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Sport-Stammtisch (vom 13. Oktober)

Länderspielausgabe. Wenig Platz. Für Armstrongs Untergang benötige ich sowieso nur ein Minimum an Worten: »Das ausgeklügeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das der Sport jemals gesehen hat«, bescheinigt ihm die USADA. Mein Reden und Schreiben seit Armstrongs Wiederkehr als heldenhafter Krebsbesieger. Füllt einige gw-Archivordner. Aber Ätsch-Besserwisserei wird heute nicht draufgepfropft. Auf dem ständigen Ullrich-Malus (siehe Pevenage-Zitate auf der nächsten Seite) reite ich auch nicht mehr herum. Armstrong war für mich schon lange gestorben. Mögen nun jene seine mediale Leiche fleddern, die ihn früher verehrt haben.
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Nur eine Randnotiz noch: In diesem Jahr wurde in Großbritannien ein neuer Sportheld geboren und als sauberer Athlet gefeiert. Er gewann die Tour de France und olympisches Gold. Dieser Tage wurde sein schon lange umstrittener Teamarzt ohne viel Aufsehen entlassen. Auftrag erfüllt, der Mohr kann gehen?
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»Cherchez-la-femme«-Geraune gibt es oft (Wulff!). Selten aber hört man von »cherchez l’homme«. Nicht mal nach dem Skandalspiel zweier Frauenfußballteams, in dem es statt Fairplay fieses Foulplay gab, garniert mit Hass und Schwerverletzten. Zwei Männer duellieren sich, mit ihren Frauschaften als Colt?
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Bruno Labbadia schießt nur verbal gegen die Medien, seine Wutrede ist ein Aufregerchen der Woche. Recht hat er zwar zu mehr als einem Teil, aber der wahre Grund zum Trainerfrust ist wohl eher ein regionaler: Medien, Fans und Vereinsspitze in Stuttgart verlangen von einem Trainer schon fast traditionell ein Übermaß an Leidensfähigkeit. Die armen Hunde müssen so manchen dicken Hund wegstecken, werden letztlich aber von einem Hundt weggebissen.
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Ein echt dicker Hund, wie böse die Süddeutsche Zeitung mit dem blaublütigen Sky-Reporter Thurn und Taxis umspringt. Gegen die SZ wirkt unser hessischer Palaststürmer Georg Büchner wie ein rolfseelmanneggebertiger Adelsversteher. Thurn und Taxis habe keine Ahnung, aber eine Spezialität: »Eine Meinung, die er nicht hat, während des Spiels zu wechseln«. Schön böse. Aber dass Thurn und Taxis gegenüber Sky-Maestro Reif und Neuzugang Fuss wirke wie Amselfelder im Vergleich zu Brunello und Barolo, ist dann doch zu viel Krieg den T&T-Palästen.
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Außerdem: Reif als Brunello, das geht ja noch. Aber Fuss ein Barolo? Doch eher ein un-reifer Alkopop. Und ist Reif wirklich der Beste? Oder arrogant? Ja. Beides.
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Bela Rethy ist weder Brunello noch Amselfelder, schon gar kein Alkopop. Als frei empfänglicher ZDF-Mann hat er aber im Segmentvergleich mit den teuren Sky-Marken einen bundesreichweiten »4711«-Vorteil – immer dabei. Siehe gestern. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle