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Sonntag, 25. November, 6.55 Uhr

Tunnel bricht immer wieder zusammen, keine Verbindung zum Blog, also schnell in die Redaktion gefahren. Obwohl ich heute keine Montagsthemen schreibe, fühle ich die dringende Verpflichtung, den Sonntagmorgentext zu schreiben. Zwanghaft? Mich zwingt niemand, “Sport, Gott & die Welt” ist reines Hobby, nur eine Art Schmierblog für die Zeitungskolumnen, es gibt keinen Pfennig dafür … oh, Schmierblock, Schmierblog, Schmier-Blog – das muss ich mir merken. Es soll ja viele Blogs geben, die echte Schmierblogs sind, was ich aber nicht beurteilen kann, da ich nur drei lese: Matthias Altenburgs “Geisterbahn”, Wolfgang Herrndorfs “Arbeit und Struktur” und Christians Lugerths “Archibald schaut Welt”, und das sind alles keine echten Blogs, wie ja auch “Sport, Gott & die Welt” kein solcher ist. Leider komme ich selten in Kid Klappergass’ neuen Blog rein, irgendwelche Probleme, die mein technisches Fassungsvermögen überschreiten, sonst wäre er Blog Nummer vier.

Ach ja, Kid und die Eintracht. Zeitungstechnisch haben wir genügend Schreiber, die sich um den Klub kümmern, da will ich mich zurückhalten (und still genießen), denn sonst würden nicht viele Köche den Brei verderben, sondern jeder Koch seinen eigenen Brei kochen, wie damals bei der FR Stenger und Kilchenstein, die sich in der Berichterstattung abwechselten, wobei dann jeweils völlig unterschiedliche Eintrachts spielten – die eine wurde durch die nüchterne und ein wenig graue Brille beobachtet, die andere durch die fußballsozialromantische.  Noch ein ach ja: A. j., die FR. Jetzt starten sogar Rettungsaktionen a la taz, aber damit kann man nur kleine Boote wie die taz retten und keinen Tanker wie die FR. De mortuis – nee, in dem Fall: de moribundi – nihil nisi bene (wie der sein gr. Latinum vergessen Habende sagt – oder ist’s etwa korrekt?), aber liewe Leut, ihr habt da seit Jahren das bei weitem schlechteste der vier großen Blätter gemacht, und das ist keine weltanschauliche, sondern eine rein journalistenberufliche Meinung. Natürlich ist kein einzelner Journalist schuld, im Gegenteil, es gab und gibt immer wieder echte Perlen zu lesen – aber in der äußeren Gesamtkonzeption wirr und unübersichtlich, in der inneren ohne erkennbar koordinierte Linie und mit offenbar widerstreitenden Interessen, Klüngeln und Besitzstandswahrern: Das musste ja schiefgehen, ging schon lange schief und wurde nur künstlich am Leben gehalten. Wer da noch retten will, ist ein hoffnungsloser Nostalgiker, der eigentlich nicht die FR, sondern seine eigene verklärte revolutionäre Vergangenheit in seine eigene gutsituierte Gegenwart rüberretten will. In der schwierigen, ja dramatischen Zeit für den Journalismus könnte die FR aber noch segensreich wirken: Als Menetekel, als ständige Warnung, wie man es nicht machen darf, wenn man die Zeitung und den eigenen Beruf bewahren will.

Hugh, der Rentner hat gesprochen. Hat natürlich gut schreiben, der Kerl, wenn er ohne Existenzprobleme Journalismus als Privatvergnügen betreiben kann. Aber liebe Ex-Kollegen: Ich kenne euer Dilemma, ich fühle mit euch. Kopf hoch! Durchhalten! Und immer an den “Leoparden” von Lampedusa denken: Man muss alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.

Baumhausbeichte - Novelle