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Dr. Hans-Ulrich Hauschild über “Heimat” (und mehr)

Natürlich würde es – Steines könnte
eh’ nicht anders, und ein dokumentierender Roman ist von sich aus kühl –
ein distanzierender und distanzierter Heimatroman. Nur: ein Heimatroman des
Autors von „Seemannsköpper“ und  „Baumhausbeichte“ wäre eine
förmliche Rücknahme des bisher Geschriebenen; es passt nicht zu Ihnen, von „Tümlern“
umjubelt zu werden. Heimat ist eine sehr zwiespältige Sache: der Altruismus der
Heimatler ist gleichzeitig ihr Egoismus. Heimat kann wegen der Enge, der Undifferenziertheit
des Denkens und Seins, der Vorurteile gegen das ganz Andere, gefährlich sein;
Heimat kann, wenn es Heimat für alle ist, also Zuwendung zu allen, die dort
leben, ein Segen sein, wenn, ja wenn die alternative Lebensform akzeptiert
wird. Wird sie das in „Heimat“?  So es ein Heimatroman würde nach
dem Vorbild Wilhelm Raabes, wäre es gut; Raabes Heimat ist voller kritischer Außenseiter;
die Heimat Raabes gibt diesen Akteuren die Kraft, „Welt“ zu
betrachten, sie zu kritisieren, aber die Heimat als gefährliche Enge
wahrzunehmen. Die Figuren der Heimatromane sind, wie angedeutet, entweder
Kauze, die als  kritische Außenseiter dargestellt sind, oder gefährliche Meinungsführer
gegen das Andere.

Zeitungssterben wegen Online –
Ausgaben? Nein, auch da kann ich Ihnen nicht beipflichten. Das Desinteresse für
die res publica ist eine – allerdings höchst problematische –
Zeitgeist – Erscheinung. Warum, um Himmels willen, sollte der postmoderne
Mensch der Events und der Beliebigkeit sich plötzlich für irgendetwas anderes
als für sich selbst interessieren? Wer von Party zu Party, von Stadtfest zu
Stadtfest und von Kreuzfahrt zu Kreuzfahrt stolpert liest keine Zeitung. Wenn
er dann noch wenigstens in die Onlineausgabe hineinschaut ist das schon viel. Im
übrigen darf man einmal die Frage aufwerfen, ob die hiesigen Zeitungen, die ja
eine unglaublich wichtige Funktion als kritischer Begleiter eben dieser res
publica ausüben, wirklich jene Neutralität aufweisen, die für dieses „Wächteramt“
erforderlich ist. Zum weiteren Selbstschutz zähle ich keine Beispiele auf.

Wenn Ihre Zeilen im blog eine
Ankündigung für eine – mindestens – Änderung in der Zielsetzung
sein sollten, ist dies sehr bedauerlich. Denn obwohl Ihrem blog „Sport,
Gott und die Welt“ in letzter Zeit sowohl „Welt“ also auch „Gott“
fehlen – kommt schon noch. Oder? – bleibt er eben für res publica
unverzichtbar. (
Dr. Hans-Ulrich Hauschild)

Baumhausbeichte - Novelle