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Sonntag, 18. November, 6.20 Uhr

Wetter? Straßenzustand? Eis auf der Scheibe? Fuchs am Straßenrand? Skulpturen-Blitze? Frühe Rollatoren auf seniler Bettflucht? Feten-Heimkehrer in der Stadt? HR-”Inspirationen? Die alten Bekannten des frühen Sonntagmorgen-Blogs müssen alleine mit der restnächtlichen Welt zurechtkommen. Beinahe hätte ich sie jedoch wieder treffen können, denn gestern brach der Tunnel in die Redaktion zusammen, blieb den ganzen Tag verschütt’. Jetzt klappt’s wieder, ich kann zu Hause bleiben und die anderen Rituale abfragen.

Meldungen der Nacht: Nichts, wirklich gar nichts auch nur ansatzweise Anmerkenswertes. Top-Meldung: Loriot-Tochter verklagt Verlag wegen der Biografie ihres Vaters, in der viele unautorisierte Zitate stehen. Zur Sache selbst fehlt mir das Wissen, nur beim Verlag, da machte es “Klick”: Der Riva-Verlag hat gerade erst das Buch von Florian Homm rausgebracht, des Neckermann-Großneffen, Ex-Basketballers und Ex-Hedgefondmanagers, der vor kurzem auch “Sport-Stammtisch”-Thema war. Auch das Bettina-Wulff-Buch und Assauers Alzheimer-Story erschienen bei Riva, neben anderen Titeln wie “Und täglich grüßt der Schweinehund: Das Superweib-Fitnessprogramm” von Hera Lind (ach, die gibt’s auch noch?!).

Mailbox-Abfrage: Kein Spam heute. Wie das? Im Tunnel verschüttet? Eine Ergänzung von Andreas Hamel zum “Ballbesitz” kommt in die Blog-”Mailbox”. Ansonsten klingelten  in den vergangenen Tagen vor allem zwei Themen in der Box: Das 1,20-Bier beim “Wanni”, über das die Stadtkneipenbesucher staunen, und Ibrahimovic’ Fallrückzieher, über den alle staunen. Marc Schäfer (“mac”), mein junger Ex-Kollege, hat mir einen Link geschickt, ein frühes Tor von Ibrahimovic. Das muss in die “Montagsthemen”, fast eine Kopie vom Okocha-Tor gegen Kahn. Dazu natürlich der FAZ-Patzer mit der Spiel-Konsole. Herrlich! Fast so schön wie damals Raddatz’ Goethe am Frankfurter Hauptbahnhof. Ach ja, das wärme ich in dem Zusammenhang auch noch auf. Muss dazu in die Tiefen des gw-Archivs steigen, nachher.

Schon geschrieben ist die “Nach-Lese” für das nächste Samstags-Feuilleton. Thema: Das “So wahr das”-Projekt, mit hübschen Fragmenten. Drei Wochen später darf ich wieder ersatzweise ran (mein “Baby” ist ja schon lange  in guten Händen von “mm”). Entweder mit einem zweiten “So wahr das”-Teil (falls es entsprechende Resonanz geben sollte), oder eine Krimi-Kolumne über die neuen Bücher von Elizabeth George (nach der Hälfte gelangweilt und genervt aufgegeben) und Reginald Hill (zwar ohne Dalziel, aber dennoch großartig und superspannend). Beide höchst unterschiedliche Krimis spielen seltsamerweise in Cumbria. Hill ist vor ein paar Monaten gestorben, verabschiedet hat er sich mit einem Paukenschlag, eben dem “Woodcutter”. Als vor ein paar Jahren Magdalen Nabb starb, meine persönliche Krimi-Königin (die mit den Florenz-Krimis um Guarnaccia; den Namen hab ich jetzt aus dem Stegreif geschrieben; ob richtig, überprüfe ich später), plötzlich an einer Hirnblutung, war ich geschockt und habe aus komischen Pietätsgründen ihr letztes, posthum veröffentlichtes Buch bis zum heutigen Tag nicht lesen wollen. Vorsatz: Jetzt tu ich’s aber.

Gestern abend den Istanbul-Krimi im Ersten gesehen. Nicht wegen des Krimis, der ist, nun ja, lassen wir das, heute früh nichts Böses. Vor drei Wochen dort gewesen, mit der kulturtouristisch für mich hyperaktiven Familie ergeben mitgedappelt, von Sonnenauf- bis nach -untergang. Der Rücken! Die Füße! Reines Überlebenstraining. Und wie’s im Leben so “geht”: Jetzt, erholt und gemütlich vor dem Fernseher, sehe ich die Blaue Moschee wieder, den Bosporus, das Goldene Horn, den Galata-Turm (auf dem wir waren, nach stundenlangem Anstehen), die Galata-Brücke mit ihrem unfassbaren Trubel usw. usw., und was fühle ich im nachhinein, mit Kissen im Rücken und hochgelegten Füßen: Sooo schön war’s! Und das war’s, genug warmgeschrieben. Bis später, in den “Montagsthemen”.

Baumhausbeichte - Novelle