Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sonntag, 11. November, 6.45 Uhr

Nehmerqualitäten. Über dieses große sportliche Talent muss ich unbedingt ein paar Sätze schreiben, nachher, in den Montagsthemen. Klitschkos Pole, der mit dem Kinn, hatte außer diesem und einem auch ansonsten gewaltigen Körper nichts zu bieten als Nehmerqualitäten. Von wem er das Kinn hat, sah man unten am Ring, wo der Vater saß. Leider soll dort auch das kleine Kind gesessen haben, und dafür verdienen Vater, Opa und Mutter eine weitere Tracht Prügel. Nehmerqualitäten als Boxer sind der schnellste Weg in die Demenz. Ein Blitz-K.o. ist dagegen eine reine Wohltat. Anderswo sichern Nehmerqualitäten aber das Überleben. Bestes Beispiel: Griechenland (ob ich den Kalauer in die Montagsthemen übernehme?)

Haken wir mal die Sonntagmorgen-Routine ab: Wetter (mal rausgucken), aha, so, dass in diesen Tagen die aufgedonnerten Wetterberichte mit einem Wort ersetzt werden könnten: herbstlich. Mail-Post: Dr. Hu Zuliu kann mich gebührend würdigen, denn er “weiß, dass Sie eine hoch angesehene Persönlichkeit sind” und braucht daher meine “Hilfe bei der Durchführung einer Transaktion im Wert von 15,5 Mio USD”.  Dem Mann kann geholfen werden, die Transaktion ist schnell durchgeführt. Klick. So, aber warum 15,5 Millionen USD? Einen davon habe ich gerade erst von meinem Heizöllieferanten geschenkt bekommen, weil ich bei einer Kundenumfrage mitgemacht habe. Hübsches Ding, sieht aus und soll auch aussehen wie ein kleiner Öltank, dieser USD-Stick (sorry, so früh am Morgen und schon der zweite flaue Gag). Check der Nacht-Nachrichten: Huch, keine sid-Meldungen da, nur dpa. Wieder mal ein technisches Problem. Soll der Rentner Alarm schlagen? Nee, die bringen mich um, wenn ich sie jetzt wecke. Bis die ersten Werktätigen in Redaktion und Technik kommen, hat sich vielleicht alles von selbst erledigt. Unter den dpa-Nachtmeldungen außer einem Erdbeben in Birma mit 6,6 auf der nach oben nicht geschlossenen Skala nur die Güteklasse “Judy Garlands OZ-Kleid wird versteigert”. Darunter ein langer Artikel über Tätowierungen in Samoa. Lese ich erst gar nicht, obwohl der Einstieg eine Frage aufwirft. Denn: In Samoa auf dem Rücken tätowiert zu werden, fühlt sich an, als würde dort “eine Zigarette ausgedrückt” – woher weiß der Schreiber, wie sich das anfühlt? Wenn er’s wirklich weiß: armer Kerl.

So, jetzt kommt der Montagsthemen-Zettel dran. Nehmerqualitäten. Was noch? Heynckes. Dass ich dem Altersmilden altersmilde den zornesroten Jungelefantenmarsch durch den Frankfurter Porzellan-, Nippes- und Rotlichtladen verziehen habe? Hab ich ja gar nicht. Regt mich nur nicht mehr auf.

Weiter in der Auswahl: Wie die Kopten ihren Papst wählen, könnte Vorbild für die meisten anderen Wahlen sein / der herrliche “Rauchschwaben”-Druckfehler muss natürlich rein /  kalauerig-statistischer Nachtrag zum Kneipengehen / Nachtrag zu Real Madrids Präsident Perez , der mit dem Verkauf des Vereinsgeländes zum Mondpreis von 480 Millionen (nebst Teil-Zurückschenkung) den Verein schon vor Jahren vor der Pleite bewahrt hat / thematisch anschließend: Dass 2006 in Spanien mehr Wohnungen gebaut wurden (800 000) als in Frankreich, Großbritannien und Deutschland zusammen / Jan Ullrich zum  viertenmal Papa; Sohn heißt Toni; hofft Ulle, dass ihm (dem Sohn) einst ein späterer Herbert Zimmermann den Turek-Spruch widmen wird? Toni, du bist ein Radfahr-G.? / Weiter auf Halde liegen bleiben wird wohl das schöne Beispiel für die Schweigepflicht von Ärzten, vor einiger Zeit diese Aussage eines österreichischen Strafrecht-Professors notiert: “Ein Mann sagt zum Arzt: Mein Arm tut weh, seit ich meinen Chef erwürgt habe. Ein österreichischer Arzt muss das anzeigen,  ein deutscher Arzt muss schweigen.”

Oh, schon halb acht. Auch ich muss schweigen. Genug warmgeschrieben. Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle