Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sonntag, 9. Dezember, 6.25 Uhr

Draußen wettermäßig noch alles ruhig. Es soll doch Schnee-, Schneeregen- und Glatteischaos geben, hieß es gestern. Lässt aber den kalt (ja, kalt ist es auch noch), der auf dem Berg sitzt und nicht runter muss. Dafür muss er, nach dem alten Doping-Hut von gestern im Sport-Stammtisch, gleich in den Montagsthemen seinen zweitältesten in den Ring werfen: Video-Hilfe. Tut mir leid, geht nicht anders nach dem “Stark”en Stück von gestern. Wobei dem Schiedsrichter kein Vorwurf zu machen ist. Als dem armen Mann sein Desaster bewusst wurde, geriet er derart durcheinander, dass er nur noch wirr pfiff, aber das waren nur noch nebensächliche Begleiterscheinungen.

Vor dem Start in die Montagsthemen der übliche Blick in die Mailbox (nichts, niente, nada, nicht mal Spam, schläft der Netzbriefträger noch?) und in die Agenturmeldungen der Nacht: Nur eine Minderheit der Deutschen verschickt
Weihnachtsgrüße mit der Post. – Bei der Castingshow «The Voice of Germany» stehen die vier Teilnehmer der Endrunde fest. – Junge Bäckerin verhilft Königsberger Marzipan zur Renaissance. Alles nichts (Themen-Anregendes) für mich, vor allem Marzipan nicht. Mag ich nicht.

Schrecklich: der Flugzeug-Zusammenstoß über unserer Wetterau. Und hier: (dpa) – Der australische Radiosender 2Day FM steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Erst 2009 hatte der Fall einer 14-Jährigen für Proteste gesorgt: Moderatoren hatten sie während einer Sendung an einen Lügendetektor angeschlossen und so dazu gebracht, öffentlich über ihr Sexualleben zu sprechen. Unter anderem berichtete das Mädchen, es sei im Alter von 12 Jahren vergewaltigt worden. Die australische Medienaufsicht drohte mit dem Entzug der Lizenz. Nach Hörerprotesten wurde die Show vorübergehend aus dem Programm genommen. – Jetzt sind die Humorbolzen am Boden zerstört, Australiens Regierung bedauert eine “schreckliche Tragödie”, auch die Royals sind entsetzt, England und Australien trauert, die ganze Welt ist schockiert – und hätte sich weiter königlich amüsiert, wenn die unglückliche Frau sich den “Scherz” nicht so zu Herzen genommen hätte (die Krankenschwester hatte einen Anruf zur schwangeren Mrs. Kate von den Royals  durchgestellt, in dem sich die Radio-Witzbolde als Queen und Prinz Charles vorgestellt hatten). Diese Art Scherzanrufe von Radiomoderatoren sind ja keine Ausnahme, sondern eine modische Pest, auch ohne tragischen Ausgang. Vielleicht endet dieser Scheiß jetzt ja endlich. Mir rollen sich schon die Zehennägel auf, wenn ein kleiner Soundso im HR anrufend nervt.

Für die Kolumne zur Auswahl: Nachtrag zum gedopten Klitschko-Gegner / Fan-Aktionen und ein Kind(96)-Zitat dazu, vielleicht noch Cicero draufgesetzt, plus Tucholsky / eine hübsche Große-Füße-Studie.

Soeben kommt die allerliebste Zielgruppe schlaftrunken herein. “Es schneit ja schon.” Also doch. Ich bleibe im warmen Arbeitszimmerchen, die Arme muss mit dem Hund raus. Bis dann.

 

Baumhausbeichte - Novelle