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Ohne weitere Worte (vom 23. Oktober)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Manchmal braucht es verruchte Profis wie Ibrahimovic oder den Italiener Mario Balotelli, um das deutsche Spiel als allzu keusch zu enttarnen. (…) Die bis dahin unter Weltklasseverdacht kombinierende DFB-Elf sah plötzlich aus wie eine überragend begabte, aber arg schamhafte A-Jugend, die sich nicht mehr wehren kann gegen einen Gegner, der beim 0:4-Rückstand mal eben die Männermannschaft aufs Feld geschickt hat. (Süddeutsche Zeitung)
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Nie zuvor hatte man dabei eine deutsche Mannschaft gesehen, die eine so große spielerische Brillanz mit einer so großen inneren Labilität verbindet. In Berlin war mehr als nur eine Ahnung davon zu spüren, welche sportlichen Tragik noch auf dieses Team warten kann. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
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Das 4:4 von Berlin hat im kollektiven Gedächtnis der Nation bereits denselben Stellenwert wie Versailles, Stalingrad oder Cordoba. Ein Land fühlt sich gedemütigt von seinen gewählten Vertretern. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Er war ehrlich an diesem Tag. (…) Er erzählte das, worauf alle schon so lange gewartet hatten. Seit diesem Tag hat Jan Ullrich oft mit sich gerungen, ob er dieses Gespräch zur Veröffentlichung freigeben soll. (…) Er tat es nicht. Der Stern darf von diesem Treffen berichten, aber Ullrich nicht zitieren. (Der Stern über ein unveröffentlichtes Interview aus dem Jahr 2008)
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Nachdem der Mega-Hype um den Mega-Hammer-Wahnsinns-Weltrekord dieses Österreichers, der vor einer Woche plötzlich aus dem Himmel gefallen und dabei vorübergehend schneller als der Schall abgestürzt ist, endlich vorüber scheint, wird es höchste Zeit, sich wieder in die stinknormalen Niederungen des Sports zu begeben. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Mein Supermarkt ist Ernährungspartner des Deutschen Fußball-Bundes. Im Rahmen dieser Partnerschaft will er »seinen Kunden vermitteln, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung ist«. (…) Ich will keinen Partner, der mir sagt, was ich essen soll. Ich will überhaupt das P-Wort nicht mehr hören. Wo es auftaucht, will mir meistens jemand was verkaufen, ob als Medien-P, als Gesundheits-P oder als Bewegungs-P. Meistens will P schlicht mein Geld. (»kreuz und quer« von Ursula Ott in chrismon)
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»Ich habe jedenfalls im Alter auch gelernt, mich nicht zu wichtig zu nehmen, obwohl ich es ja bin.« (Armin Veh im FR-Interview)
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Hat etwas Bestimmtes in Ihrer Kindheit dazu geführt, sich Ihr ganzes Leben lang konsequent daneben zu benehmen? – »Als ich 13 oder 14 war, weigerte ich mich, mit meinen Eltern in den Urlaub zu fahren. Es war mir kolossal peinlich, dass mein Vater dazu neigte, nackt herum zu laufen. (…) Da fing ich an zu rebellieren.« (John Lydon, 56, alias »Johnny Rotten« von den Sex Pistols im SZ-Interview) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle