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Ohne weitere Worte (vom 12. November)

Zur Überlegenheit seines FC Bayern (…) gegen Lille sagte der Vorstandschef: »Wenn wir heute zehn Stück geschossen hätten, dann wären jetzt die Euphoriekorken nach oben geflogen.« (…) Sollte der Korken im Rummeniggeschen Sinne dennoch »nach oben« fliegen (…), müsste wohl oder übel die »Euphoriebremse« in Kraft treten, die bei Fahrzeugen nicht einmal als Sonderausstattung erhältlich ist, in der Bundesliga aber serienmäßig zur Phrasendrescherei gehört. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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»Natürlich denkst du, wenn du so etwas hörst: Was hab ich denn jetzt angestellt? Das rattert durch den Kopf. Ich bin dann zu Mario Götze (…) und habe das mit ihm besprochen. Und auch Mario meinte: Du hast dir nichts vorzuwerfen. Das geht so nicht, wie der Trainer das gemacht hat.« (Marcel Schmelzer im SZ-Interview über Löws öffentliche Kritik)
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Und wenn der Fabrikant (…) Wladimir Putin trifft, hat er stets ein aktuelles Mannschaftstrikot im Gepäck, beflockt mit dem Namen des russischen Präsidenten. Und ein paar gute Stücke Eisbein. Eigenhändig zubereitet in der kleinen Metzgerei, die sich der gelernte Fleischtechniker zuhause eingerichtet hat, um in Übung zu bleiben. (Südd. Zeitung über Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies)
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Kennen Sie das überhaupt: Nerven vor dem Tor? – »Hält ein Gangster dir eine Pistole vor, wer ist dann nervös? Der Gangster oder du? So ist es auch auf dem Platz. (…) Ich werde also nicht nervös, sondern will nur eines: treffen. (Hannovers Mame Diouf im Sport-Bild-Interview)
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Der Junge, der am Alexanderplatz den 20-jährigen Jonny K. totgeschlagen haben soll, war Boxer. Wieso lehren Sie Schläger das Boxen? – »Der Täter ist nicht durch uns zum Täter geworden. Man kann ja auch nicht sagen, weil er ein guter Fußballer ist, konnte er so gut zutreten.« (der Sportwissenschaftler Christian Görisch vom Projekt »Box-Out« im Spiegel-Interview)
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Wie haben Sie Ihre Homosexualität zwölf Jahre lang verheimlicht? – »(…) Wenn andere Jungs über den Hintern einer Frau sprachen (…) habe ich mitgespielt: ja, ja, toller Po. Aber das war nicht ich, ich habe mich jedes Mal verleugnet. (…) Ich glaube, nach meinem Outing gibt es schon ein paar Mädchen, die traurig sind.« (Orlando Cruz, erster schwuler Boxprofi, der sich geoutet hat, im Spiegel-Interview)
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Im ersten Film sagt »Rocky«: »Wer boxt, muss ein Spinner sein.« – »Jeder Beruf hat unangenehme Seiten. Journalisten lassen sich kaufen, Politiker sind Lügner, Sportler sind dumm, männliche Sänger sind schwul, weibliche Tennisspielerinnen sind lesbisch – also es gibt Klischees in jedem Job. Doch das ist geschenkt.« (Wladimir Klitschko im Welt-Interview)
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»Wir leben in einer Zeit, in der die 18-, 20-, 22-Jährigen gegenüber den 50-, 60-Jährigen den gleichen Vorteil haben wie im Fußball: Sie sind jung und können mit dem Ball umgehen. Sie brauchen uns aber noch, denn ohne Erfahrung gibt es keinen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. (Verleger Hubert Burda im Zeit-Interview)
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Und Sie sind gesund wie eh und je? – »Danke, alles funktioniert noch. (…) Was meine Erbanlagen wert sind, sehe ich, wenn ich mich umschaue. (…) Der größte Teil meines Publikums ist schon gestorben.« (Herman van Veen, 67, im FR-Interview) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle