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Montagsthemen (vom 15. Oktober)

Was Dublin wert ist, wir wissen es erst morgen. Nach Ibrahimovic. Daher heute, zwischen den Länderpielen, Pause vom Fußball. Von Hawaii über San Diego, Südkorea und Sonkajärvi ging es ja auch ohne Ball rund.
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Auf Hawaii, beim Ironman, wollte Lance Armstrong seine zweite sportliche Karriere krönen. Dumm gelaufen. Montagsthematisch letzter Satz dazu: Nicht die seit Jahren bekannte Tatsache selbst ist der Doping-»Hammer«, sondern das zeitrafferische Zerbröseln von Armstrongs sakrosankter Allmachtstellung. Aber jetzt wirklich Schluss damit.
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Abstecher nach San Diego. Dort heiratete Ski-Ass Bode Miller. Auf einem Schiff. Trauzeuge Harper ist eine Katze, Braut Morgan Beachvolleyballspielerin und laut Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung »eine Landsmännin« von Miller. Da ist es wieder, dieses seltsame Wort: »Männin« – Landsfrauen, warum lasst ihr euch das gefallen? Über pieselige Kleinigkeiten könnt ihr euch aufregen, aber solch ein Groteskwort stört euch nicht.
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Südkorea. Sebastian Vettels erneute Siegfahrt führt uns aber gleich im hohen Bogen zurück nach Europa. Zoom: Griechenland – Peloponnes – Patras. Hier angekommen, erstaunt uns gar nichts mehr, denn in der Nähe von Patras, beim Örtchen Chalandritsa, dessen Megaevent bisher die jährliche Werkzeug- und Maschinenausstellung war, soll eine Formel-1-Strecke gebaut werden. Kostenpunkt: 100 Millionen Euro. Lassen wir mal allen »Wer-zahlt?-Natürlich-wir!«-Populismus beiseite, uns interessiert hier nur der Sport. Also: Es gibt keine griechischen Vettels im Motorsport, daher wirkt der Chalandritsa-Kurs zunächst wie eine weitere griechische Absurdität. Stimmt aber nicht, denn Griechenland ist eine echte Rennfahrernation.
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Bisher vetteln sie allerdings nur im Straßenverkehr. Fast jeder, der hinter dem Steuer sitzt, fühlt sich als Weltmeister unter lauter unfähigen Fahrprüfungsdurchfallern. Leider fahren aber alle wie solche. Deswegen haben sie auch keine guten Radprofis. Denn wenn die Griechen jemals Rad-Talente wie unseren Jan gehabt haben sollten, so sind diese schon in frühesten Trainingsjahren von vierrädrigen Amokfahrern zerquetscht worden. Oder in eines der vielen riesigen Schlaglöcher gestürzt und am Hunger-Ast gestorben, bevor sie von Suchmannschaften gefunden werden konnten.
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Bitte nicht empören, liebe Philhellenen. Bin doch selbst einer. War nur Spaß. Kein Witz dagegen: Es gibt eine offizielle Weltmeisterschaft im Frauenschleppen (nicht: -abschleppen, diese Disziplin ist eine inoffizielle). Im zentralfinnischen Sonkajärvi verteidigte Taisto Miettinen seinen Titel, als er Kristiina Haapanen in 1:04 Minuten über eine 250 Meter lange Strecke mit zwei Hindernissen und einem Wasserbecken schleppte. Glückwunsch auch an dieser Stelle.
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Ist Taisto Miettinen ein Traummann? Gehört Frauenschleppen (mit oder ohne -ab) zu den von meiner liebsten Zielgruppe erträumten Traummann-Eigenschaften? Aus beruflichem Interesse studierte ich daher eine Sonderausgabe des SZ-Magazins, in dem Frauen ihren Traummann beschreiben. Leider bin ich nicht dabei. Außer vielleicht bei einer, der Textchefin des Magazins. »Sie kann sich nur in einen Mann verlieben, der ihren Humor zu schätzen weiß«, lese ich, und dann listet sie einige ihrer Lieblingswitze auf. Zum Beispiel den: »Kommt ein Mann zum Bäcker: ›Grüß Gott, ich hätte gern sechs Semmeln.‹ Sagt der Bäcker: ›Nehmen Sie doch sieben, dann haben Sie eine mehr.‹«
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(Einen Moment bitte. Muss mich sammeln, hatte mich vor Lachen weggeschmissen. So, weiter geht’s:) Irrwitzig genial blöd. Ich hätte nur nie gedacht, dass Frauen über so etwas lachen. Aber Vorurteile sind ja da, um abgebaut zu werden. Egal, ob es um Frauen oder Griechenland geht. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle