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Michael Jungfleisch-Drecoll zum “Sport-Leben”

Vor Tagen stieß ich durch Zufall auf Ihren Bericht “Sport-Leben” im Internet.
So ganz zufällig vielleicht doch nicht, manchmal sitze ich nachmittags vor dem
Bildschirm und google drauf los, gerne Berichte aus dem Bereich Sport, am liebsten
wenn noch “Kraft-” davor steht.

Ich bin etwas jünger als Sie, Jahrgang 1959, fing aber schon in den 70er-Jahren
mit dem Hanteltraining an, damals im “Heimstudio” mit selbstgemachten Gewichten.
Mit meinem besten Freund quälten wir uns durch die Trainingsprogramme, mit Feuereifer
und einer Begeisterung, die ich später kaum in meinem Leben für etwas anderes aufbrachte.

Schnelle Erfolge hatten wir, sicher vergleichsweise bescheidene, wir faßten Anabolika nicht an.
Beim Lesen Ihres Berichtes fiel mir Dirk Wippermann ein, der damals im Kraftraum
des Rheinstadions in Düsseldorf trainierte. Er nahm uns manchmal mit in den Bereich der “Profis” und
wir waren stolz wie Oskar.

Das Gros der dort trainierenden Leichtathleten fand unser Tun jedoch befremdlich,
weil ihnen nicht einleuchtete, dass wir eifrig Muskeltraining machten, ohne in der
Leichtathletik anzutreten.
Es war die Zeit, in der es so gut wie keine Fitnessstudios gab.

Viele Passagen in Ihrem Bericht erinnern mich an meine eigene Trainingszeit, vor allem
dieses “Quertreibertum”, das Sie schildern, das habe ich auch empfunden.
Wir hatten das Gefühl, etwas ganz besonderes zu machen. Etwas, das außer uns niemandem
gefiel.
Diese bizarre Welt der Hantelsport-Fanatiker, die den “Normalen” völlig fremd war.

Vielen Dank für diese hochinteressante Schilderung Ihrer Sportlerkarriere.
Selten, eigentlich nie, habe ich so etwas gelesen.
Ich musste schmunzeln, manchmal lachen, aber ich litt auch mit bei den
Schilderungen der Auf und Ab´s in Ihrer Karriere.

Ohne selber je mit Sportfunktionären in Berührung gekommen zu sein, bestärkt
mich Ihr Bericht in meiner Ansicht, die ich schon lange habe:
Diese Leute gehören zu einer Spezie Mensch, die man als Heuchler bezeichnet.
(Michael Jungfleisch-Drecoll/Erkelenz)

Baumhausbeichte - Novelle