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Achim Meisinger mit einem frühen Fundstück

Als langjähriger Beobachter der Radsportszene und selbst ehemaliger Radsportler beim Rc o3 Ilbenstadt habe ich in meiner Zeitungssammlung jetzt beim Aufräumen eine Seite aus meiner Kindheit gefunden . Ich selbst bin Jahrgang 1956 und habe Ende der 60 iger Jahren natürlich auch Rudi Altig verehrt und deshalb habe ich diese Seite vom 2. August 1967 über unseren Profiweltmeister mit der Überschrift « Rudi Altig im Hauptfeld« wohl auch aufbewahrt.
Unten drunter heißt es aber dann auch « Troche ab sofort gesperrt« ….und im Text ist weiter zu lesen, dass der BDR seinen Verbandsarzt Dr. Klümper beauftragt hatte, eine zweite Urinprobe in der Bundesrepublik vorzunehmen. Der Hamelner Andres Troche war damals schon Amateur-Nationalfahrer und später 1973 Sieger der Bayernrundfahrt und 1976 Teilnehmer der Friedensfahrt.
Die Glaubwürdigkeit Troches stand damals auf tönernen Füßen, denn er gab an, aus einer Flasche des Spaniers Linares getrunken zu haben, der später auch des Dopings überführt wurde. Die Urinanalysen der beiden hingegen erbrachten völlig verschiedene Ergebnisse. Im Hamburger Abendblatt war an diesem Tag als Untertitel zu lesen: « Dopingfälle im internationalen Radsport häufen sich«.
Interessant ist sicherlich, dass also schon vor 45 Jahren in der Wetterauer Zeitung über Dopingverdächtigungen berichtet wurde und das 3 Wochen nach dem Tod des Engländers Tom Simpson am 13.Juli 1967 in der Felswüste am Mont Ventoux. Allerdings maß man damals diesem Vergehen eine wesentlich geringere Bedeutung zu und stellte die Radsportler somit auch nicht so öffentlich an den Pranger wie heute. In dieser Zeit betreute Klümper bereits eine große Zahl westdeutscher Leistungssportler, wobei er damals die Auffassung vertrat, der Einsatz anabole Steroide  sei unter rein leistungssteigernden Gesichtspunkten zu rechtfertigen. Die ersten Doping-Kontrollen wurden im Radsport schon 1960 vorgenommen und Klümper stand nach eigenen Aussagen ( Interviewaufzeichnung des SDR 3 v. 2. 6. 97 )mit Simpson vor seinem Tod im Schriftverkehr und wusste über dessen Einnahme von Amphetaminen und Methamphetamine und forderte ihn angesichts der sehr hohen Mengen allerdings auf, diese zu reduzieren.
Dieser kleine Exkurs verdeutlicht, wie engmaschig und verstrickt und widersprüchlich im Grunde der Radsport schon immer war und die aktuellen Ereignisse um Armstrong uns überhaupt nicht schockieren können ; also alles schon mal da gewesen……..und dennoch überwiegt trotz allem die Faszination dieses großartigen Sportes und ich war mit meine beiden Söhnen in der vergangenen Jahren regelmäßig in Frankreich vor Ort, um die Leistungen unseres »Ulles« erleben zu dürfen. (Achim Meisinger/Friedberg-Ockstadt)

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