Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Dr. Hans-Ulrich Hauschild über (s)einen Abschied

Wie auch immer ich mich von Ihnen verabschiedet habe (es war sehr lakonisch, wohl kaum verletzend für Sie, aber – wie ich finde – mit ganz gut gestützten Gründen), es darf nach all den sehr angenehmen Begegnungen (die ja leider nie persönlich waren, sondern immer nur elektronisch) nicht so weit gehen, dass ich Ihnen nicht anständig auf Wiedersehen sage. Und Ihnen danke für eben die sehr unterhaltsamen Stunden, die ich mit Ihrem Anstoß verbringen konnte. Die Öffentlichkeit wird ja nichts verlieren, wenn ich Sie richtig verstehe, machen Sie einfach weiter. Auch sehr angenehm. Denn: ich habe zwar nicht mehr geschrieben, aber immer weiter gelesen – und nachgedacht über das, was Sie da so aufbereitet, ausgebreitet, ausgedacht haben. Die Differenz ist aber wohl doch tief. Irgendwann einmal habe ich geschrieben, dass man von zwei sehr verschiedenen Positionen durchaus auf dieselbe Mitte stoßen kann. Das war, bis zu jenem Tag, als ohne Kommentar Ihrerseits  ein Blognutzer wieder einmal abschätzig über Gutmenschen reden durfte, der Fall. Ich gebe ja zu, dass jene, die Sie unter  „Gutmenschen“ zusammenfassen, zuweilen schrecklich sind. Jedoch meine Bedenken beginnen da, wo der Begriff auch jene trifft, die mit vielem, was sich hier abspielt, gar nicht einverstanden sind und, das ist das Entscheidende, dem „visionär“ etwas entgegen setzen. Pragmatismus ist es nicht, was wir brauchen – davon gibt es in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, besonders n der aktuellen  Politik, genug. Da ich nun wirklich nicht pragmatisch bin, also nicht affirmativ, also häufig in der Opposition zum Zeitgeist (wie Sie auch – aber dieser ist wesentlich gekennzeichnet eben nicht von Gutmenschen, sondern von jenen, die Gutmenschen verachten) stehe, war ich über die Tendenz zur Abwertung moralischen Handelns (Moralkeule, moralinsauer) eher traurig. Wie auch immer: ich wünsche Ihnen ganz persönlich ein ausgefülltes Leben als – wenn ich richtig verstehe – nebenamtlicher Kolumnen – Schreiber. Für einen Rentner, ich weiß, wovon ich rede, ist es allerdings lebensnotwendig, anständig, nützlich – leider muss ich hier wieder einen moralisch abwertbaren Begriff verwenden – und anderen Menschen und der Gesellschaft zugewandt zu leben und weiter zu arbeiten. Und für die Anderen ist dies, leider muss man zuweilen sagen, weil die Ehrenamtlichkeit ja auch gesellschaftlich zu erledigende Aufgaben billig ersetzt, auch  lebensnotwendig. Ganz zum Schluss noch eine Erinnerung an Hölderlin, seine Gefahr, die auch das Rettende birgt, an die Adler und ihr glanzvolles Zurückkommen. Dies schrieb ich Ende April 2011. Sie erinnern sich? Heute versuche ich es noch einmal:

„Langsam eilt und kämpft das freudigschauernde Chaos,

Jung an Gestalt, doch stark, feiert es liebenden Streit

Unter den Felsen, es gärt und wankt in den ewigen Schranken…

Denn es wächst unendlicher dort das Jahr und die heiligen

Stunden, die Tage, sie sind kühner geordnet, gemischt.“

Na, trifft das den Zustand in Frankfurt, die Visionen der Eintracht? Das Prophetische daran? „Es gärt und wankt in den ewigen Schranken“; will sagen: die Einschränkungen, die Mannschaften, die nicht Bayern, Hoffenheim, Dortmund, Schalke und so fort heißen, in vieler Hinsicht hinnehmen müssen, werden durch – ich fasse es zusammen – geordnetes Chaos, durch kühne Mischung der Mannschaft, der Taktik, aufgehoben. Nichts kennzeichnet den Zustand und die Perspektiven der Eintracht besser als diese Prophetie. Die Ode heißt, sehr sprechend, „Heimkehr“.

„Was aber bleibet, stiften die…“ Ja, wer: die Dichter, Kolumnenschreiber i.R.  und pensionierten Visionäre.

Es war mir ein Bedürfnis, Ihnen dies in Ihre Zukunft mitzugeben. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle