Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montag, 26. November, 16.05 Uhr

So, Tunnel steht wieder, auch der Blog und das Anstoß-Archiv sowie die Mailbox können wieder bedient werden. War eine lange, komplizierte Fehlersuche aus der Ferne, selbst der Teamviever funktionierte nicht, auch unsere externen Fachleute waren ratlos. Dann der Verzweiflungsseufzer: “Vielleicht nehmen Sie mal kurz den Rooter vom Netz.” Schalter aus. Moment gewartet. Schalter ein. Und alles flutscht wieder. Tja.

Da kann ich ja morgen wieder eine kleine Kolumne schreiben. Betonung auf “kleine”, denn die Bundesliga spielt und beansprucht ihren Platz. Was mache ich? Die neue “Wer bin ich?”-Folge schreiben? Oder noch eine Woche warten und dem Seitenthema gemäß kleine Fußball-Stücke zusammenstellen? Zur Auswahl bis jetzt: sehr gelungenes Streich-Interview im Spiegel / Martin Suter und der fehlende Konjunktiv in der Fußballersprache / Hitzfeld, die Körpersprache, der Stinkefinger und der UEFA-Spot (a la Michael Jackson) / Klopp und die Aggression: schlechtes Vorbild oder Beispiel für gelungene Triebabfuhr ohne Gewalt? / die Liebe zum eigenen Spieler und der Unterschied zwischen Klopp und Magath / die nicht kommende Torlinientechnik und meine Video … HILFE, ned schon widder! / die Kilometerleistung der Profis und die Zeiten der Volksläufer … das würde aber keine kleine, sondern eine gewaltig große Kolumne. Kann ich den Jungs in der Sportredaktion nicht zumuten. Also lieber “Wer bin ich?”? Nee, ich puzzle mir wohl doch was Fußballerisches zusammen. “Wer bin ich?” dann nächste Woche.

Dankeschön für telefonische und mailige Ermunterung, das in der “Nach-Lese” vom Samstag vorgestellte Projekt eines mittelhessischen Doku-Collagen-Romans fortzusetzen. Ich bin mir aber immer noch nicht sicher, wegen der vielen Archivarbeit und wegen Unsicherheit bezüglich der Akzeptanz (vielleicht sind die Ermunterer nur eine kleine Minderheit). Im Blatt ist es einfach: Im Lauf der Jahrzehnte habe ich schon öfters mal eine neue Kolumne oder innerhalb der Kolumne eine neue Serie (wie “Dr. Sport”) angefangen und – als ich keine nennenswerte Resonanz bekam, nicht einmal negative, was besonders traurig ist – die Sache schnell und kommentarlos beerdigt. Aber bei “So wahr das” müsste ich praktisch vorab eine komplette Serie schreiben, um danach erst zu erfahren, wie’s ankommt. Übernächste Woche darf ich wieder eine “Nach-Lese” schreiben, wahrscheinlich werde ich eine zweite “So wahr das”-Fragmentenfolge zusammenstellen, diesmal Authentisches und Fiktives (aber sich an den Fakten und Nachrichten der Zeit Orientierendes)  gemischt, dann weiß der Leser, was auf ihn zukäme.

Im Dezember soll auch noch eine “Sport, Gott & die Welt”-Auswahl ins Blatt, denn ich vermute, dass die wenigsten Blattleser reinklicken und die allerwenigsten Online-Leser das Blatt lesen. Obwohl doch meine Idealvorstellung war, dass sich beide ergänzen. Aber mit dieser Fehlhoffnung stehe ich nicht alleine, es ist womöglich das unfreiwillige Sargnageln unserer ganzen Zeitungsbranche, die ihr Geld aus vergangenen guten Zeiten online verpulvert, nun in diesen schlechten Zeiten nichts mehr zuzusetzen hat und sich zudem fatalerweise blattbrotjournalistisch schwächt, um im Netz bella figura zu machen. Wie die FR, die dort glänzte, im Blatt aber brutta figura macht.

Noch eine Fatalität: Weil Schreiber und Redakteure, die ihre Artikel fürs Blatt ins Online-Angebot ihrer Zeitung stellen, aus sportlichem Ehrgeiz dort im Klickzahlen-Ranking vorne stehen wollen, schreiben und formulieren sie auch entsprechend, also für das schnelle Publikum, das seine Sensationen und Sensatiönchen im Netz abklappert und abklickert. Das beginnt schon bei der Themenvergabe im Ressort: Wer ein anspruchsvolles Thema beackern soll, das wichtig ist, Zeit benötigt und nicht in einfachen, kurzen Sätzen zu greifen ist, murrt, weil er weiß: Gegen den schweren Unfall/Mord/lokale kurze Fernsehberühmtheit oder sonstige Boulevardmagazinlaberei habe ich im Klick-Ranking keine Chance. Aber ganz abgesehen vom journalistischen Selbstverständnis: Ein Klick ist keine fünf Pfennig wert. Ach was: Fünf Klicks, fünfzig, fünfhundert sind auch geldlich keinen Cent wert. Aber ich glaube, das hatte ich schon mal. Ja, jetzt fällt mir’s sein: Über das Sägen am eigenen Ast habe ich mal eine ganze Nach-Lese-Kolumne geschrieben.  Irgendwo zu finden, wenn Sie rechts Links anschauen und “gw-Beiträge Kultur” durchforsten. Klick???

Baumhausbeichte - Novelle