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Montagsthemen (vom 24. September)

Neun Punkte aus drei Spielen – die zählten gegen den Abstieg. Rechnung: Schon ein Viertel der Miete. Zwölf Punkte aus vier Spielen – die sprengen alles rationale Rechnen. Die Mathematik kennt aber auch die imaginäre Zahl, »deren Quadrat eine nicht-positive reelle Zahl ist« (Wikipedia). Die kann jedoch »nicht existieren, also nur imaginär« sein. Wie die Frankfurter Zwölf. Unmathematisch: ein Wunder. Am Dienstag, nach dem Dortmund-Spiel, würde eine reelle Zahl genügen, um den Eintracht-Flow fortzusetzen. Die Dreizehn. Fünfzehn? Neue mathematische Definition: eine Überschnappzahl.
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Während in Frankfurt noch alles fließt,  verfestigen sich anderswo die Strukturen: Die überwältigende Masse an Klasse erhebt Bayern München hoch über die nationale Konkurrenz einschließlich des BVB, der buchstäblich kein Selbstläufer mehr ist. Allerdings schleppen die Bayern schweren Ballast mit sich, der erst nach einem siegreichen Champions-League-Finale abgeworfen würde.
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Dass Dortmund nicht rund läuft, wird einigermaßen ratlos kommentiert. Vielleicht ist aber alles ganz einfach, wie der Fußball. Erfolgreiches Spiel braucht eine starke Basis, und die bröckelt beim BVB. Zwei Spielzeiten lang war die Innenverteidigung Basis, Herz und Ausgangspunkt des Überfallfußballs, sozusagen – Anleihe aus der Leichtathletik – das Stützbein, denn nur über dessen Kraftübertragung ist ein großer Wurf möglich. Aber Subotic wirkt matt und kraftlos, und Hummels ähnelt in Bewegung und Spielintelligenz zwar dem »Kaiser«, übertrifft aber mit haarsträubenden Nachlässigkeiten sogar einen Beckenbauer in schlampigsten Zeiten.
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Geld schießt Tore, das ist im Fußball ein Axiom, also ein unmittelbar einleuchtender Grundsatz, der fußballtheoretisch keines objektiven Beweises bedarf. Daher beneidet einer, der viel Geld hat (BVB) einen anderen, der noch mehr hat (Bayern). Wer ein bisschen Geld hat (Eintracht), beneidet den, dem Geldströme von außen zufließen (Bruchhagens Wutrede gegen den HSV). Und wer noch weniger Geld hat als die Eintracht, neidet dieser wie Nürnbergs Hecking den »um sechs oder sieben Millionen Euro höheren Personaletat als wir« (Schreibers Randnotiz: Soeben einen Flüchtigkeitsfehler korrigiert, dem »Gelströme« das »d« beigefügt. Obwohl: In der Bundesliga fließen beide Ströme).
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Frage an Radio VW-Stadt: Schießt Geld Tore? Antwort: Im Prinzip ja, aber Magath kämpft wacker gegen den Trend.
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Fast nobelpreiswürdig, wie viel Geld in Wolfsburg mit derart wenigen Punkten verzinst wird. Dagegen bringen Bundesanleihen Top-Renditen! Apropos Nobelpreis: Den Ig-Nobelpreis (von ignoble = unwürdig) erhält jetzt jener tüchtige Wissenschaftler, der in einer aufwändigen Studie erforscht hat, warum bei Joggerinnen mit Pferdeschwanz dieser horizontal pendelt, obwohl der Kopf sich vertikal bewegt.
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Überhaupt mangelt es weltweit nicht an überflüssigen Studien. Eine zum Beispiel, weil sie nur nachäfft, was in dieser Kolumne bereits 2008 persönlich-empirisch festgestellt wurde: »Wer Biathlon mag, hört gerne Stadl-Musik und feiert feste MDR-Fasching.« Ich selbst habe diese böse Behauptung schon längst mit größtem Bedauern zurückgenommen. Dies ist auch dem Schweizer Psychologen Willibald Ruch zu raten, der folgende Beweiskette geknüpft hat: Männer, »die Blondinenwitze mögen, hören auch Schlagermusik und sind für die Todesstrafe«.
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Meine liebste Zielgruppe würde auch mich exekutieren, wenn ich und nicht eine hochwissenschaftliche Studie (gefunden im SZ-Wochenende) herausgefunden hätte, »dass Frauen, die kurz vor dem Eisprung stehen, am besten geeignet sind, Schlangen in Gebüschen zu entdecken«. Ich wurde ja sogar von der Liebsten aus der liebsten Zielgruppe heftig gescholten, weil ich im Samstags-Stammtisch reinen Helferherzens einen Dekolleté-Service eingerichtet hatte. Demütig nahm ich den Rüffel für senile Pubertätssabberei hin.
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Zu guter hessischer Letzt: Der sehr geschätzte FAZ-Kollege Michael Horeni hat mit Klopp ähnlich gegoogelt wie alle deutsche Welt mit Bettina W., bei der das »Autocomplete«-System gewisse ominöse automatische Suchvorschläge macht. Bei »Klopp« »taucht dahinter das Wort ›Bundestrainer‹ auf – 140 000 Ergebnisse!« Ich hab’s überprüft. Stimmt nicht. Bei mir schlägt Google für »Klopp« nicht »Bundestrainer« vor, sondern »Kloppenburg, Kloppenheim, Klopp Bart, Kloppers Brauhaus, Kloppmaschin, Kloppenheimer Kerb«. Die Kloppmaschin (»Unabhängige neutrale Verbraucherinformation für Lollar und Staufenberg«) gefällt mir natürlich am besten, mein ungegoogeltes automatisches Assoziationssystem führt mich aber von der Kloppmaschin über die Roppmaschin zur Roteroiweroppmaschin, denn die »roppt die Roiwe raus«. Auch als Freund des Dortmunder Fußballs hofft der Hesse, dass morgen die Roppmaschin angeworfen wird, die Gelweroiweroppmaschin. Das Ende, jedenfalls das vom Lied: »Un wenn se all geroppt sin, isses Roiweroppe aus.«  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle