidegger zu suchen und zu finden ist. So weit die Pessimismen dabei Halt machen, können sie sich mit Teilen der linken Gesellschaftstheorie treffen; und das macht – persönlich gesagt – möglicherweise die Übereinstimmung von linken und kulturpessimistischen Kritikern der Neuzeit aus. Ich finde mich hier wieder, mit Ihnen gemeinsam? Soweit Frau Dr. Börgens die kleinbürgerlich – zerstörerische Kraft dieser Kulturerscheinung meint, ist ihr recht zu geben, ganz abgesehen von den aktuellen Geschehnissen, über die es unter gutwilligen Menschen keinen Dissens geben kann. Soweit sie generell die von gw. vertretene pragmatische Position meint, wenn er sie denn hat, auch. Sobald sie aber die kulturpolitische Bedeutung einer konservativen Kritik am Zeitgeist nicht sieht oder in bürgerlich-moderne Kategorien einordnet, ist dies diskussionsbedürftig. Das aber konnte ich ihrer Stellungnahme nicht ansehen.
Jetzt habe mich hinreichend eindeutig in ein Problem hineinformuliert. Lasse es aber stehen. Kapitalismuskritik und Psychiatrie endlich? Nun ja, der Wurm könnte auch in kapitalismuskritische Hirne als zerstörerische Katastrophe eindringen. Und dann wäre, wie im umgekehrten Fall, etwas fällig, was in totalitären Systemen, und der Kapitalismus ist ein solches, wenn auch nicht- oder scheinbar nicht – im politisch-staatlichen Sinne, sondern im gesellschaftlichen, immer fällig ist: Einweisung. Mundtot machen.
Doch nicht so ganz kurz? Nun ja, kürzer geht es leider nicht. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle