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Mittwoch, 26. September, 9.20 Uhr

Letzte Arbeitswoche? Nee, als weider, nur von wo anners. Sentimentalitäten? Keine. Wehmut? Keine. Weil: als weider! Das sei damit abgehakt. Und wenn dunkel der Rede Sinn – um so besser.

Jetzt zu einer Frage, die alte Leser von gw-Kolumnen immer wieder beschäftigt und daher auch stellen: Lese ich das wirklich alles, was in den Kolumnen thematisiert wird? Wie schaffe ich das? Geht das überhaupt? So geht das: Ein bisschen wie mit dem Nürnberger Trichter. Nur: Oben wird viel reingeschüttet, unten kommt wenig raus. Quantitativ (über  Qualität schreibe ich nicht, zu der bildet sich der Leser seine eigene Meinung).

Beispiel heute: Spiegel und Zeit sind noch in der Mache, werden zu Hause ausgewertet und (zum Leidwesen der allerliebsten Zielgruppe) zerfleddert und zerschnitten. Nachrichtenagenturen und Internet werden nebenbei gesichtet. Zeitungen (SZ, FAZ, FR, Welt) weden überflogen, kurze Artikel gelesen, Längeres, interessant Wirkendes, wird rausgerissen und gesammelt, zwecks abendlicher Gründlich-Lektüre. Das gestern Rausgerissene harrt noch der Lesung (wg. Eintracht-Spektakel), zusammen mit dem heute früh Rausgerissenen muss noch gelesen werden (es folgen jeweils Überschriften und Unterzeilen der Artikel): „Bergwerk. Weg, bloß weg von Italien. In Südtirol war es lange still. Doch mit der Krise Europas kommt etwas mit Wucht zurück, das fast vergessen war: der Wunsch nach Unabhängigkeit“ (Seite-3-Thema in der SZ) /  „Gold und Silber als Gipfelstürmer. Der gelbe Metall („der“? Steht da wirklich. Macht stutzig. Ist’s vielleicht sogar möglich? Muss nachgeschaut werden) hat ein Euro-Hoch markiert. Silber hat sich um ein Viertel verteuert. Nun macht die Hausse Pause“ (aus der Welt / Hausse-Pause reimt sich nur im Schriftbild) / „‚Ich habe ein Problem mit meiner Wut.‘ Ohne Geschrei kein Album: Avantgarde-Sänger John Cale über Erwartungen der Plattenfirma, Ungeduld im Alter und Squash als Ersatzdroge“ (Welt-Interview) / „Lesestunde. So viel Zeit muss sein: Angela Merkel stellt Edmund Stoibers neues Buch vor. Die Erkenntnis? Sie versteht man mitunter schwerer als ihn“ (Süddeutsche/Habe gehört, Stoibers Memoiren sollen gut lesbar sein, er selbst soll dabei eine gute Figur machen, recht souverän im Umgang mit sich selbst und mit seinen bekannten Macken als – redender – Politiker) / „Revolutionärer Rummel. Nordkoreas neuer Herrscher Kim Jong Un festigt seine Macht. Auf den ersten Blick regiert er ganz wie der Vater. Doch viele sagen: Es tut sich was in Pjöngjang. Und das Scheinparlament tagt 2012 bereits zum zweiten Mal“ (ebenfalls Süddeutsche/interessiert mich, weil USA und Südkorea gar nicht daran interessiert sein sollen, dass sich Nordkorea öffnet, sondern  an einem Status quo mit einem bequemen Feindbild) / „‚Deutschland sollte uns Vorbild sein‘ Maurice Levy, Chef des französischen Werbekonzerns Publicis, über einen tanzenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank, die Fehler seines Staatschefs Francois Hollande und teure Zukäufe hierzulande“ (ebenfalls SZ) / „‚Viele Charterreeder kämpfen um das Überleben‘ Michael Behrendt sieht den Schifffahrtsstandort Deutschland in Gefahr. Nach vier Jahren droht eine Insolvenzwelle, wenn nicht schnell genug Hilfe vom Staat kommt, warnt der Reederpräsident“ (FAZ-Interview; interessiert mich auch wegen der früheren Anlage-Mode „Schiffsbeteiligungen“; hatte mich nie daran beteiligt, mangels Anlagevermögen/Dankeschön für das Bedauern. Als Sessel-Seefahrer und aktiver Freund altklappriger griechischer Ägäis-Fährschiffe hätte ich eigentlich investieren müssen, die Sache kam mir aber sowieso etwas windig vor. Statt Schiffsbeteiligungen zu zeichnen, las ich daher lieber Schiffsmeldungen/kennen Sie den Roman? Tipp von mir) / „‚Überzeugend besetzt‘ Zeitzeugen kommentieren den Fernsehfilm zum Fall Jakob von Metzler‘ (Frankfurter Rundschau/Die Einschaltquoten waren nicht sehr hoch, ich vermute, weil es vielen ging wie mir: Der Film hätte wieder ohnmächtige Wut geweckt, und das wollte ich mir nicht antun. Zur Sache selbst habe ich damals alles geschrieben, was ich dazu sagen konnte. Die ganze Geschichte war so nur in Deutschland möglich. Die Irrsinns-Diskussion, ob man in dieser Lage Schmerzen androhen darf, ausgehend allerdings von einem überflüssigen Aktenvermerk, und dann diese das miese Ego des Täters noch schmeichelnde Aufmerksamkeit!) / „EZB soll Griechenland Luft verschaffen. Direktoriumsmitglied Asmussen lehnt Forderungsverzicht zugunsten Athens jedoch ab“ (Welt-Artikel / ach ja, meine Griechen. Und meine alte Skat-Behauptung: Niemand spielt besser mit seinen Ramschkarten als die Griechen. Für Nicht-Skatspieler: Beim Ramsch gewinnt, wer die meisten „Miesen“ hat) / „Schwarzer Tag für Facebook. Die Börse und Facebook werden einfach keine Freunde. Aktie rauscht in den Keller“ (ebenfalls in der Welt / Ich könnte mir immer noch in den Hintern beißen, keine Optionen auf steil fallenden Kurs gekauft zu haben; die Sache war für mich arschklar, Optionen sind billig, kann sich jeder leisten , zwar droht im Prinzip bei Optionen Totalverlust, aber da ich mir sooo sicher war, drohte er nicht, ich hätte es tun sollen, ich Feigling!) / Und dann noch, was ich nicht lesen werde: Die in allen großen Zeitungen den Sportteil dominierende „Sportförderung in der Kritik“. Interessiert mich nicht, ist Lobbyismus gepaart mit Beschäftigungstherapie für Funktionäre und Journalisten aus der deutschen Sport-Nomenklatura, zu der ich Gott sei Dank nie gehört habe. Die Welt ist zwar kompliziert, aber für manche Problemchen gibt es doch wirklich einfache Lösungen, meine dazu habe ich vor etwa hundert Jahren in einem Kommentar-Dreier dargelegt. Fazit damals wie heute: Die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft sollten auch im Sport greifen: Förderung des Breitensports als soziale Komponente, freies Spiel der Marktkräfte im Spitzensport als kapitalistische Komponente. „Aber der Medaillenspiegel?!“ Der kann mich mal.

Ach ja, und Bild nicht zu vergessen: Gehört zur Pflichtlektüre. Heute: „Eintracht-Wahnsinn“. Aber was ich ganz gewiss nicht lesen werde: „Neue Serie in Bild, Maria Riesch: Mein wildes Leben“. Immer wieder erstaunlich, wieviel geldwerten Medienstoff die (klar: großartige) Skifahrerin liefert, seit sie verheiratet ist – mit dem Top-Medienmann des deutschen Sports, der auch einen „Kaiser“ zu seinen Kunden zählt.

Was davon wird in der nächsten Kolumne auftauchen? Keine Ahnung. Vielleicht gar nichts. Gucke mer ma.

Baumhausbeichte - Novelle