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Montagsthemen (vom 1. Oktober)

Das Frankfurter Spätsommermärchen geht weiter, dank Alex Meier. Zwei herrliche Tore, von ihm norddeutsch überschwänglich bejubelt, also  erfreut zur Kenntnis genommen.
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Aus anderen Gründen zurückhaltend: »Aus Respekt« vor seinem früheren Klub hat Marco Reus bei seinen Toren nicht gejubelt. Bei allem Respekt vor ihm und dieser neuen Liga-Tradition: Das hat nichts mit echter Tradition zu tun, denn die gründet auf dem Bolzplatz. Wer hat sich dort jemals den Torjubel verkniffen, wenn er per Füßchenwahl gegen die Mannschaft ein Tor schoss, in die er noch tags zuvor gewählt worden war?
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Ja, klar, der Vergleich hinkt. Vor allem bei mir, der sich nie den Torjubel verkneifen musste. Und bei Reus’ zweitem Tor zuckte ja auch kurz Marcos Jubelfaust, sie konnte sich’s nicht verkneifen, zu herrlich war dieser Kunstschuss.
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Sattes 5:0. Dennoch zeigt der Spielverlauf, wie labil und unvorhersehbar der Erfolg ist. Im Fußball allgemein und speziell beim BVB wird immer wieder der Urgrund der Chaos-Theorie bewiesen. Denn dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in der Südsee Auslöser eines Orkans im Atlantik sein kann, ist nur ein sprachliches Bild für das elementare Fußballwissen vom Ball, der rund ist. Hätte Gladbach in der Anfangsphase einen der zwei, drei üblichen Leichtsinnsslapsusse der Dortmunder ausgenutzt … ach was, hätte, wäre, wenn – es zählt nur, was hinten rauskommt, auch wenn’s manchem stinkt.
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Und Gerüchle verdünnisieren sich schnell. Wie der Ärger, Hohn und Spott, den Werder abbekam, als die Bremer ihre Trikots einem Geflügelschlachter preisgaben. Fast schon vergessen, außer bei PETA. Werders Rechtfertigung (»wir sind arm und brauchen das Geld«) wird jetzt in Griechenland auf die Trikotspitze getrieben. Dort wirbt ein unterklassiger Klub für das »Freudenhaus Soula«, ein anderer für das »Bestattungsunternehmen Karaiskaki«.
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Weitere aktuelle griechische Merkwürdigkeiten: Von 388 Blinden auf der schönen Insel Zakynthos wurden 353 wieder sehend. Der Wunderheiler heißt IKA, ist die Sozialkasse des überklammen Landes und überprüfte im September die Bezieher von Blindenrente. Und als Beitrag für die Blasphemie-Debatte bei uns: Auf Euböa wurde ein Mann verhaftet, der via Facebook den (toten) Athos-Mönch Paisios  als »Vater Pastitsios« verulkt hat (nach »pastitsio«, dem  Nudelauflauf). Hoffentlich werden Wortspielchen nicht auch bei uns strafbar, sonst wartet auf mich die Höchststrafe.
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Nicht nur Vater Pastitsio oder Bettina W., sondern auch Laienschauspieler wie Max Mosley gehören zu den Opfern von Google. Der Ex-Motorboss klagt sich durch alle Instanzen, um seine Nazisexspielereien im Internet löschen zu lassen. Mich verwundert dabei nur, wie gerne sich ausgerechnet befehlsherrische Bosse von Dominas dominieren lassen. Wenn sie wüssten, dass einige der »Herrinnen« im Tagberuf ihre unterjochten Sekretärinnen sind ….
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»Dominas« und »Lapsusse«? Gossen-Glossenlatein? Korrekter Plural, wie jeder Lateiner weiß: »Dominae« und »Lapsus« (da u-Deklination). Aber ich hab’s mal eingedeutscht, nach dem Ursprung von Glossen, die ursprünglich deutsche Zwischen- und Randbemerkungen in lateinischen Texten waren.
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Und dann wäre da noch das Topthema des Wochenendes: »Steinbrück schließt Koalition mit Rot und Schwarz und mit den Piraten aus.« Dazu fällt mir die übliche Falschformulierung ein, wenn Sportler X wegen einer Verletzung seine Teilnahme an  Veranstaltung Y absagen muss (»Schweinsteiger sagt Länderspiel ab«). Logelei zur Lügelei: Die SPD koaliert also unter Steinbrück entweder mit Grün und/oder Gelb, oder überhaupt nicht – oder ohne Steinbrück optional mit allen. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle