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Montagsthemen (vom 5. November)

Schon vor den schönen Bayern-Toren spielte der HSV wie ein Viertligist im Pokalheimspiel gegen einen Bundesliga-Spitzenklub: Hoch motiviert, wild angefeuert, alle und noch ein paar Kräfte mehr mobilisierend – aber von Beginn an fußballerisch hoffnungslos unterlegen.
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Manchmal, aber sehr selten, gelingt ein Zufallstor, und noch seltener gewinnt der Viertligist tatsächlich, wider alle sportliche Vernunft. Aber nicht gegen diesen FC Bayern 12.4 – kein neumodisches Web-Kürzel, sondern der FCB im vierten Quartal des laufenden Jahres.
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Wäre der Fußball kalkulierbar wie, zum Beispiel, die Leichtathletik, müsste resigniert oder freudig, je nachdem, festgestellt werden: Diese Münchner sind einfach zu stark für den Rest der Liga, inklusive Schalke und BVB. Aber der Fußball ist eben nicht mit rationalen Maßstäben zu messen. Kalkulierbar bleibt nur, dass sich die Sache erst 13.2 entscheidet.
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Ein Spieltag verhält sich zur Saison wie das Wetter zum Klima. In den Medien herrscht immer Wetter, nie Klima. Vor diesem Spieltag gab es nur ein Thema: das angebliche Duell zwischen Neuer und Adler. Tagelang hochgepusht, aufgeblasen, und dann: pffffffft.
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Dr. Erika Fuchs, die lautmalerische Mutter aller wichtigen Entenhausener Texte, würde nun vom »Pfffffffft« der rausgelassenen Luft zum »Frickel-Zisch-Krach-Bumm« der Pyrotechnik kommen. Diese ist zwischen Verantwortungs- und Vereinskuttenträgern am umstrittensten, Kompromiss nicht in Sicht. Argumentativ hilft da nur noch morbides Denken in extremis: Nach den ersten hochgradig Verbrannten oder gar Toten erübrigt sich jede Debatte.
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Wer hat eigentlich »Das Duell« gewonnen, Neuer oder Adler? Mal in die »Elf des Tages« gucken. Ach so. Wiese. Fußball ist eben ein Rasen-Spiel.
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Aua! Der tut ja weh! Solch einen schwachen Kalauer hatten wir selten. Und nun zur Statistik. Selbst ein sprachempfindsamer Plattheitenvermeider wie Marcel Reif zählt vermehrt nichtssagende Zusammenzählereien auf. Kreativitäts- und gedankenhemmender Überdruss eines in die langweiligen Jahre der Routine Gekommenen?
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Statistischer Paradigmenwechsel: Dicke leben nicht gefährlicher, sondern länger als Dünne. Erst ein Body-Mass-Index deutlich über 30 sei bedenklich. Und das, nachdem uns jahrelang ein BMI unter 20 als Idealzustand angedroht wurde!
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Da gilt also auch unsere alte Hühnerhof-Regel nicht mehr, die gesundes, sportliches Abnehmen auf die Formel brachte: Mehr Output als Input durch viel . . . also, dass ein guter Hahn selten fett wird, mag ja stimmen, aber alt wird er leider auch nicht. Zur Statistik der Hähnchensterblichkeit frage man aber lieber nicht das Merchandising von Werder Bremen oder gar die PR-Abteilung von Trikotsponsor Wiesenhof.
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Am Genmais liegt’s jedenfalls nicht. Eine bestimmte Sorte soll lebensgefährlich sein, befand kürzlich eine Aufsehen erregende Studie, denn drei von vier mit dem Genmais gefütterten Ratten bekamen Krebs. Verschwiegen wurde in der Studie, dass auch drei von vier Ratten dieser Rasse Krebs bekamen, die nicht mit Genmais gefüttert wurden.
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Zurück zum Sport, und dann ist Schluss: Frustpfiffe empört-enttäuschter Fans in Frankfurt nach dem Unentschieden gegen Fürth – der alte Wahnsinn, er lebt. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle