Archiv für November 2012

Freitag, 23. November, 16.40 Uhr

Morgen zwei quantitätsgroße Kolumnen im Blatt: Die „Nach-Lese“ fürs Feuilleton und der „Sport-Stammtisch“. Beide geschrieben, letztere gerade abgeschlossen. Noch nicht online, kommt aber gleich, nach diesem Blog-Eintrag. Herbert Fischer-Solms, Abi-Klassenkamerad, als verantwortlicher Sportredakteur beim Deutschlandfunk ebenfalls schon im Ruhestand, hat mich auf ein FAZ-Interview mit Helmut Digel aufmerksam gemacht:

http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/helmut-digel-im-gespraech-alle-wussten-vom-betrug-im-westen-11966659.html

Meine Rück-Mail: Sehr gutes Interview. Kompliment an Herrn Hecker. Auch Digel sehr gut. Von ihm hatte ich bisher keine gute Meinung (warum, kann ich Dir mal beim nächsten Klassentreffen erzählen; jedenfalls war er auf Karrieretour in der IAAF sehr geschmeidig). Von Fakten und Aussagen her fast alles auch meine Haltung. Außer: Kotau vor Schäuble + Doping bei uns „von unten nach oben“.  Schäuble sollte sich mal wirklich öffentlich bekennen, so wie das von den Doping-„Sündern“ auch verlangt wird. Und wie kann man von „Doping von unten nach oben“ sprechen, wenn „oben“ zum Beispiel für Kugelstoßerinnen 1976 eine intern erhöhte Olympia-Norm von 20,60 m verlangt wird (zweimal bei zwei von drei festgesetzten internationalen Terminen zu erzielen, was eine Über-21-m-Kapazität voraussetzt), und wenn das Erreichen dieser Norm über Förderung oder Rauswurf aus der Förderung entscheidet, also auch über die materielle Basis, sich Leistungssport leisten zu können?

Herbert Fischer-Solms hatte sich jedoch über das Interview geärgert, u.a. Digels „Windfahnen“-Haltung moniert. Zu Recht, natürlich, denn meine positive Wertung erklärt sich aus früheren Erfahrungen mit Digel, und dagegen war das im Interview Gesagte ein Fortschritt. Daher meine zweite Rück-Mail:

Soo schlecht finde ich das Interview nicht, im Vergleich zu dem, was ich mit Digel erlebt habe. Ich weiß nicht, ob Du mein „Sport-Leben“ mal gelesen hast (auf meiner Internetseite). In Auszügen ist es bei uns 1999 als Serie erschienen. Anschließend habe ich im Blatt eine Erklärung geschrieben. Hier ein Auszug (aus Ralf habe ich später „Jan“ gemacht):
 

Die Arbeit an dem Manuskript begann mit dem ausdrücklichen Einverständnis von »Ralf«. Der »Ich«- und der »Ralf«-Kugelstoßer waren sich einig, dass schonungslose Ehrlichkeit, auch sich selbst gegenüber, oberstes Gebot sein müsse. Der erste Teil des Manuskripts, der in diesem Sinne die Eigenverantwortlichkeit des Sportlers betonte, lag schon früh einem deutschen Sportführer vor, der sich überschwänglich gab und ankündigte, das fertige Manuskript in seiner eigenen Reihe persönlich herauszugeben. Er bat sogar, es vorab verwenden zu dürfen, weil ein deutscher Rhetoriker an einer großen Jubiläumsrede arbeite und den Text sicher gerne benutzen würde. Der Autor lehnte ab. Kurz zuvor war »Ralf« gestorben, so dass an eine Fortsetzung des Manuskriptes vorerst nicht zu denken war. Aber der Verlag, mit dem der Sportführer zusammenarbeitete, drängte mehrfach auf Fertigstellung des Textes. Das tat der Autor dann auch, nach einigen Monaten Bedenkzeit.

 

In diesem zweiten Teil richtete sich die schonungslose Ehrlichkeit nicht mehr ausschließlich nach innen, also gegen die beiden Kugelstoßer, sondern auch nach außen, wobei die Verantwortlichkeit von Politik, Verbänden, Funktionären und Medien betont wurde. Das kann karriereambitionierten Sportführern nicht in die Lebensplanung passen. Sportler, die sich anklagen? Prima. Aber Sportler, die uns anklagen? Aus Begeisterung wurde Schweigen.
Hintergrund: Den ersten Teil des MS hatte ich dem M&M-Verlag angeboten. Ich erhielt begeisterte Reaktionen, man wollte den Text unbedingt veröffentlichen. Eines Oster-Tages rief Digel, damals DLV-Präsident, an und quatschte mir den Kopf voll. Wie toll das MS sei, wie verdienstvoll von mir usw. usw. Ich solle es unbedingt fertigstellen, und Walter Jens wolle in seiner Jubiläumsrede (100 Jahre DLV) darauf eingehen und daraus zitieren. Nach einer Denkpause stellte ich das MS fertig, jetzt kam nach der Eigen- auch die Verantwortlichkeit von Politik und Verbänden (und, ja, auch  Journalisten) dran. Ich schickte das MS ab, erhielt monatelang keine Antwort, fragte dann nach und bekam ein Formblatt geschickt: „Passt inhaltlich nicht in das Verlagsprogramm“ blablabla. Und das, nach dem ich mehrmals aufgefordert worden war, das tolle Manuskript abzuschließen. Ich fragte auch bei Digel in Darmstadt nach, hatte ihn endlich nach mehrmaligem Hinhalten an der Strippe, er tat so, als wüsste er von nichts, wolle sich mal drum kümmern, es klang aber nicht sehr engagiert, zumal nicht,  nachdem er mir langatmig Honig ums Maul geschmiert hatte. Und der Clou: Digel war Herausgeber der Reihe des M&M-Verlages, in dem mein Text erscheinen sollte, er muss ihn also selbst abgelehnt haben. Logik: Wenn Sportler sich bezichtigen, prima, das wird veröffentlicht – wenn Funktionäre und Politik angeklagt werden, wird es unterdrückt.
Digel hätte also schon 1999 dafür sorgen können, in Kenntnis meines Textes, dass bekannt wird, dass, wie und in welchem Ausmaß Doping in der Bundesrepublik gefördert und gefordert wurde.

Das alles wollte ich im Blatt nicht mehr aufdröseln, wäre auch viel zu lange geworden, schätzungsweise 30000 Mailseiten (kleiner Scherz, löst sich am Ende des Sport-Stammtischs auf). Aber das noch: Schäubles damalige Aussagen nehme ich ihm nicht übel, im Gegenteil, sie waren verantwortungsethisch geprägt (sinngemäß: Wenn man im Weltverggleich mithalten will und alle dopen, müssen wir das auch tun, aber unter verantwortlicher und gesundheitsbewusster Anleitung von medizinischer Seite). Aber bevor Sportler Ihre Schuld bekennen (habe ich bekannt, war keine große Überwindung, denn ich war zu wenig erfolgreich, außerdem hat es mir journalistisch nur geholfen), sollte einer wie Schäuble öffentlich reumütig bekennen und diesbezügliche Forderungen nicht abbügeln oder abbügeln zu lassen, mit dem Tenor wie „endlich mal ruhen lassen“, „waren andere Zeiten“, „er war doch noch ein junger Mann, dem man Irrtümer zugestehen  sollte“. Jan Ullrich war ein ähnlich junger Mann wie Schäuble damals, und für ihn haben die Bekenntnis-Forderer kein Verständnis wie für den „jungen“ Schäuble.

So, Schluss damit, jetzt noch „Nach-Lese“ und „Sport-Stammtisch“ online stellen, dann ist Feierabend – und Montagsthemen-Pause, denn die schreibt aktuell zu Vettel/Schumi unser Motor-Fachmann htr (Blog am Sonntag aber wie gewohnt).

 

Veröffentlicht von gw am 23. November 2012 .
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Sonntag, 18. November, 10.55 Uhr

Huch, das ging ja schnell. „Montagsthemen“ stehen schon online (alle Links rechts). Wie immer auch als Vorsichtsmaßnahme, damit aufmerksame Leser mich auf eventuelle Fehler aufmerksam machen, die ich noch für die Zeitungsausgabe korrigieren kann. Wäre diesmal besonders angebracht, weil ich mich über den FAZ-Klops mit dem Konsolen-Fallrückzieher lustig mache.

Auch die Mails von Andreas Hamel und Andreas Kautz stehen online (siehe „Mailbox“). Einige Themen zur Seite gelegt, damit die „Montagsthemen“ rund und kurz bleiben: Zwanzigers Hybris in Verbindung mit Claudia Roth (plus FAS-Cartoon) / ein weiterer statistischer Fetisch: die Kilometer-Laufleistung der Fußball-Profis, Vergleich mit Volksläufern (muss mir deren Zeiten aber erst mal ansehen) / Verschiebung der Einführung der Torlinientechnik (mit Besserwisserei: Siehste, ich hab’s ja gewusst, und der einzig vernünftige Vorschlag, natürlich von mir, die Video-HILFE, hat sowieso keine Chance). – Aber was steht auf diesem Zettel?: „Wörter und ihre Definitionen: Doping, konservativ, Xenophobie. Was wollte sich der Notierende damit sagen? Ich habe eine vage Ahnung, mehr nicht. Vielleicht kommt’s noch bzw. wieder. Bis dann.

Jetzt eine kleine Fahrradrunde (angemerkt als Antwort auf die Nachfragen, ob ich das Radfahren aufgegeben hätte, weil ich nichts mehr darüber schreibe. Oooch, wenn ich alles aufgeben würde, worüber ich nicht schreibe, wäre das Leben fast so trist und grau wie das Wetter draußen, in das ich mich jetzt … nein, nicht stürze. Das habe ich hoffentlich für immer aufgegeben).

Veröffentlicht von gw am 18. November 2012 .
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Sonntag, 18. November, 6.20 Uhr

Wetter? Straßenzustand? Eis auf der Scheibe? Fuchs am Straßenrand? Skulpturen-Blitze? Frühe Rollatoren auf seniler Bettflucht? Feten-Heimkehrer in der Stadt? HR-„Inspirationen? Die alten Bekannten des frühen Sonntagmorgen-Blogs müssen alleine mit der restnächtlichen Welt zurechtkommen. Beinahe hätte ich sie jedoch wieder treffen können, denn gestern brach der Tunnel in die Redaktion zusammen, blieb den ganzen Tag verschütt‘. Jetzt klappt’s wieder, ich kann zu Hause bleiben und die anderen Rituale abfragen.

Meldungen der Nacht: Nichts, wirklich gar nichts auch nur ansatzweise Anmerkenswertes. Top-Meldung: Loriot-Tochter verklagt Verlag wegen der Biografie ihres Vaters, in der viele unautorisierte Zitate stehen. Zur Sache selbst fehlt mir das Wissen, nur beim Verlag, da machte es „Klick“: Der Riva-Verlag hat gerade erst das Buch von Florian Homm rausgebracht, des Neckermann-Großneffen, Ex-Basketballers und Ex-Hedgefondmanagers, der vor kurzem auch „Sport-Stammtisch“-Thema war. Auch das Bettina-Wulff-Buch und Assauers Alzheimer-Story erschienen bei Riva, neben anderen Titeln wie „Und täglich grüßt der Schweinehund: Das Superweib-Fitnessprogramm“ von Hera Lind (ach, die gibt’s auch noch?!).

Mailbox-Abfrage: Kein Spam heute. Wie das? Im Tunnel verschüttet? Eine Ergänzung von Andreas Hamel zum „Ballbesitz“ kommt in die Blog-„Mailbox“. Ansonsten klingelten  in den vergangenen Tagen vor allem zwei Themen in der Box: Das 1,20-Bier beim „Wanni“, über das die Stadtkneipenbesucher staunen, und Ibrahimovic‘ Fallrückzieher, über den alle staunen. Marc Schäfer („mac“), mein junger Ex-Kollege, hat mir einen Link geschickt, ein frühes Tor von Ibrahimovic. Das muss in die „Montagsthemen“, fast eine Kopie vom Okocha-Tor gegen Kahn. Dazu natürlich der FAZ-Patzer mit der Spiel-Konsole. Herrlich! Fast so schön wie damals Raddatz‘ Goethe am Frankfurter Hauptbahnhof. Ach ja, das wärme ich in dem Zusammenhang auch noch auf. Muss dazu in die Tiefen des gw-Archivs steigen, nachher.

Schon geschrieben ist die „Nach-Lese“ für das nächste Samstags-Feuilleton. Thema: Das „So wahr das“-Projekt, mit hübschen Fragmenten. Drei Wochen später darf ich wieder ersatzweise ran (mein „Baby“ ist ja schon lange  in guten Händen von „mm“). Entweder mit einem zweiten „So wahr das“-Teil (falls es entsprechende Resonanz geben sollte), oder eine Krimi-Kolumne über die neuen Bücher von Elizabeth George (nach der Hälfte gelangweilt und genervt aufgegeben) und Reginald Hill (zwar ohne Dalziel, aber dennoch großartig und superspannend). Beide höchst unterschiedliche Krimis spielen seltsamerweise in Cumbria. Hill ist vor ein paar Monaten gestorben, verabschiedet hat er sich mit einem Paukenschlag, eben dem „Woodcutter“. Als vor ein paar Jahren Magdalen Nabb starb, meine persönliche Krimi-Königin (die mit den Florenz-Krimis um Guarnaccia; den Namen hab ich jetzt aus dem Stegreif geschrieben; ob richtig, überprüfe ich später), plötzlich an einer Hirnblutung, war ich geschockt und habe aus komischen Pietätsgründen ihr letztes, posthum veröffentlichtes Buch bis zum heutigen Tag nicht lesen wollen. Vorsatz: Jetzt tu ich’s aber.

Gestern abend den Istanbul-Krimi im Ersten gesehen. Nicht wegen des Krimis, der ist, nun ja, lassen wir das, heute früh nichts Böses. Vor drei Wochen dort gewesen, mit der kulturtouristisch für mich hyperaktiven Familie ergeben mitgedappelt, von Sonnenauf- bis nach -untergang. Der Rücken! Die Füße! Reines Überlebenstraining. Und wie’s im Leben so „geht“: Jetzt, erholt und gemütlich vor dem Fernseher, sehe ich die Blaue Moschee wieder, den Bosporus, das Goldene Horn, den Galata-Turm (auf dem wir waren, nach stundenlangem Anstehen), die Galata-Brücke mit ihrem unfassbaren Trubel usw. usw., und was fühle ich im nachhinein, mit Kissen im Rücken und hochgelegten Füßen: Sooo schön war’s! Und das war’s, genug warmgeschrieben. Bis später, in den „Montagsthemen“.

Veröffentlicht von gw am 18. November 2012 .
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Freitag, 16. November, 16.30 Uhr

Es geht schon auf fünf zu, und ich bin jetzt erst mit dem „Sport-Stammtisch“ fertig geworden. Schwere Geburt, weil am Schluss ein schwieriges Thema (Depressionen und Schwulen-Outing im Fußball). Momentan liest „sk“ Korrektur. Der Arme, als mein langjähriger Vertrauensmann muss er auch beim Ruheständler ran, statt mir zu bedeuten: Ich habe als Mitglied der Chefredaktion und Redaktionsleiter der Wetterauer Zeitung Wichtigeres zu tun, als die Ergüsse eines frei mitarbeitenden Rentners zu lesen. – Während ich das schreibe, merke ich, dass ich soeben ein Beispiel für jene kokette Abart der Selbstironie liefere, die ich an Zwanziger zu bemerken glaubte. – Es klingelt. Moment. „sk“ hat kleine Fehler verbessert, ansonsten alles akzeptiert. Danke. Feierabend.

Nachtrag 17 Uhr: Letztes Wort geändert. Den Verschreiber „Fußball-Gott“ in die Zimmermann-Verballhornung „Radfahr-Gott.“ Zum Glück noch gemerkt. So was kann selbst der beste Korrektur-Leser nicht wissen.

Veröffentlicht von gw am 16. November 2012 .
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Dienstag, 13. November, 12.15 Uhr

Die Wer-bin-ich?-Runde vom Oktober ist ausgewertet, der Text geschrieben, wird aber erst später online gestellt, da er wahrscheinlich erst am Freitag in der Zeitung erscheinen wird. Aber hier schon mal die Ehrenliste der Fünfzehn, die drei Punkte eingefahren haben:

Doris Heyer, Andreas Hofmann, Ralf Kranich (Großen-Buseck), Sven Liebig (Bad Vilbel), Dr. Paul Limberg (Linden), Walther Roeber (Bad Nauheim), Jens Roggenbuck (Staufenberg), Karola Schleiter (Florstadt), Rüdiger Schlick, Paul-Gerhard Schmidt (Nieder-Ohmen), Jochen Schneider (Butzbach), Prof. Peter Schubert (Friedberg), Manfred Stein, Peter Storm (Wißmar), Stefan Werner.

Ortsangaben veröffentliche ich nur, wenn sie in der Mail vermerkt sind. Bei den anderen, deren Wohnort ich meist ebenfalls kenne (aus früheren Veröffentlichungen o.ä.), nehme ich datenschutzsensibel an, dass sie auf Angabe des Wohnorts verzichten wollen. Falls nicht: Immer dazu schreiben! Wer mir noch schnell mailt, wird am Freitag im Blatt noch verwohnortet.

Veröffentlicht von gw am 13. November 2012 .
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