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Sport-Stammtisch vom 22. November

Länderspiel, Bundesliga, Champions League – der Ball, er rollt. Für Nikolaus von Kues war der Ball schon im 15. Jahrhundert Symbol der göttlichen und mathematischen Vollkommenheit. Der Ball verkörpert, so der alte Niki, die Ordnung des Raumes, schafft aber durch sein Rollen Unordnung. Im optimalen Fußball-Fall herrscht Ordnung im eigenen und rollende Unordnung im gegnerischen Strafraum.
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Warum aber rollt der Ball überhaupt? Nur weil er rund ist. Das Runde muss ins Eckige. Umgekehrt wär’s viel schwieriger.
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Ball, italienisch la palla, französisch le ballon, englisch the ball; Mehrzahl: balls. Den Unterschied im Englischen machte einst der Werbespot für einen Sport-BH deutlich: »Only the ball should bounce.« Und nicht die »balls«.
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New balls please! Ernsthaft bitte! Also: Wie macht man gleich zwei Schlagzeilen, wenn es keine Meldung dazu gibt? Indem man eine fette Ente in einen dicken Hund verwandelt. Augsburgs Präsident Seinsch habe sich heimlich mit Magath getroffen, meldet die erste Schlagzeile. Seinsch verweigert einen Kommentar (»weil ich zu solchen Unwahrheiten kein Interview geben will«) und erntet prompt die zweite Schlagzeile, die ihm vorwirft, dadurch die Magath-Gerüchte anzuheizen. Seinschs Folgerung: »Erst setzt man eine Lüge in die Welt, und dann verleumdet man den Belogenen. Geht es noch unseriöser?« – Ja. Geht immer.
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So wirft die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung die Frage auf, wie Claudia Roth ihre Urwahl-Niederlage überwinden wollte, und hat sofort die Antwort parat, indem sie ein Selbstgespräch der Grünen belauscht: »Die werden nicht schlecht staunen, wenn ich gleich eröffne, dass ich mit diesem General Petraeus was hatte und darüber für teuer Geld einen Vortrag bei den Stadtwerken Bochum halten werde.« Aber nicht dieses spektakuläre Bekenntnis, sondern Theo Zwanziger hat den »Candystorm« (ein Kotorkan über den, der dieses Wort in die Welt gesetzt hat!) veranlasst. Bei der Präsentation seines Buches sprach er das Machtwort für seine Freundin: »Die Grünen brauchen dich, die Politik braucht dich, der Fußball braucht dich.« – Und nun die Preisfrage: Nur eines der Zitate ist kein Scherz. Welches?
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Muss sich Wolfgang Niersbach, der in Zwanzigers Buch auch eine gewischt bekam, nun warm anziehen? Wird ein »Eichhörnchen auf Ecstasy« (Harald Schmidt) in Personalunion DFB-Präsidentin und Bundesaußenministerin?
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Fragen über Fragen. Noch eine: Auch Frankreichs Extrainer Domenech hat ein Rechtfertigungsbuch geschrieben, in dem er vor allem gegen Ribery böse nachtritt. Zwei andere Nationalspieler kommen ebenfalls schlecht weg. Dazu schreibt »sid« unfreiwillig vielsagend: »Samir Nasri kritisierte Domenech als eigennützig, Karim Benzema als arrogant.« Wer ist eigennützig, wer arrogant? Vermutung: Einer der drei ist beides. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle