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Montagsthemen (vom 22. Oktober)

Die erste BVB-Niederlage, die auch verdient war. Und das gegen Schalke. Und jetzt gegen Real. Körperlich und geistig angeknackst. Am Mittwoch zeigt sich, wie viel Schmackes in der Mannschaft steckt und was einer wie Klopp wirklich bewirken kann.
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Eintracht: ohne Worte. Immer noch: Staunen und Genießen. Ziel: Klassenerhalt? Europacup? Nein, nur: weiter so! Gestern Dortmund das große illusionäre, Hannover das kleine, realistische Vorbild. Heute fünf Punkte gegen beide und schon Vorbild für andere. Auf dem Teppich bleibend: nicht für Dortmund, noch nicht für Hannover.
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Bayern mit sieben vom schwedischen Wackelvierer souverän und stabil wie selten. Weil Düsseldorf nicht Schweden ist? Nein, so viel Substanzgefälle besteht da auch wieder nicht. Na ja, mit Ausnahme des furchteinflößenden balkanoschwedischen Straßenköters. Also, woran liegt’s? Wer diese Aufgabe mit den Mitteln des fußballerischen Einmaleins lösen kann, verdient den Nobelpreis. Kriegt ihn aber nicht, denn den gibt’s weder für Mathematik noch für Fußball.
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Aber den deutschen Fußball-Kulturpreis gibt es. Mein lieber Scholli erhält ihn für seinen Gomez-bösen Spruch vom Wenden wegen Wundlieggefahr. Protest! Dafür nicht! Das war nicht preiswürdig, sondern Häme auf Kosten eines momentan Schwächeren, was nach den Moral-Regeln unserer Kolumne das verachtenswerteste Vergehen ist. Aber den Fußball-Kulturpreis hat mein lieber Scholli dennoch verdient: Weil er ist, wie er ist, und weil er mal diesen Witz erzählt hat: »Kommt eine Schwangere zum Bäcker und sagt: Ich bekomme einen Laib Brot. Darauf der Bäcker: Sachen gibt’s.« Den von den Grünen und den Bäumen lassen wir heute mal. Sooo’n Bart.
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Profis, Exprofis und professionelle Kritiker: ein weites Feld, viel weiter als ein Fußballplatz. Schauplatz Schauspiel Frankfurt. Auf dem Spielplan: Faust 2. Nach der Premiere gab es miese Kritiken (»Vollkatastrophe«/FR), vor allem für den Faust-Darsteller. Hingegangen, angeguckt. Bin kein völliger Faust-Banause, habe aber nur einen roten Faden erkannt:  Die arme Helena-Darstellerin musste zweieinhalb Stunden lang splitternackt auf der Bühne rumturnen. Am Schluss legte sie sich nackisch hin und starb, Faust zog sich auch nackisch aus und starb ebenfalls. Warum, wieso, und was dazwischen alles geschah? Fragen Sie einen Berufeneren. Vorhang. Müder Beifall. Am müdesten für Faust. Der geht beleidigt seitwärts ab, seine beste schauspielerische Leistung, denn alleine sein Rücken drückt unmissverständlich aus: Ihr Banausen, ihr könnt mich mal!
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Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut von Theatermenschen stecken. Da  wird eine aus tiefstem Inneren hervorgeholte darstellerische oder inszenatorische Leistung  oft genug bösartig auseinandergenommen, genüsslich auf der wunden Seele des Künstlers rumgehackt und noch Salz in die  Wundstelle gestreut, die noch lange eiternd schmerzen wird. Wie gut, dass ich nur Montagsthemchen und ähnliche kleine Kolumnen schreibe, die keinen hämischen Großkritiker auf den Plan rufen, keinen mies gelaunten Vorgesetzten, keinen bösen Ränkeschmied, sondern im Regelfall freundlich gesinnte Leser, die bei Bedarf nur milde lächelnd kritisieren. Danke dafür.  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle