Archiv für November 2012

Freitag, 30. November, 21.40 Uhr

Halbzeit in Düsseldorf, 0:2 plus rote Karte plus pyromanischer Unsinn der Eintracht-Fans. Dazu und zu einigem mehr steht manches im Sport-Stammtisch (Link rechts), an dem ich viel zu lange gebastelt habe. Ist sehr lang geworden, hätte sehr viel länger werden müssen. Gewalt, Schmerzensgeld-Urteil, DLV kontra Behindertenstartrecht, aktuelle Dopingschlagzeilen, alles nur in jeweils ein, zwei Sätzen abgefertigt. Demnächst vielleicht im Blog ein Mail-Wechsel mit Anti-Doping-Aktivist Jörg Kofink (Trainer und Ehemann der Kugelstoßerin Sigrun Kofink früherer Jahrzehnte), muss ihn erst noch fragen, ob er einverstanden ist. Schließt sich nahtlos an an ähnliche im Blog veröffentlichte Mailwechsel mit Herbert Fischer und Gerhard Treutlein. Auch eine Mail von Atef Ismail aus Ägypten ist gekommen, ich stelle sie gleich kommentarlos in die Mailbox (ebenfallls Link rechts). Blogleser wissen: Ägyptischer Meister in Dreisprung und Speerwerfen, Sohn des berühmtesten Koransängers seines Landes und viele Jahre lang Chef von Edeldiscos im Heidelberger In-Viertel. Ich habe ihm den „Seemannsköpper“ geschickt, über Umwege. Darauf geht er ein, hängt auch seine Einschätzung der Weltlage unter besonderer Berücksichtigung der Palästinenser, Israelis, Amerikaner und Europäer an. Diesen Anhang lasse ich lieber weg, sonst könnte es Ärger geben.

Veröffentlicht von gw am 30. November 2012 .
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Mittwoch, 28. November, 17.35 Uhr

Wieder einmal der Tipp für neu hinzugekommene Leser und/oder Netzstreuner, die Links rechts anzuklicken, zu denen u.a. meine gesammelten Zeitungskolumnen und die „Mailbox“ gehören, in der auf die Kolumnen (und den Blog) reagiert wird. Heute z. B. von Dr. Hans-Ulrich Hauschild zum Collage-Projekt. Und noch ein wichtiger Hinweis: Soeben ist „Lamento und Euphorie“ erschienen, das Buch von Eintracht-Blogger Kid Klappergass alias Rüdiger Schulz (das Pseudonym wird nun im Copyright des Buches offiziell gelüftet). Ein Wälzer, 588 Seiten mit Reflektionen über die Eintracht sowie, ja, auch über „Gott & die Welt“, wie das erste Blättern im Werk verrät (Herstellung und Verlag: Books on Demand, Norderstedt). Kid Klappergass schreibt über ein Jahr im Leben der Eintracht (Mai 2011 – Mai 2012), und wer Stil, Gedankentiefe und Detailkenntnisse des Autors aus seinem Blog kennt, weiß als Eintracht-Fan, dass er einige Stunden spannendster Lektüre vor sich hat.

Veröffentlicht von gw am 28. November 2012 .
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Montag, 26. November, 16.05 Uhr

So, Tunnel steht wieder, auch der Blog und das Anstoß-Archiv sowie die Mailbox können wieder bedient werden. War eine lange, komplizierte Fehlersuche aus der Ferne, selbst der Teamviever funktionierte nicht, auch unsere externen Fachleute waren ratlos. Dann der Verzweiflungsseufzer: „Vielleicht nehmen Sie mal kurz den Rooter vom Netz.“ Schalter aus. Moment gewartet. Schalter ein. Und alles flutscht wieder. Tja.

Da kann ich ja morgen wieder eine kleine Kolumne schreiben. Betonung auf „kleine“, denn die Bundesliga spielt und beansprucht ihren Platz. Was mache ich? Die neue „Wer bin ich?“-Folge schreiben? Oder noch eine Woche warten und dem Seitenthema gemäß kleine Fußball-Stücke zusammenstellen? Zur Auswahl bis jetzt: sehr gelungenes Streich-Interview im Spiegel / Martin Suter und der fehlende Konjunktiv in der Fußballersprache / Hitzfeld, die Körpersprache, der Stinkefinger und der UEFA-Spot (a la Michael Jackson) / Klopp und die Aggression: schlechtes Vorbild oder Beispiel für gelungene Triebabfuhr ohne Gewalt? / die Liebe zum eigenen Spieler und der Unterschied zwischen Klopp und Magath / die nicht kommende Torlinientechnik und meine Video … HILFE, ned schon widder! / die Kilometerleistung der Profis und die Zeiten der Volksläufer … das würde aber keine kleine, sondern eine gewaltig große Kolumne. Kann ich den Jungs in der Sportredaktion nicht zumuten. Also lieber „Wer bin ich?“? Nee, ich puzzle mir wohl doch was Fußballerisches zusammen. „Wer bin ich?“ dann nächste Woche.

Dankeschön für telefonische und mailige Ermunterung, das in der „Nach-Lese“ vom Samstag vorgestellte Projekt eines mittelhessischen Doku-Collagen-Romans fortzusetzen. Ich bin mir aber immer noch nicht sicher, wegen der vielen Archivarbeit und wegen Unsicherheit bezüglich der Akzeptanz (vielleicht sind die Ermunterer nur eine kleine Minderheit). Im Blatt ist es einfach: Im Lauf der Jahrzehnte habe ich schon öfters mal eine neue Kolumne oder innerhalb der Kolumne eine neue Serie (wie „Dr. Sport“) angefangen und – als ich keine nennenswerte Resonanz bekam, nicht einmal negative, was besonders traurig ist – die Sache schnell und kommentarlos beerdigt. Aber bei „So wahr das“ müsste ich praktisch vorab eine komplette Serie schreiben, um danach erst zu erfahren, wie’s ankommt. Übernächste Woche darf ich wieder eine „Nach-Lese“ schreiben, wahrscheinlich werde ich eine zweite „So wahr das“-Fragmentenfolge zusammenstellen, diesmal Authentisches und Fiktives (aber sich an den Fakten und Nachrichten der Zeit Orientierendes)  gemischt, dann weiß der Leser, was auf ihn zukäme.

Im Dezember soll auch noch eine „Sport, Gott & die Welt“-Auswahl ins Blatt, denn ich vermute, dass die wenigsten Blattleser reinklicken und die allerwenigsten Online-Leser das Blatt lesen. Obwohl doch meine Idealvorstellung war, dass sich beide ergänzen. Aber mit dieser Fehlhoffnung stehe ich nicht alleine, es ist womöglich das unfreiwillige Sargnageln unserer ganzen Zeitungsbranche, die ihr Geld aus vergangenen guten Zeiten online verpulvert, nun in diesen schlechten Zeiten nichts mehr zuzusetzen hat und sich zudem fatalerweise blattbrotjournalistisch schwächt, um im Netz bella figura zu machen. Wie die FR, die dort glänzte, im Blatt aber brutta figura macht.

Noch eine Fatalität: Weil Schreiber und Redakteure, die ihre Artikel fürs Blatt ins Online-Angebot ihrer Zeitung stellen, aus sportlichem Ehrgeiz dort im Klickzahlen-Ranking vorne stehen wollen, schreiben und formulieren sie auch entsprechend, also für das schnelle Publikum, das seine Sensationen und Sensatiönchen im Netz abklappert und abklickert. Das beginnt schon bei der Themenvergabe im Ressort: Wer ein anspruchsvolles Thema beackern soll, das wichtig ist, Zeit benötigt und nicht in einfachen, kurzen Sätzen zu greifen ist, murrt, weil er weiß: Gegen den schweren Unfall/Mord/lokale kurze Fernsehberühmtheit oder sonstige Boulevardmagazinlaberei habe ich im Klick-Ranking keine Chance. Aber ganz abgesehen vom journalistischen Selbstverständnis: Ein Klick ist keine fünf Pfennig wert. Ach was: Fünf Klicks, fünfzig, fünfhundert sind auch geldlich keinen Cent wert. Aber ich glaube, das hatte ich schon mal. Ja, jetzt fällt mir’s sein: Über das Sägen am eigenen Ast habe ich mal eine ganze Nach-Lese-Kolumne geschrieben.  Irgendwo zu finden, wenn Sie rechts Links anschauen und „gw-Beiträge Kultur“ durchforsten. Klick???

Veröffentlicht von gw am 26. November 2012 .
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Sonntag, 25. November, 9 Uhr

Alle Vorarbeiten erledigt, Informationen aufgesaugt (Samstags- und Sonntagszeitungen, Nachrichtenagenturen, Internet), Notizen gemacht, weitere Zitate für „Ohne weitere Worte“ gesammelt – jetzt kämen die Montagsthemen dran, aber die schreibt heute ja unser htr, nicht als Montagsthemen im eigentlichen Sinne (also Randerscheinungen des Sportwochenendes glossierend), sondern als DAS Sonntagsthema: Vettel. Ich könnte da sowieso als Laie nur rumstümpern, zumal mich Autos in etwa so sehr interessieren wie Kung-Fu-Filme, Tätowierungen, Elferratssitzungen, Fernsehvolksmusik … hab ich was vergessen? Aber bitte: Das ist kein Hass, sondern pure Interesselosigkeit. Bei der für Autos plagt mich ständig die Befürchtung, mal Zeuge eines wichtigen Tatbestandes zu werden, bei dem ein Auto identifiziert werden und ich es beschreiben muss. Ich könnte nur stammeln: Auto … rot … kein Käfer, kein Mercedes-Stern. Marke? Keine Ahnung. Nicht ganz klein, kein Lkw, kein Bus. Ach so, wichtige Detailbeobachtung: mit Dach, also kein Cabrio. Zumindest war das Dach geschlossen.

Einmal war ich baff: Irgendjemand beschrieb als Zeuge ein Auto, mit Marke natürlich, aber auch mit Baujahr, er hatte es im Vorbeifahren (des Autos) an den Schlussleuchten erkannt, die es so nur in diesem Jahr gegeben habe. Wann war das? Worum ging es?  Ich glaube, um einen Kindesmord und der Täter wurde dadurch gefunden. Unglaublich. Für mich. Und ich hätte nur sagen können: Allgemeine Identifikation: Auto. Spezielle: rot.

Interesse hatte ich nur an drei Fahrern. Jetzt an Vettel, weil er auf mich sympathisch wirkt (plus Freundin, die den ganzen Zores nicht mitmacht), Hesse und Eintracht-Fan ist. Früher am Schummel-Schumi, als Psycho-Studie (Jerez und so). Und ganz früher an Stefan Bellof, weil er aus Gießen kam, ich ein sehr interessantes und angenehmes Gespräch mit ihm (aus der eine Interview-Sonderseite wurde) und er ein Naturell hatte, das mich faszinierte und traurig machte: Offen, lebensfroh, ohne Dünkel, aufgeschlossen, von Natur aus fröhlich und freundlich, aber ohne Schutzmechanismus, wagemutig, tollkühn, gerne Grenzen überschreitend, weil er sein Talent kannte und glaubte, er könne sich das leisten, er habe alles im Griff, alles werde gutgehen, was er total unangeberisch und sehr naiv auch so sagte, zum Beispiel: Er sei nachts auf der Autobahn bei Alsfeld  im Höllentempo in dichten Nebel reingefahren und habe nur durch sein fahrerisches Können einen schweren Unfall vermeiden können, weil er links und rechts über Mittel- und Randstreifen an den Autos vor ihm vorbeigedriftet sei. Dies antwortete er auf  meine Frage, wie er mit dem Risiko des Rennfahrens umgehe, eine Frage, die er nicht verstand, weil er kein Risiko sah, da es kein Risiko sei, wenn man das Risiko fahrerisch im Griff hat. Damals fuhr Bellof noch keine Formel 1, aber ich sagte einem Freund (wissend, dass die Formel -1-Autos damals Unfälle nicht so tolerierten wie heute, zuletzt Rosberg): Das wird böse enden, so übersteht man keine Formel-1-Saison.

In der Saison, es gab noch kein Internet, keine Livesendungen, rief mich Sonntags am Nachmittag nach jedem Rennen Mutter Bellof an und fragte nach dem Abschneiden ihres Stefan. Stets beäugte ich den Nachrichtenticker, fatale Vormeldungen befürchtend. Danach konnte ich beruhigt auf den Anruf warten. Ein Anruf, vor dem ich nach dem letzten Rennen große Angst hatte. Er kam nicht, zum ersten Mal. Danach wurde die erste Sportseite umgebaut, ich schrieb einen Text zum tödlichen Unfall, mit Auszügen aus einem Remarque-Roman und dessen Titel als Überschrift: Der Himmel kennt keine Günstlinge.

In Erinnerung bleibt: ein Rennfahrer, der mit ein bisschen innerem Schutzmechanismus ein ganz Großer geworden wäre und auch einer der Beliebtesten. Weltweit.

In alten Zeiten versunken. Mit Gewalt rausreißen: Alex Meier. Lange nichts über ihn geschrieben. Nun feiern ihn alle, auch die kritischsten Eintracht-Fans. Ich erinnere mich an ganz andere Zeiten, als er bei den Fans fast so unten durch war wie … nein, kein Name, der Junge spielt ja noch … und ich ihm immer die Stange hielt, denn ich behauptete immer, jeder müsse doch sehen, welch ein feiner Fußballer das ist und welch ein angenehmer Typ dazu. Mhhm – gibt es einen Unterschied zwischen Recht haben und rechthaberisch sein? Ich glaube ja: Wenn man Recht hat und darauf rumreitet. Wie ich eben. Sorry. Schlimmer ist nur, nicht Recht zu haben und trotzdem darauf rumzureiten, Recht zu haben. Aber auch da muss ich aufpassen. Im Zweifelsfall stutzen mich die Leser zurecht. Zu Recht zurecht.

So, das war’s für heute, vielleicht auch für morgen, falls der Tunnel verschütt‘ bleibt. Also keine Sorge, wenn der Blog vorübergehend ruht. Mein Motto als sturer Hesse bleibt: als weider!

Veröffentlicht von gw am 25. November 2012 .
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Sonntag, 25. November, 6.55 Uhr

Tunnel bricht immer wieder zusammen, keine Verbindung zum Blog, also schnell in die Redaktion gefahren. Obwohl ich heute keine Montagsthemen schreibe, fühle ich die dringende Verpflichtung, den Sonntagmorgentext zu schreiben. Zwanghaft? Mich zwingt niemand, „Sport, Gott & die Welt“ ist reines Hobby, nur eine Art Schmierblog für die Zeitungskolumnen, es gibt keinen Pfennig dafür … oh, Schmierblock, Schmierblog, Schmier-Blog – das muss ich mir merken. Es soll ja viele Blogs geben, die echte Schmierblogs sind, was ich aber nicht beurteilen kann, da ich nur drei lese: Matthias Altenburgs „Geisterbahn“, Wolfgang Herrndorfs „Arbeit und Struktur“ und Christians Lugerths „Archibald schaut Welt“, und das sind alles keine echten Blogs, wie ja auch „Sport, Gott & die Welt“ kein solcher ist. Leider komme ich selten in Kid Klappergass‘ neuen Blog rein, irgendwelche Probleme, die mein technisches Fassungsvermögen überschreiten, sonst wäre er Blog Nummer vier.

Ach ja, Kid und die Eintracht. Zeitungstechnisch haben wir genügend Schreiber, die sich um den Klub kümmern, da will ich mich zurückhalten (und still genießen), denn sonst würden nicht viele Köche den Brei verderben, sondern jeder Koch seinen eigenen Brei kochen, wie damals bei der FR Stenger und Kilchenstein, die sich in der Berichterstattung abwechselten, wobei dann jeweils völlig unterschiedliche Eintrachts spielten – die eine wurde durch die nüchterne und ein wenig graue Brille beobachtet, die andere durch die fußballsozialromantische.  Noch ein ach ja: A. j., die FR. Jetzt starten sogar Rettungsaktionen a la taz, aber damit kann man nur kleine Boote wie die taz retten und keinen Tanker wie die FR. De mortuis – nee, in dem Fall: de moribundi – nihil nisi bene (wie der sein gr. Latinum vergessen Habende sagt – oder ist’s etwa korrekt?), aber liewe Leut, ihr habt da seit Jahren das bei weitem schlechteste der vier großen Blätter gemacht, und das ist keine weltanschauliche, sondern eine rein journalistenberufliche Meinung. Natürlich ist kein einzelner Journalist schuld, im Gegenteil, es gab und gibt immer wieder echte Perlen zu lesen – aber in der äußeren Gesamtkonzeption wirr und unübersichtlich, in der inneren ohne erkennbar koordinierte Linie und mit offenbar widerstreitenden Interessen, Klüngeln und Besitzstandswahrern: Das musste ja schiefgehen, ging schon lange schief und wurde nur künstlich am Leben gehalten. Wer da noch retten will, ist ein hoffnungsloser Nostalgiker, der eigentlich nicht die FR, sondern seine eigene verklärte revolutionäre Vergangenheit in seine eigene gutsituierte Gegenwart rüberretten will. In der schwierigen, ja dramatischen Zeit für den Journalismus könnte die FR aber noch segensreich wirken: Als Menetekel, als ständige Warnung, wie man es nicht machen darf, wenn man die Zeitung und den eigenen Beruf bewahren will.

Hugh, der Rentner hat gesprochen. Hat natürlich gut schreiben, der Kerl, wenn er ohne Existenzprobleme Journalismus als Privatvergnügen betreiben kann. Aber liebe Ex-Kollegen: Ich kenne euer Dilemma, ich fühle mit euch. Kopf hoch! Durchhalten! Und immer an den „Leoparden“ von Lampedusa denken: Man muss alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.

Veröffentlicht von gw am 25. November 2012 .
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