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Dienstag, 16. Oktober, 10.50 Uhr

Da lässt sich einer wie ein nasser Sack vom Himmel fallen, die Welt schaut fasziniert zu und findet es toll, toll, toll.  Auch, weil die Brause-PR-Maschine braust und braust und extrem unsinnige Idiotie als grandiosen Extremsport verkauft. Früher ließen sich lebensmüd den Lebenskick Suchende in ein Fass stecken und die Niagarafälle runterplumpsen.

Die Brause-PR will uns einreden, das Vomhimmelplumpsen sei Abenteuer, und ähnliche Spielchen mit dem Tod ein wahres Lebenselexier, wer das nicht verstehe, sei ein sesselfurzend langweiliger Spießer. Bin ich dann halt. 

Man denke es mal vom anderen Ende her: Der Ösi würde vor den Augen der lebenselexiergeilen Weltöffentlichkeit verglühen und in Bruchstücken  aufklatschen – grandioser Extremsport? Aus fasziniert dem Megasuperevent Zuschauenden würden im Bruch-Teil einer Sekunde noch viel kritischere Sesselfurzspießer als ich.

Nichts gegen wahre Abenteuer und echte Rekordleistung. Den Nord- und Südpol zu erreichen, den höchsten Berg der Erde zu besteigen, auf dem Mond zu landen, den Mars anzustreben – aus sesselfurzend langweilig pragmatischer Sicht auch nicht sehr sinnvoll, aber faszinierende menschliche Extremleistung. Da fand zwar auch mancher den Tod, aber vorher suchte er ein Ziel, das war das Primäre, nicht das pure Zocken um Leben oder Tod.

Wer braucht solch ein Spektakel, um sich lebendig zu fühlen? Wer innerlich scheintot ist? 

So, und jetzt ab zum Bungeespringen?

Na, da ging ja gerade der Gaul mit mir durch. Eigentlich wollte ich nur ein paar Notizen als Stein(es)bruch für die nächsten Kolumnen schreiben, neben dem Himmelsplumpser sollten noch ein wissenschaftlicher Genmais-Ulk, die Sportförderungsdebatte mit Zielvorgaben-Kauderwelsch und Aktivenvertreter-Problematik sowie Harry Valerien/Erhard Wunderlich/Helmut Haller notizartig angerissen werden. Aber der Nasser-Sack-Teil könnte ja schon als kleiner Extra-Anstoß durchgehen. Mal sehen.

Baumhausbeichte - Novelle