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Es lag am Dünger

Liebes Eintracht-Tagebuch, natürlich könnte man jetzt vor allem Thomas Tuchels Taktik und das clevere Spielverhalten seiner Spieler für deren Sieg verantwortlich machen. Oder, dass die Eintracht diesmal nicht so ins Spiel fand wie fast immer vorher, oder dass wir ein Problem auf der Mittelstürmer-Position haben. Auch, dass mit Bamba Anderson ein wichtiger Mann gefehlt hat, oder, oder, oder …

Das alles aber sind nicht wirklich die Gründe für die Niederlage gegen Mainz gewesen. Ich weiß, dass es an etwas ganz anderem lag.
Als ich am Samstagmittag vor dem Spiel auf Schalke noch mal mit meinem Hund spazieren gegangen bin (was bei Entgegenkommenden für viel Aufsehen erregte, weil ich meine Dogge vor Kurzem schwarzrot eingefärbt habe), kam ich an einer kleinen Hütte mitten im Wald vorbei, die ich eigentlich immer verwaist und verriegelt wahrgenommen hatte. Diesmal aber standen gleich drei Autos davor, und mehrere junge Männer waren emsig dabei, einen Fernseher sowie Bierkästen und Kartons mit Knabberkram reinzutragen.

Auf meinen fragenden Blick hin kam einer der Jungs auf mich zu und sagte: »Des is weschen dem Spiel heute! Mer habbe durch Zufall am erste Spieltach auch hier geguckt, und da habbe se geschen Leverkusen gewonne! Und immer wenn wir danach hier ein Spiel geschaut habbe, habbe se zumindest net verlorn! Aber wenn net, weil mer kei Zeit hatte, habbe se aaner druffbekomme!«

Das war für mich selbstverständlich nachvollziehbar, denn meine Kumpels und ich sind früher immer in der exakt gleichen Konstellation durch den Wald zum Stadion gelaufen, haben immer die gleichen Würste vor dem Spiel gegessen und danach immer an denselben Baum gepinkelt. Was definitiv spielentscheidend war und der Eintracht damals eine irre Serie an Heimsiegen beschert hat. Und der Punktgewinn bei den Schalkern bestätigte denn auch nur wieder mal, wie ungemein wichtig diese Rituale sind!

Als ich deswegen am Dienstagnachmittag erneut zur Hütte laufen wollte, um den Jungs und mir für das Derby viel Glück zu wünschen, war plötzlich der Zufahrtsweg gesperrt. Und gerade, als ich die Sperrung wenigstens zu Fuß umkurven wollte, kam mir ein aufgeregter Bauer entgegen und erklärte mir, dass das auf keinen Fall ginge. In der Nähe hätte es einen Unfall mit seinem Düngemitteltransporter gegeben, und die Dämpfe wären nicht nur extrem unangenehm, sondern in dieser Konzentration auch gesundheitsgefährdend. Vor morgen dürfe man hier nicht lang!

Da, liebes Eintracht-Tagebuch, wusste ich, dass es schwer werden würde gegen Mainz … was ja dann auch so kam. Stellen wir also tröstenderweise fest: es lag nicht an der Eintracht, es lag auch nicht am Gegner. Lediglich ein verunglückter Düngemittelwagen hat uns … und das passt ja … in die Scheiße geritten!
Bleibt nur anzumerken, dass ich dem Bauern sicherheitshalber 20 Euro in die Hand gedrückt habe, damit er am Freitag vor dem Spiel gegen Düsseldorf irgendwo rumfährt … nur nicht auf diesem Weg! Und weil er mir das versprochen hat, können wir also ganz entspannt bleiben und davon ausgehen, dass dieses von uns so geschätzte Team problemlos wieder da anknüpft, wo es vor der Heimniederlage aufgehört hat! In diesem Sinne. Hendrik Nachtsheim

Baumhausbeichte - Novelle