Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sonntag, 14. Oktober, 6.20 Uhr

Der Tunnel steht, aber etwas fehlt. Draußen stockdunkel, klar, aber: Sind die Autoscheiben beschlagen oder schon vereist? Sind schon andere unterwegs? Begegne ich einem Fuchs, einem fahrbaren Rollator, wie vielen Taxis und Minicars mit Spätheimkehrern? Auch die “Inspirationen” von HR1 fehlen. Vom Bett an den Computer taumelnd, taumelt auch das Hirn noch schlaftrunken. Grausiger Traum: Unterirdische Passage, vielleicht Flughafen, eine Frau ruft empört: “Warum lässt man krebskranke Kinder alleine reisen? Das geht doch nicht!” Dann sehe ich, am Boden liegend, eine kleine menschliche Gestalt, sich windend, wimmernd, klagend, vor Schmerzen schreiend. Ein Sanitäter hockt neben ihr am Boden, ich sehe nur die zuckenden Beine des Mädchens. Die Füße eines Rehes. Schwer abzuschütteln. Begleitmusik, der Ohrwurm nagt und nagt: As times go by. Oder as time goes by? As times goes by? As time go by? Die Antwort ist nur einen Klick weit entfernt. Zu einfach, lieber lasse ich die Frage noch ein bisschen nagen. Singt er nicht beides? Mal as time goes by, mal as times go by?

Auch zu Hause Zugriff auf alles. Test: Mailbox. Einen Moment bitte … Guten Tag Ornulf, nun kannst du selber shoppen gehen, hier hast du den Link zu der Seite auf der Luis und Wiegand neuerdings kaufen. Ich hatte es dir ja versprochen. Peter will auch dort bestellen, vielleicht tut ihr euch zusammen. Lieben Gruß und auch an Eda. Finn. Ornulf, Luis, Wiegand, Eda, Finn – darauf muss man erst mal kommen.

Test: Nachrichtenagenturen. Meldungen der Nacht. Einen Moment bitte … Schäuble: Es wird keinen Staatsbankrott Griechenlands geben. – Herbstzug der Vögel: Millionen sammeln sich im Wattenmeer. – Mauretanischer Präsident versehentlich angeschossen. – Chris Andrews wird 70. – Piratenpartei verliert deutlich an Wählergunst. – Ironman auf Hawaii: Andreas Raelert Zweiter – Jacobs gewinnt. Ah, ja, der war ja heute nacht, der Triathlon, an dem auch Armstrong teilnehmen wollte. Chris Andrews ist der alte Yesterday Man. Piratenpartei: Demnächst wohl endlich unter 5 Prozent, müsste mir Genugtuung sein, ist es aber nicht. Schön, wenn die Vernunft siegt, aber ein bisschen Stachel im trägen Fleisch täte gut. Griechenland … ach, Griechenland. Gestern aus meiner Griechenland-Zeitung für die Montagsthemen notiert: Formel-1-Strecke bei Patras geplant, für 100 Millionen. Und bekannt wird jetzt, dass die griechische Regierung vier Tage vor der Olympiaeröffnung 2004 von Standard & Poors gewarnt wurde: Die Budgetüberschreitung wg. Olympia werde einen Kredit von über 40 Milliarden notwendig machen, den Griechenland nicht bedienen kann. Was dachten die Griechen damals? Waren sie bedient? Oder dachten sie: Bedienen – das tun doch immer die anderen. Tun sie ja auch. Schäuble hat recht. Wir bedienen und sind bedient.

Ebenfalls gestern notiert: Witz aus dem SZ-Magazin. Thema des ganzen Heftes: Mein Traummann. Beitrag: Unsere Textchefin wusste immer, sie kann sich nur in einen Mann verlieben, der ihren Humor zu schätzen weiß. Ihr Mann sagt: Er hat sich trotz ihrer Witze in sie verliebt. Nach dieser Einführung  listet die Textchefin (Susanne Schneider) einige ihrer Witze auf. Einer davon hebt mich vom Hocker, schmeißt mich weg. Genial blöd. Den verrat ich hier noch nicht. Den pack ich in die Montagsthemen. Sport war ja nicht viel, zwischen den beiden Länderspielen nur Hawaii und gleich Vettel.

Ach ja, as times goes by as times go by as time … Google gibt as times go by 10 190 000 000 Treffer. Zehn Milliarden? Wie isses bloß möglich? As time goes by kriegt nur 989 000 Treffer. Ist aber richtig. Das muss für heute früh genügen. Bis später, bei den Montagsthemen.

Baumhausbeichte - Novelle