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Dr. Sylvia Börgens über “de mortuis …”

Ihr Zitat “De mortuis nil nisi bene” regt mich zu einer kleinen Betrachtung an, weil dies in meiner Arbeit oft zum Thema wird. “Nil nisi bonum” – also nichts außer Gutem, so hieß es wohl ursprünglich; dahinter stand eher die atavistische Furcht vor der Rache der Toten, wenn man schlecht über sie sprach.

“De mortuis nil nisi bene” bringt aber eine wichtige Verschiebung der Bedeutung. Das heißt nämlich – adverbial – “in einer guten = angemessenen Weise”. Damit ist eben nicht gemeint, den Verstorbenen auf einen Sockel zu stellen und zu idealisieren, sondern die Beziehung zu ihm fair und abgewogen zu beurteilen. Oft muss ich meine Ratsuchenden ermutigen, auch die negativen Seiten ihres Verstorbenen zu erwähnen und sich zu fragen, welche seiner Botschaften sie für ihr weiteres Leben akzeptieren wollen. Es kann sehr befreiend sein, auch mal auszusprechen, dass man zornig auf ihn war (oder ist)!

Lothar Matthäus kann man eigentlich nur wünschen: Herr, wirf Hirn herab! Ersatzweise einen anständigen Berater, der diesem netten Menschen hilft, sich nicht immer selbst ins Knie zu schießen. (Dr. Sylvia Börgens, Dipl.-Psych/Wölfersheim)

Baumhausbeichte - Novelle