Archiv für Dezember 2012

Sonntag, 30. Dezember, 6:30 Uhr

Draußen dunkel und warm, drinnen auch. Nur der Bildschirm leuchtet. Keine nächtlichen Katastrophen, jedenfalls keine nachrichtlich gemeldeten. Private nächtliche Katastrophen schaffen selten den Sprung in die Nachrichten. Dafür können dpa und Co. die aktuellen Jubiläen abarbeiten: Celentano 75, Godot 60, Dosenpfand 10 Jahre.

Doch, zwei Katastrophen werden von dpa nachgearbeitet: Die Leiche der ermordeten jungen Inderin wurde nun verbrannt, der UN-Generalsekretär mahnt, Gewalt gegen Frauen dürfe nicht hingenommen werden. Und was ist mit Gewalt gegen Kinder? Männer? Menschen?

In New York ist eine Frau festgenommen worden, die einen Mann vor eine U-Bahn gestoßen hat, weil sie glaubte, er sei Hindu oder Moslem. Die hasst sie seit den Zwillingstürmen (was haben Hindus damit zu tun?). Noch gruseliger: Im Dezember wurde in New York schon einmal ein Mann auf die U-Bahn-Gleise gestoßen, auch er starb. Obwohl die U-Bahn erst mehr als eine Minute später kam. Niemand hatte ihm von den Gleisen geholfen.

Wenn ich weiter in derartigen Nachrichten wühle, kriege ich noch Depressionen. Die sind zusammen mit Burn-out, Angstzuständen und ähnlichen psychischen Erkrankungen der häufigste Grund für Frühverrentungen. Ich dagegen bin spätverrentet: 65 plus ein Monat, da erster Jahrgang mit Einstieg in die „Rente mit 67“. Jüngere werden noch älter verrentet, Jahrgang 48 muss schon zwei Monate drauflegen. Letzte Worte dazu (sonst klingt’s langsam nach Kokettiererei): Bei mir ist’s der ganz normale und reguläre Vorgang: Wenn Angestellte das Rentenalter erreichen, sind sie Rentner und keine Angestellten mehr. Also auch keine Chefredakteure, Amtsräte, Richter, Sachbearbeiter usw. Natürlich können diese Rentner auch freiwillig weiter arbeiten, wie und was auch immer. Dann sind sie Freiberufler, quasi Ein-Mann-Unternehmen. Wenn sie großes Glück haben, können sie das, was sie am besten können und am liebsten wollen, weiter machen wie bisher und das, was weniger Freude macht, einfach lassen.  Ich kann das und ich mach das, und dass ich es beim alten Arbeitgeber mache (und nicht bei dessen Konkurrenten oder wo ganz anders oder was ganz anderes), sollte Beweis genug sein, dass beide Seiten miteinander sehr zufrieden sind.

Das beantwortet auch eine in der „Mailbox“ (Link rechts) aufgeworfene Frage. Dort werden gleich nach diesem Blog-Eintrag vier letzte 2012-Mails zu lesen sein, von langjährigen und sehr geschätzten Kolumnen-Begleitern. Eine der Mails ist sogar die Lösungs-Mail zur Dezember-Runde von „Wer bin ich?“, für die erst morgen Einsendeschluss ist. Dass sie gefahrlos frühveröffentlicht werden kann, hat seinen Grund.

Ach ja: Adriano Celentano wird 75. „Und die Zeit und die Zeit und die Zeit …“ sang einmal ein „Monsieur 100000 Volt“ (Gilbert Becaud). Celentano, der verrückte Kerl, hat noch ein paar hunderttausend Volt mehr. Una festa sui prati!

Warten auf Godot wird 60. Das meisteste Stück auf deutschen Bühnen. Das Stück, in dem auch Harald Schmidt schon mitspielte, jener geniale Zyniker, der leider auch glaubt, seine Leidenschaft für die Schauspielerei sei schon Schauspielkunst. Zu besichtigen auch im ZDF-Traumschiff. Seitdem ist für mich Berti Vogts (einst Kaninchen-Mann im Tatort) nur der zweitschlechteste Schauspieler der Welt.

Das Dosenpfand wird 10. Dosenpfand? Noch nie damit zu tun gehabt. Auch, weil ich keine Six-Packs (mehr) habe. Eher Sitz-Packs. Und die kommen nicht von flüssigen Six-Packs. Viel mehr von Spritzgebäck und so. Außerdem stehe ich auf dem (Wein-) Schlauch.

„Montagsthemen“-Themen? Noch keine Ahnung. Vielleicht räubere ich ein bisschen im eigenen Sonntagmorgen-Blog. Rein soll aber auch, traditionell in der Silvester-Kolumne, ein Rätsel. Alter Dosen-Wein (gibt’s ja auch) in neuen Schläuchen. Da lachen nicht die Hühner, da meckern höchstens die Ziegen, denen ich ihr Rätsel-Problem für eine Fußballversion klaue. Bis dann.

Nachtrag 7:30 Uhr:

Oh, schon eine Stunde vertrödelt. Aber das muss noch rein, hübschester dpa-Verschreiber in den Nachtmeldungen:

(dpa) – SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück führt die
Popularität von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf zurück,
dass sie eine durchsetzungsstarke Frau ist und bescheiden wirkt.
«Angela Merkel ist beliebt, weil sie einen Frauenbonus hat», sagte
Steinbrück der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Weibliche
Wähler würden ihre Durchsetzungskraft in hohem Maße anerkennen. Die
Kanzlerin habe sich «in einer Männerwelt durchgesetzt, wirkt sehr
unprätentiös und tritt bescheiden auf.» Auch bei SPD-Wählern komme
das gut an. «Das heißt aber nicht, dass ich als der Gottseibeiuns
wahrgenommen werde», fügte Steinbrück hinzu.

Sein Verhalten will der Kanzlerkandidat nicht an den Vorteilen
seiner Gegnerin im Bundestagswahlkampf ausrichten. Er werde nicht
versuchen, sich grundsätzlich zu ändern oder in einem Kurs zu lernen,
Beliebtheitspunkte zu sammeln. «Das würde ohnehin als Schauspielerei
entlarvt», sagte Steinbrück. Wahlen würden nicht nach Beleibtheit
entscheiden. 2005 sei er als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens
beliebter gewesen als sein damaliger Kontrahent Jürgen Rüttgers von
der CDU und habe trotzdem die Landtagswahl verloren.

Wenn Beleibtheit entscheiden würde, wäre aber manches besser, glaubte jedenfalls Cäsar, dem Shakespeare andichtete (ich übersetze es mal „by heart“ und aus dem Kopf und ohne Wikipedia): „Lasst dicke Männer um mich sein und solche, die die ganze Nacht schlafen. Aber (der dünne) Cassius  hat einen schiefen und hungrigen Blick. Er denkt zuviel, und das ist gefährlich.“

 

 

Veröffentlicht von gw am 30. Dezember 2012 .
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Freitag, 28. Dezember, 16.35 Uhr

An der Kolumne für morgen sehr und viel zu lange rumgedoktort. Auch den Gießener Insolvenzantrag mit reingearbeitet, obwohl das unsere Wetterauer Leser weniger interessiert und ich schon lange nicht mehr gut genug infomiert bin (und sein will), um mir ein Urteil erlauben zu können. Ist daher nur eine Randnotiz bzw. die zeitlose Anmerkung zu Namens-Amerikanismen und Basketball-Wanderarbeitern, deren Namen ich mir nicht merke(n will). Natürlich mit einem Schuss präpubertärer Altersalbernheit. Am längsten gebosselt habe ich allerdings am Schluss. Da windet sich der Rentner, weil er etwas über sich klarstellen muss. Immer eine schwierige Kiste. Aber lesen Sie selbst. Der „Sport-Stammtisch“ für morgen steht ab jetzt schon unter den Links rechts in den „gw-Beiträgen Anstoß.

Veröffentlicht von gw am 28. Dezember 2012 .
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Mittwoch, 26. Dezember, 7.15 Uhr

Einer? Alle! Der alte Witz, er funktioniert. Meldung der Nacht: Bei Straubing verlässt ein Autofahrer panikartig die Autobahn, als er im Radio hört, auf seiner Strecke sei ein Falschfahrer unterwegs. Einer? Alle fahren sie falsch, erleichtert atmet er auf, als er die Autobahn unfallfrei verlassen hat. Auch nicht schlecht: In Amsterdam brettert ein betrunkener Brite mit dem Auto über das Flugfeld von Schiphol. Er hat nur einen Notfallknopf drücken müssen, schon war er auf den Start- und Landebahnen. Wir lachen. Aber was hätte alles passieren können. Mit Sprengstoff im Kofferraum gegen ein Großraumflugzeug … Und der Falschfahrer: Wird zum Glück nur zum Gespött, und all die anderen können ab sofort Weihnachten doppelt feiern, 2013 mit ihrem zweiten ersten Geburtstag.

Für uns andere immer wieder erstaunlich, wie wenig in diesen Tagen geschieht, politisch wie sportlich und auch auf allen anderen sonstigen Schlagzeilenfeldern. Das Fest der Christen sorgt anscheinend auch in unchristlichen Weltgegenden für stille Tage und Nächte, obwohl es mehr unchristliche als christliche Weltgegenden gibt. Oder liegt es daran, dass sich Ereignisse nur ereignen, wenn sie als ereigniswert verbreitet werden? Und die Verbreiter an Weihnachten pausieren? Selbst in den Blogs herrscht himmlische Ruhe. Bis auf einen. Alles schläft, Owie … aber dieser Witz ist ja noch älter als der mit dem einzigen Richtigfahrer. – Dankeschön für sehr freundliche Weihnachtsgrüße von Blog- und Kolumnenlesern. Weiter geht’s. Mit „Das war’s im Oktober“. Wie’s der Zufall will: Besinnliches ist auch dabei. „Il grande, die Brause-PR und ein fatales 4:4“ – und die Bild-Schlagzeile nach dem Jüngsten Tag.  Gleich in den Links rechts. Bis dann.

 

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Sonntag, 23. Dezember, 7.10 Uhr

Nein, nicht verschlafen. Wird ein gemütlicher Sonnarbeitstag, da keine „Montagsthemen“ auf dem Plan stehen. Dafür die nächste „Das war’s“-Folge, die vorgeschrieben und fast fertig ist. Wird bis einschließlich Freitag durchgezogen, bevor erst für nächsten Samstag wieder eine aktuelle Kolumne geschrieben wird. Zeit also, nach dem morgendlichen Info-Einsaugen (der Lese-Stapel ist allerdings sehr hoch) wieder mal an das Langzeit-Projekt zu gehen („So wahr das“).

In diesen Tagen könnten die Rückblick-Folgen über die saisonale Themen-Flaute hinweghelfen, müssen sie aber gar nicht: Hecking nach Wolfsburg, obwohl ich denen Schuster gegönnt hätte (für ein paar Wochen, dann wäre er weg gewesen). Der Lockruf des Geldes. Erst Allofs, dann Hecking. Ist der Ruf erst mal … Oder der Euro-Ausschluss von Malaga: „Financial Fairplay“ (= Ausgaben nicht höher als Einnahmen) – über diese gut gemeint wirken sollende Sache habe ich, glaube ich, schon im Blatt meine Skepsis angemeldet. Jetzt Malaga. Die Kleinen henkt man. Die Großen: Paris, wo Ibrahimovic absahnt, wird von Scheichs aus Katar multimillionengemästet. Ihnen gehört der Klub, sie stecken ihr Geld (im Prinzip: mein, unser Geld) rein und schmeißen es wieder raus (für Ibra und Co, demnächst angeblich für Mourinho), also halten sich „Einnahmen“ und Ausgaben die Waage. Immerhin kann man „Katar Investments“ (= Klubbesitzer-Firma) zubilligen, dass sie uns alle wieder einmal vor Augen halten, was hochtrabende und hohl klingende Absichtserklärungen wie „Financial Fairplay“ wert sind. Dazu gehört natürlich auch das aparte Tüpfelchen auf dem i: „Katar Investments“ hat auch ein Herz für notleidende Präsidentensöhnchen, denn Platini junior darf sich dort „Europachef“ nennen.

„Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“ Sagte einst der Maler Max Liebermann. Dem würde ich mich anschließen, doch ihn überkam der Brechreiz, als er  einen Fackelzug der Nazis durch das Brandenburger Tor beobachtete. Dagegen sind Scheichs, hohle Worte und Miniplatinis doch zu unbedeutend für ähnlich existentielle Brech- und Ekelgefühle. Ist nur Fußball, sind nur dreckige Geschäfte.

Veröffentlicht von gw am 23. Dezember 2012 .
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Freitag, 21. Dezember, 8 Uhr

Draußen alles weiß, hier oben auf dem Berg. Dabei muss ich doch gleich auf die Sauerlandlinie. Daher auch in einer Frühschicht den Sport-Stammtisch für morgen geschrieben, im Schnelldurchgang. Steht schon online, wieder mit dem Hintergedanken, dass freundliche und kundige Leser auf Fehler aufmerksam machen, die ich heute abend noch für die Druckausgabe korrigieren kann. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 21. Dezember 2012 .
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