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Montagsthemen (vom 12. November)

Dass der Pole den ungleichen Kampf im Wortsinn überstand, also stehend, wirft wieder die Frage auf: Lag’s an den Nehmerqualitäten des einen oder der schwindenden Schlagkraft des anderen?
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Nehmerqualitäten. Schauriges Wort. Wenn sie alleine schon sportliches Talent bedeuten, sind Sandsäcke Weltklasseboxer.
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Klitschkos Pole, der mit dem Kinn, hatte außer diesem und einem auch ansonsten gewaltigen Körper nichts zu bieten als eben jene Nehmerqualitäten. Von wem er das Kinn hat, sah man unten am Ring, wo der Vater saß. Leider soll dort auch das kleine Kind des Boxers gesessen haben, und dafür verdienen Vater, Opa und Mutter eine weitere Tracht Prügel.
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Nehmerqualitäten – der schnellste Weg in die Demenz. Ein Blitz-K.o. ist dagegen eine reine Wohltat. Anderswo allerdings gehören Nehmerqualitäten zu den einträglichsten Eigenschaften. Siehe Griechenland. Oder Wulff (Wulff? Wer? Ehemann einer Bestseller-Autorin).
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Aber da schieft sich das Bild ein, denn Wulff ging gerade wegen seiner Nehmerqualitäten k.o.  (die Griechen hoffentlich nicht, denn dann gingen auch wir k.o.).
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Zum Fußball. Sehr respektabler Frankfurter Auftritt in München. Auch Heynckes pflegt mittlerweile das respektable Auftreten. Eintracht-Fans mit Elefantengedächtnis werfen mir daher vor, dass ich dem altersmilden Heynckes altersmilde den zornesroten Jungelefantenmarsch von 1995 durch den Frankfurter Porzellan-, Nippes- und Rotlichtladen nebst »Legatisierung der Okochas« verziehen habe. Hab ich aber gar nicht. Regt mich nur nicht mehr auf.
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Auch Cristiano Ronaldo regt mich nicht mehr auf. Der »gockelstolze Erpel«, das »alberne Showmännlein« (so meine unliebevoll gepflegten Vorurteile) hat sich den   Spott der halben Fußballwelt zwar redlich verdient, aber auch die sportliche Bewunderung der anderen Hälfte. Nun spotten fast alle über seine Anmaßung, er müsse die Wahl zum Weltfußballer gewinnen und: »Wenn ich könnte, würde ich mich selbst wählen« (gelesen im »Kicker«). Na ja, das hat schon Adenauer gemacht und ist nur dadurch zur Kanzler-Legende aufgestiegen. Wer ihm übergroße Eitelkeit vorwirft, dem hält Ronaldo ein portugiesisches Sprichwort entgegen: »Wer zu bescheiden ist, ist eitel.« Auch dafür wird er von der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« getadelt und verspottet, aber nicht von mir. Denn: Da ist durchaus was dran.
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Und da wäre dann noch der wunderhübsche Satz in einem dpa-Artikel, auf den Beate Miller aus Rockenberg hinweist (Ihre und andere bemerkenswerte Mails sind im Online-Anstoß »Sport, Gott & die Welt« zu finden). Über die Randale Feuerwerkskörper werfender schwäbischer VfB-Fans heißt es: »Rauchschwaben waberten über den Rasen.« Die Leserin fragt: »Genialer Druckfehler oder unbewusste Verknüpfung?« Ich weiß es nicht, beim dpa-Kollegen kam wohl beides zusammen, ich weiß nur: Wenn Rauchschwaben Rauchschwaden über den Rasen wabern lassen, sind sie Rauschschwaben und keinesfalls Rauchschwalben, denn deren Bestand ist arg bedroht, der von Rauschschwaben leider nicht.  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle